Dass El-P einmal ein waschechtes Südstaaten-Album produzieren würde, zu dem auch Menschen ohne Weltuntergangsfantasien und Hautproblemen ihre, unter Umständen sogar kräftigen, Hintern kreisen lassen können, hatte man 1997 vermutlich, 2003 aber ganz sicher nicht auf dem Schirm. Killer Mike scheint dem blassen Rothaarigen in Atlanta jede Menge Hustensaft hingestellt zu haben, so unverkopft und – ja – funky, klang El-P jedenfalls selten. Und weil Killer Mike einer der fähigsten (und wütendsten) Südstaaten-Spucker überhaupt bleibt, ist »R.A.P. Music« auch eine kleine Offenbarung.
Man kann Jadakiss vieles vorwerfen, unter anderem auch, dass er nach fast 20 Jahren in diesem Spiel seine musikalische Identität immer noch nicht gefunden hat und aus seinem (Jahrhundert)talent viel zu wenig gemacht hat. Dass er aber vielleicht einer von drei Rappern ist, von denen ich mir ein Acapella-Album anhören würde, ist für mich Grund genug, jeden 16er des Yonkers-Bombers mit der Hand im Schritt zu erwarten. »Consignment« heißt sein neues Mixtape, geladen hat er die alte LOX-Brigade, aber auch alles, was gerade zwischen Maybach Music, Cash Money und Black Hippy Rang und Hype hat. Die Dinosaurier mögen immer noch auf »Rite Where U Stand« Reloaded und »Recognize« Redux warten, ich gehe mit Jada aber bereitwillig hard in the paint.

Schlüssiger ist »#controlsystem«, Ab-Souls mittlerweile viertes Album in vier Jahren, dank dem aktuellen Black Hippy-Hype, aber eindeutig auch sein bisher meist erwartetes. Zwischen Kendrick Lamars manchmal etwas enervierender Ernsthaftigkeit und Schoolboy Qs gepflegtem Shittalking-Habitus wirkt Ab-Soul wie ein perfekter Puffer zwischen den beiden momentan erfolgreichsten aus dem Camp. Ich sehe ihn aber dennoch lieber in der Rolle des Sidekicks, nicht zuletzt weil die besten Momente auf #controlsystem_, meist jene sind, in denen Ab-Soul nicht auf sich alleine gestellt ist.










Monochromer ist »On Acid«, das erste Album von Recondite. Kontemplative Tracks zwischen Autorentechno und Afterhourhouse, immer melancholisch, meist mit eher schüchterner Kickdrum und oft ideal um nachts entweder Kilometer auf der Autobahn runterzureißen oder seine Steuererklärung zu machen. Für die bewusste Auseinandersetzung zu unaufdringlich, aber Hintergrundmusik ist ja nun auch nicht immer ein Schimpfwort.



Bock auf Synth-Pop mit Vocals, die klingen als hätte David Byrne wahlweise zuviel Joy Division, Depeche Mode, Scorpions oder Megadeth gehört? Die Gitarrengeschmackspolizei feiert das, was Light Asylum auf ihrem gleichnamigen Album machen einigermaßen, ich komme darauf nur klar, wenn sich darauf konzentriert wird wie Gahan oder Curtis zu klingen, für exaltiertes verbales Eierschaukeln bin ich mittlerweile echt zu alt, auch wenn die Claps dazu oft überraschend laut sind.



