Music Review | verfasst 21.11.2016
Willie Hutch
Seasons For Love
Be With, 2016
Text Lars Fleischmann
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.3
Redaktion
Cover Willie Hutch - Seasons For Love

»It hurts so bad.« Soul zeigt sich auf Willie Hutchs zweitem Album aus dem Jahre 1970 von seiner flotten, aber auch von seiner verletzten und seiner verletzlichen Seite. Vielen ist Willie Hutch eher bekannt durch seine Arbeit an den beiden Blaxploitation-Soundtracks von »The Mack« und »Foxy Brown«. Hier jedoch kommt er ganz gefühlvoll daher. Was macht man, wenn man sich in eine Frau verliebt? Was, wenn sie einen verletzt? Wie soll man diese Frauen überhaupt verstehen? Fragen, die das (Männer-)Herz bewegen. Camp geht es hier nicht zu. Zwar handelt es sich um eine MoTown-ReIssue, doch – und das macht einen gehörigen Anteil an der Ausnahmestellung Hutchs aus – klingt ein großer Teil der Platte eher nach Memphis, nach Stax Records. Eigentlich ist die Stimme zu sauer, zu reibeisig und die Bläsersätze sind zu druckvoll für Detroit. Doch der Deep Soul kommt nicht zu kurz. Genügend Schmacht und Schmalz für mehrere Platten und nicht nur zwei Vinyl-Seiten bekommt man zielsicher geliefert. So findet man hier Sam Cooke, der mit Otis Redding trinken geht; manchmal auch Marvin Gaye, der mit Sam & Dave tanzen geht. Willie Hutch, obwohl heute weitestgehend unter dem Radar fliegend, war nicht ohne Grund eine der Stützen des MoTowns. Und Berry Gordy tat gut daran, diese Perle des Souls zu halten. Viel deeper als bei Willie Hutch geht’s kaum. Und »Seasons For Love« ist vielleicht das schönste, das tiefste, das verletztlichste Zeugnis der Soul-Ära der jungen 1970er Jahre.

»Seasons For Love« von Willie Hutch findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 06.03.2008
Erykah Badu
New AmErykah Part 1 - 4th World War
Durchatmen: Frau Badus viertes Album ist so viel mutiger und besser als der durchwachsene Vorgänger.
Music Review | verfasst 17.11.2016
Erykah Badu
But You Cain't Use My Phone
Ihr Mixtape »But You Cain’t Use My Phone« gibt’s jetzt auf Vinyl. Damit beweist sie erneut, dass mit einer Erykah Badu zu rechnen ist.
Music Review | verfasst 08.04.2019
Marvin Gaye
You're The Man
»You’re The Man« versammelt Musik von Marvin Gaye, die der Öffentlichkeit bisher weitestgehend vorenthalten wurde. Widerspruch inklusive.
Music Review | verfasst 24.04.2020
Marvin Gaye
More Trouble
Motown veröffentlicht mit »More Trouble« unbekannte Versionen aus den Sessions zu Marvin Gayes Soundtrack zum Film »Trouble Man«.
Music Review | verfasst 24.03.2017
The Ahmad Jamal Trio
The Awakening
Fusion, Easy Listening, orchestrale Arrangements und Chöre waren ihm nicht fremd. Doch seine besten Alben nahm Ahmad Jamal im Trio auf.
Music Review | verfasst 26.07.2019
Tommy Guerrero
From The Soil To The Soul
2006 via Quannum nur auf CD erschienen, legt Be With jetzt 13 Jahre später »From The Soil To The Soul« von Tommy Guerrero als Vinyl LP nach.
Music Review
Skudge
Time Tracks
Mit »Time Tracks« will Elias Landberg alias Skudge mal wieder die Zeit anhalten. Doof nur, dass er sie manchmal zurückdreht.
Music Review
The Exaltics & Heinrich Mueller
Dimensional Shifting
The Exaltics macht erstmal mit Heinrich Mueller alias Gerald Donald gemeinsame Sache. »Dimensional Shifting« ist eins nicht: vorgestrig.
Music Review
Mulatu Astatke & Black Jesus Experience
To Know Without Knowing
Auch auf »To Know Without Knowing«, seinem neuen Album mit Black Jesus Experience, ist Mulatu Astatke unverkennbar.
Music Review
Croatian Amor
All In The Same Breath
Loke Rahbek hat mit »All In The Same Breath« ein neues Album unter seinem Moniker Croatian Amor bei Posh Isolation veröffentlicht.
Music Review
Dee Dee Bridgewater
Afro Blue
1974 nur in Japan veröffentlicht, bekommt »Afro Blue«, das Debüt von Dee Dee Bridgewater jetzt eine zweiten Anlauf auf Mr Bongo spendiert.
Music Review
Oiro Pena
2
Der finnische Multiinstrumentalist Antti Vauhkonen veröffentlicht Versponnes mit seiner bei Jazzaggression erschienenen Vinyl 10-inch »2«.
Music Review
Groupe RTD
The Dancing Devils Of Djibouti
Hand hoch, wer Dschibuti auf dem Globus auscheckt. Musikalisch war das afrikanische Land noch gar nicht auf der Landkarte verzeichnet.
Music Review
Patricia
Maxyboy
IDM mit Hardware-Patina: Auf »Maxyboy« von Patricia werden Aphex Twin, Autechre und Planet Mu zu musikalischen Abziehbildern.
Music Review
John Scofield / Bill Stewart / Steve Swallow
Swallow Tales
Ein Hochgenuss für Jazz-Connaisseure: John Scofield und Bill Stewart erkunden auf »Swallow Tales« Kompositionen von Steve Swallow.
Music Review
Biosphere
Dropsonde
Mit ganzen sieben Bonustracks kommt die Neuauflage von »Dropsonde« daher. Darauf unterzog Biosphere Jazz einer radikalen Neuinterpretation.
Music Review
Roly Porter
Kistvaen
Kolossal dröhnende Klangkulissen sind das Fundament für »Kistvaen«, das vierte Release von Roly Porter für Subtext Recordings.
Music Review
Fairuz
Maarifti Feek
Feierlich, melancholisch und mystisch: Das Album »Maarifti Feek« der libanesischen Sängerin Fairuz wurden bei WeWatnSounds veröffentlicht.
Music Review
Darkstar
Civic Jams
Vor zehn Jahren schrieben Darkstar die Musik zum Krisennachklapp, mit »Civic Jams« strudeln sie in die nächste hinein. Auweia!
Music Review
Muslimgauze
Salaam Alekum, Bastard
»Salaam Alekum, Bastard« zählt zu den intensivsten Arbeiten von Muslimgauze und wurde jetzt auf Kvitnu wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Kern Vol. 5: Mixed By Helena Hauff
Gut Ding will Weile haben: Mit seiner Mix-Reihe »Kern« lässt sich der Club Tresor Zeit. Helena Hauffs Mix ist der beste des Jahres.
Music Review
Nihiloxica
Kaloli
Nihiloxica waren der feuchte Traum der Musikjournaille. Nach zwei EPs ist »Kaloli« ihr Debütalbum. Muss sich die Gruppe nun beweisen?
Music Review
Kate NV
Room For The Moon
Mit ihrem dritten Album »Room For The Moon« zündet die russische Musikerin Kate NV die nächste Stufe ihrer verspielten Popmusik.
Music Review
Dijit
Hyperattention
Trip-Hop. Aus Cairo. Da kann man schon mal hellhörig werden: Zum Release von »Hyperattention – Selected Dijital Works Vol.1« von Dijit.
Music Review
Cindy
I'm Cindy
Vor zwei Jahren stellte uns Palmbomen II Cindy Savals und ihre Stadt Carmel Vista vor. Nun ist ihr Debütalbum »I’m Cindy« »aufgetaucht«.
Music Review
Zaliva-D
Immorality
Double-Whopper-Beats mit Hang zum Dada-Fetischismus: Auf Knekelhuis ist »Immorality«, das neue Album von Zaliva-D erschienen.
Music Review
Sonic Boom
All Things Being Equal
Auf »All Things Being Equal« nutzt Sonic Boom seine Trademarks und bringt Ideen und Experimentierfreude in den Pop.
Music Review
Chester Raj Anand
Strawberry
Pop statt Hip-Hop: Lord Raja hat sich zu Chester Raj Anand zurückverwandelt und mit »Strawberry« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
The Soft Pink Truth
Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase
Mit »Shall We Go On Sinning So That Grace May Increase« bietet The Soft Pink Truth wohlige Wabersounds für wonnige Weltfluchten. Gut so!
Music Review
Run The Jewels
RTJ4
Diese Woche haben Killer Mike und El-P ihr viertest Run The Jewels-Album »RTJ4« digital veröffentlicht. Vinyl folgt im September.
Music Review
Ak'Chamel, The Giver Of Illness
The Totemist
Musik für die Zeit nach der Endzeit: Mit »The Totemist« ist das zehnte Studioalbum von Ak’chamel, The Giver Of Illness erschienen.
Music Review
Freddie Gibbs & The Alchemist
Alfredo
c»Alfredo« heißt das letzte Woche veröffentlichte Album von Freddie Gibbs und The Alchemist. Vinyl steht aus, reingehört haben wir aber.
Music Review
Giuseppe Ielasi
Aix
Giuseppe Ielasis »Aix« klingt über ein Jahrzehnt nach seiner Erstveröffentlichung so frisch wie eh und je. Nicht nur klanglich.
Music Review
Michele Mercure
Pictures of Echoes
Mehr synthetisches Zauberwerk der Kassettenmeisterin: mit »Pictures Of Echoes« ist die nächste Werkschau von Michele Mercure erschienen.
Music Review
JackBoys
JackBoys
»JackBoys«, die erste Labelschau von Travis Scott’s Label Cactus Jack, ist nun auch auf Schallplatte erschienen.
Music Review
Greg Fox
Contact
Größe durch Zurücknahme: Auf »Contact« setzt der Schlagzeuger Greg Fox sein Instrument noch gezielter ein.
Music Review
Nídia
Não Fales Nela Que A Mentes
Auf »Não Fales Nela Que A Mentes« braucht Nídia nicht als einen Rhythmus und einen Loop, um ein riesiges Koordinatensystem zu eröffnen.
Music Review
Your Old Droog
Jewelry
Hier wird auf die Punchlines Wert gelegt, nicht auf die Replay Value: »Jewelry« von Your Old Droog wurde jetzt auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Hessel Veldman
Eigen Boezem
In den Achtzigern entstandene DIY-Aufnahmen aus der holländischen Hafenstadt IJmuiden: »Eigen Boezem« stellt Musik von Hessel Veldman aus.
Music Review
Kanye West
Jesus Is King
»Jesus Is King« von Kanye West ist jetzt auf Vinyl erschienen. Und wir haben die pädagogisch wertvollste 7.0er Review aller Zeiten für dich.
Music Review
Irreversible Entanglements
Who Sent You?
Historisch relevanter wird Jazz dieses Jahr nicht mehr: zur zweiten Album »Who Sent You?« von Irreversible Entanglements.
Music Review
Various Artists
Artificial Dancers – Waves Of Synth
»Artificial Dancers – Waves Of Synth« offenbart weitere schrullige Raritäten in Sachen Synthesizermusik aus den Achtzigern.
Music Review
Auscultation
III
Auf »III« lauscht Auscultation, wie der Name glauben macht, nach innen. Das Hineinhorchen beruht hier auch auf einen tragischen Vorfall.
Music Review
Y-Bayani And Baby Naa & The Band Of Enlightenment, Reason & Love
Nsie Nsie
Brutal sauber ausproduzierter und abgemischter Reggae aus Ghana: Philophon hat »Nsie Nsie« von Y-Bayani veröffentlicht
Music Review
Various Artists
Pacific Breeze 2: Japanese City Pop, AOR & Boogie 1972-1986
An City-Pop-Compilations mangelte es zuletzt nicht. Jetzt erscheint ein zweiter Teil von »Pacific Breeze« auf Light In The Attic.
Music Review
Cucina Povera & Haron
Plafond 6
Cucina Povera und Haron teilen sich die Rillen auf »Plafond 6«. Das Dilettantische wird dabei mitunter so überhöht, dass es wehtut.
Music Review
Soft Power
Brink Of Extinction
Soft Power, das Helsinkier Sextett um den Multiinstrumentalisten Mikael Jurmu, hat ihr drittes Album »Brink Of Extinction« veröffentlicht.