Mykki Blanco – Live am 21.5. im K4 in Nürnberg

23.05.2013
Foto:Björn Bischoff
Egal, was wer jemals über Mykki Blanco geschrieben hat, es wird nichtig bei einer seiner Live Perfomances. All die Feuilletons und Seiten von Musikmagazinen, der intellektuelle Überbau – »Welcome to hell, bitches, this is Mykki Blanco!«

Eine Besessene, das ist Mykki Blanco. Jemand, der mit jedem Wort einen Limbus öffnet. Mit ihrem Mixtape »Cosmic Angel: The Illuminati Prince/ss« knackte sie vor ein paar Monaten HipHop. Und was sich da stellenweise nur andeutete, bricht auf der Bühne aus Mykki Blanco raus. Aus dem ersten erstarrten Staunen wird im Laufe des Abends beim Publikum im Musikverein K4 in Nürnberg oftmals zu einem ekstatischen Zucken. Ratlose Gesichter gibt es trotzdem noch. Aber jeder Mensch reagiert nun einmal anders, wenn einem Mykki Blanco in die Augen schaut. Wieder. Und wieder. Was beängstigend angenehm ist, denn eigentlich kämpft Mykki Blanco mit ihren eigenen Dämonen auf der Bühne. Wenn sie sich das Mikro wie eine 45er an die Schläfe hält, wenn sie sich hinter einer Gardine versteckt, wenn ihre eine Hand in der Unterhose steckt und die andere sie würgt, ist das klar Provokation, aber auch authentisch, erschreckend, aufweckend. Michael David Quattlebaum Junior ist nicht die eine, Mykki Blanco nicht die andere Seite. Es ist ein und dieselbe Person. Von ihrer neuen EP » Betty Rubble: The Initiation« liefert Blanco als Tracks »Feeling Special« und »Crisp Clean«. Die Beats sind live dabei noch schwerer und dunkler als aus dem Studio, die Stimme von Blanco kommt direkt aus den Untiefen ihrer Seele. Aber Kunstperformance am Arsch: »Welcome to hell, bitches, this is Mykki Blanco!« Egal, was wer über Mykki Blanco geschrieben hat, es ist nichtig bei diesem Set. All die ganzen Feuilletonblätter, die Seiten von Musikmagazinen, der intellektuelle Überbau – zerfetzt von Blanco. In einer Stunde bringt Blanco mehr HipHop unter als mancher Rapper, der sich auf den üblichen Boom Bap-Spielchen austobt. Wenn die Musik runterfährt, geht es für Blanco einfach weiter. Jede ihrer Zeilen sitzt, Blanco setzt Betonungen, Geschwindigkeit und Aussprache bewusst so ein. Keine Kunstfigur, sondern ein Emcee durch und durch. Die Popkultur liegt zerschmettert Blanco zu Füßen. Blanco ist ihre Rache und Hoffnung zugleich. Und in dieser Intensität so ziemlich einzigartig im Moment. Besessen davon, es dieser Welt zu zeigen. War schon mal ein guter Anfang an diesem Abend.

[shariff]