New Record Labels – Delft, Row Records, Sleazy Beats Black Ops und Wolf Music

03.03.16
Jeden Monat stellen wir Euch Plattenlabels vor, die neu bei uns im hhv.de Shop vertreten sind und/oder deren Entdeckung sich unbedingt lohnt. Die Auserwählten in diesem Monat: Delft, Row, Sleazy Beats Black Ops und WOLF Music.
Delft ist ein 2013 vom US-Amerikaner Kevin McHugh gegründetes Plattenlabel aus Berlin. Die Gründung McHughs ersten eigenem Plattenlabel – dem mittlerweile mit Valence ein zweites gefolgt ist – erfolgte eher beiläufig. Ein Freund besuchte den Wahlberliner in seinem Studio und hörte sich neue Tracks von dem sonst unter den Pseudonymen Ambivalent oder Amber bekannten Produzenten an. »Er ermutigte mich dazu, die Stücke auf Vinyl zu veröffentlichen, um zu sehen, wie sie aufgenommen würden«, erinnert sich McHugh. Das lieferte nicht nur den Startschuss für sein neues Projekt LA-4A, sondern auch Delft. Was als Experiment begann, konnte sich schnell etablieren. Aus Demos von Matrixxman und JPLS, sowie vor allem eigenen Tracks unter dem LA-4A-Pseudonym speisten sich anfangs die Releases, während über das Label und den Betreiber wenig an die Öffentlichkeit sickerte. Absicht? »Ich habe das nicht versteckt, aber es genossen, dabei zuzusehen, wie die Leute es aufnahmen. Mehr als alles andere noch gefiel mir die Freiheit, Musik herauszubringen, ohne es über Social Media zu pushen zu müssen«, erklärt McHugh. »Je weniger ich darüber sprach, desto besser konnte ichdabei zusehen, wie es frei von Beeinträchtigungen funktionierte.«_

Besonders viel Aufmerksamkeit zogen die Releases wegen ihrer auffälligen Gestaltung auf sich: Blaue, expressive Tintenklecksermuster schmückten die ersten Delft-Releases. Verantwortlich für das Design war der Art Director Ted Rohn. »Ted weiß genau, welche Art von Kunst ich mag und verstand sofort meine Anspielung auf Porzellan aus Delft als eine Art, handgemachte Antiquitäten mit dem Modernen und Mechanischen zusammenzubringen.« Gleichsam können die Artworks auch als Kommentar auf aktuelle Entwicklungen in der Szene verstanden werden. »Ich mache mir Sorgen, dass Techno zu ernsthaft geworden ist und die Farben verschwinden«, sagt McHugh. Techno garniert mit Acid-Elementen ist schließlich auch das Kerngeschäft von Delft, das eine Mischung aus Traditionsbewusstsein und technischem Anspruch anpielt. Wenn ein Track auf einem großen Soundsystem nicht gut klingt, wird er nicht auf Vinyl gepresst, erklärt McHugh rigide. Das ist aber schon die einzige erklärte Diktion von Delft, bei dem neben dem DJ und Promoter Dean Driscoll noch Marlene Rietschel aushilft, ohne deren Organisationstalent McHugh nach eigenen Aussagen die Arbeit an beiden Labels nicht stemmen könnte. Letztlich aber geht es bei Delft immer noch um das, womit alles anfing: Der Musik. »Ich habe Delft ohne bestimmtes Ziel gegründet«, sagt McHugh. »Kreativität ist ein Tagtraum, der sich niemals Ambitionen unterordnen sollte.« Damit ist er seitdem trotzdem bestens gefahren.

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Row ist ein 2014 von Paul Ormanns und Christian Petzoldt gegründetes, deutsches Plattenlabel aus Jena. »Jena ist nicht gerade eine Metropole«, gibt Ormanns unumwunden zu, wenn er auf den recht internationalen Roster seines Labels angesprochen wird. Dabei finden sich in der thüringischen Stadt zumindest zwei Institutionen, die über deren Grenzen heraus szeneweit bekannt sind: Der Club Kassablanca und der Plattenladen Fatplastics, bei welchem Ormanns hinter dem Tresen steht. Dort bot sich auch die Gelegenheit, ein Label zu gründen. »Ich habe Keita Sano und Die Roh einfach mal angeschrieben und ihnen von dem groben Konzept erzählt, sie konnten sich das vorstellen. Danach kam eigentlich alles ins Rollen«, erinnert sich Ormanns. Er holte seinen guten Freund Petzoldt mit ins Boot, der wiederum den Künstler Alexander Neugebauer für das Artwork engagierte. Plötzlich wurde aus einem groben ein feinstoffliches Konzept, das verrauschte Dance Music mit allerlei ungewöhnlichen Einflüssen einschließt – Hauptsache, es klingt roh.

Schon mit der ersten Veröffentlichung vom japanischen Produzenten Keita Sano zog Row einige Aufmerksamkeit auf sich. Selbst das Online-Portal Resident Advisor veröffentlichte eine Review dazu, und das ohne jemals eine Promo von den dreien erhalten zu haben. Ob Ormanns Anstellung bei Fatplastics da nicht vielleicht ein entscheidender Faktor ist? »Man kennt die Vetriebe und Vertriebswege, das macht manche Sachen etwas einfacher«, gibt der hinsichtlich seines »Traumjobs«, wie er ihn selber nennt, zu. Vor allem aber geht es Row um Wertigkeit. »Für uns ist die Schallplatte auch das schönste Format, um davon Musik zu hören beziehungsweise zu sammeln«, sagt Ormanns – eine Direktive, die sich in den limitierten, schmuck aufgemachten Releases von Row offenkundig widerspiegelt. Klingt alles wasserdicht, einen Masterplan für Row gebe es jedoch nicht. »Es muss halt irgendwie von der musikalischen und menschlichen Seite passen. Jede Platte soll für sich stehen.« Ob es nun Sano, das italienische Duo oder der Mailänder MCMXC ist, Hauptsache es klingt roh, oder besser gesagt: Row.

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Sleazy Beats Black Ops ist ein 2012 von den DJs Kris Percy aus Kopenhagen und Monsieur Monod aus Amsterdam gegründetes Plattenlabel. Die Geschichte von Sleazy Beats Black Op lässt sich im Dreisprung zurückverfolgen: Bevor das dänisch-niederländische DJ-Duo es in seiner jetzigen Inkarnation betrieben, gab es mit Sleazy Beat ein weiteres Label, das nur zehn Katalognummern verzeichnet. »Wir dachten, zehn sei eine gute Zahl für eine Serie und Black Ops würde uns die Möglichkeit bieten, danach einen deeperen, launischeren Sound zu verfolgen. Less glitter, more basement«, erklärt Monsieur Monod. Bevor 2009 allerdings die erste Serie gelauncht wurde, existierte Sleazy Beats vor allem als Blog, der von den beiden DJs immer noch betrieben wird und ihnen die Labelgründung mehr oder weniger in den Schoss fallen ließ. »Uns wurden viele Demos und unveröffentlichte Tracks zugeschickt, von denen einige so gut waren, dass wir uns dazu entschlossen, unsere Konten zu plündern«_, erinnert sich der Niederländer.

Ein ausformuliertes Konzept existierte bei Sleazy Beats wie auch dem Nachfolger Sleazy Beats Black Ops nie, selbst musikalischer Natur nicht. Obwohl viele der Releases zuerst wie Edits obskurer Disco-Platten klingen und mit Produzenten wie Junktion, Max Graef oder Admin entsprechende Auskenner und Bastler an Bord sind: Um ein reines Edit-Label handelt es sich keineswegs. »Es ist ein samplelastiges Ding, sofern das Ding ergibt. Da gibt es wohl eine feine Grenze zwischen den beiden, nehme ich an, aber letztlich ist das gehupft wie gesprungen.« Weniger laissez-faire ist die Einstellung des selbsternannten DIY-Unternehmens in Sachen Aufmachung: »Ich sitze den Großteil meines Tages vor einem Computermonitor. Platten herauszubringen gibt mir das Gefühl, etwas Echtes und Handfestes zu machen.« Von der bevorzugten Coverbreite – 3mm natürlich – bis hin zur strikten Limitierung überlassen Sleazy Beat Black Ops nichts dem Zufall, geht es um die Gestaltung der Releases. »Ich liebe einfach Kram, den du auch deiner Oma zeigen kannst!« Die hätte das mit dem Blog wohl eh nicht verstanden.

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WOLF Music ist ein 2009 von Stu Clark und Matt Neale gegründetes, britisches Plattenlabel aus London. »Ich hatte Zugang zu einem Klassiker und wollte dem eine neue Wendung geben«, erinnert sich Neale an die Initialzündung für die Gründung von WOLF. Aus Mangel an Alternativen gründete er mit seinem alten Kumpel Clark ein eigenes Label, auf dem die beiden DJs seitdem eine Reihe von Platten veröffentlichten, anstatt darauf zu warten, dass sich jemand anderes darum kümmerte. Auf die erste Katalognummer – inklusive Remixe des genannten Klassikers, Atmosfears »Dancing In Outer Space« – folgten bald weitere. Die Leitfrage bei WOLF Music ist relativ simpel, erklärt Neale: »Würden wir es selber kaufen?«_ Lautet die Antwort ja, ist das nächste WOLF-Release geboren. Eine klassische A&R-Arbeit leisten die beiden dabei nicht. Hin und wieder bekommen sie spannende Demos, Tipps von Freunden oder es kehren alte Bekannte zurück, wie etwa Medlar, der den Großteil seiner Releases über WOLF veröffentlicht.

Musikalisch ist allerdings definitiv ein roter Faden im Kader des im Laufe der Zeit nach London übergesiedelte Label zu erkennen. Panorama Bar-Resident und Labelbetreiberin Steffi hat dort im Laufe der Zeit ebenso veröffentlicht wie der niederländische Tausendsassa Frits Wentink oder der Remix-Nerd Red Rack’Em. Es ginge ihnen um »real House culture«, steht auf der Homepage von WOLF zu lesen. Was aber genau bedeutet das? »Darüber könnte ich ein 500seitiges Buch schreiben und würde doch keine 100% abschließende Antwort darauf geben, schließlich ist das subjektiv«, räumt Neale ein. Für sich selbst jedoch sei Authentizität am wichtigsten. »Auf welche Art auch immer du drauf schaust, es gibt eine Essenz, die sich durch die Musik und die Menschen, die zu dieser tanzen, hindurch zieht. Wenn du diese Kultur studierst, wirst du Dinge erkennen, die sich mit deinen eigenen Erfahrungen in der Gegenwart decken. Es geht nicht um eine Zeit oder einen Ort, sondern das Gefühl, das in dir geweckt wird.« Das scheint insofern nur sinnig, als dass WOLF seinen Anfang mit einer ganz intuitiven Entscheidung fand – und sich seitdem bestens gehalten hat.

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