Banksy & Brad Downey – »Do Not Think«, Ausstellung im Kunstraum Bethanien in Berlin

20.09.2011
Der amerikanische Künstler Brad Downey hat für eine Kunstausstellung im Kunstraum Bethanien in Berlin-Kreuzberg ein unter 20 Farbschichten verborgenes Werk des britischen Street-Art-Künstlers Banksy freigeschält.

Leinwandgewordene Kugelschreiberkritzeleien, Tuscheskizzen nachdenklicher Skateboarder, Videodokumentationen von Expeditionen auf Berliner Dächer, Brücken oder Kanalisationstunnel – dafür wollen ZDF, ARD oder Die Zeit persönlich vorbeigekommen sein, deswegen sollen USA Today, die BBC oder sogar die altehrwürdige New York Times darüber berichtet haben? Mitnichten.
Die Berichterstattung erwähnter Anstalten konzentriert sich leider nämlich einzig und allein auf die Freilegung eines acht Jahre alten Wandbildes des bekannten Street-Art-Künstlers, Banksy. Zwei Jahre bevor ihn sein 2005 erschienenes Buch Wall & Piece bekannt machte, hatte ihn der Co-Kurator der Ausstellung, Adrian Nabi, zu dem von ihm organisierten Backjumps-Festival eingeladen, und der propagierte ganz in der Tradition René Magrittes »Every picture tells a lie!«. Das Festival war der nächste Schritt nach der Einstellung des von ihm 1994 gegründeten zweisprachigen Graffiti-Magazins Backjumps, das heutzutage Legenden-Status genießt – sozusagen eine Live-Ausgabe des Hefts, mit dem Anspruch den Rahmen des Magazins um zusätzliche Kategorien wie Grafik, Design, Architektur, Mode, Tanz oder Urban Art zu erweitern.

Mit diesem Anspruch ging auch im Jahr 2011 Adrian Nabi an sein nächstes Projekt: die Ausstellung Do Not Think, die im Rahmen der Berlin International Skateboard Artists Residence (BISAR) am 10.9. wieder im Künstlerhaus Bethanien ihre Tore öffnete, möchte interaktiv die zahlreichen Aspekte der Skateboard-Kultur demonstrieren. Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit dieser hat man z.B. direkt vor dem Künstlerhaus, wo Künstler Dave The Chimp seine nicht ganz zufällig auch skatebare Installation Papa & Ich positioniert hat. Der vielfach dekorierte US-Künstler Brad Downey hat sich hingegen entschieden, das erwähnte Werk von Banksy unter zwanzig Schichten Farbe wieder hervorzukratzen. Sein somit entstandenes Werk What Lies Beneath ist als deutliche Kritik an den Kunstmarkt und an den Banksy-Hype zu verstehen, bloß interpretiert das kaum einer der Besucher so wie es gemeint ist.

»Das ist kein Banksy mehr, das ist eine Arbeit von Brad Downey. Der ganze Raum ist die Arbeit, und nicht das Banksy-Bild alleine.« (Co-Kurator Adrian Nabi)

Und auch die Meinungsmacher scheinen es nicht verstanden zu haben, sonst wäre Co-Kurator Adrian Nabi auch nicht so verstimmt: »Viele kommen wegen dem Banksy-Hype, weil die Medien das auch völlig falsch darstellen. Das ist kein Banksy mehr, das ist eine Arbeit von Brad Downey. Der ganze Raum ist die Arbeit, und nicht das Banksy-Bild alleine. Die verstehen auch nicht, dass das ein zynischer Kommentar zu den Mechanismen des Kunstmarktes ist. Es geht in der Arbeit um Gier, um das, was die Leute daraus machen. Wenn du sechs oder acht Monate an einem Projekt arbeitest und die Menschen, die dann kommen, hier durchflanieren und sich die Sachen angucken, als würden sie an Schaufenstern vorbeigehen, dann hat das für mich keinen Wert: ich hab nix zu verkaufen. Wenn die Menschen sich die Sachen intensiv anschauen und sich dann auch in Gesprächen mit uns damit auseinandersetzen, dann ist das ein Gewinn, dann kann ich sagen da hat sich der Tag gelohnt. Der Großteil der Berichterstattung bringt das einfach nicht.«

Wo nun die Linie zu ziehen ist zwischen Downeys Werk und der Skateboardkultur bleibt schwierig zu erörtern, sehenswert ist »Do Not Think« allemal.