Über die Bedeutung der Midwest-Emo-Band American Football ließen sich ganze Bücher schreiben. Letztens wurde der Kern ihres Einflusses jedoch im Podcast »Indiecast« zusammengefasst: Die Veröffentlichung ihres legendären Debütalbums im Jahr 1999 markiere den Moment, »when emo stopped being punk«. Klingt richtig, denn anstelle brachialer Herzschmerz-Refrains und fetter Major-7-Akkorde lebte die Platte vielmehr von soften Arpeggios und delikatem Feingefühl.
Nachdem die Band kurz nach ihrem Debüt zerfiel und sich erst 2014 wieder zusammentat – pünktlich zum Höhepunkt des damaligen Emo-Revivals, das ohnehin stark von American Football beeinflusst war –, ist nun ihr viertes Album erschienen. Mit Punk hat auch dieses unerwartete Meisterwerk nichts zu tun, wenn auch aus anderen Gründen: Tatsächlich klingt die Platte am ehesten wie moderner, zugänglicher Progressive Rock – mit komplexen Strukturen, ausgetüftelten Arrangements und einem Gesangsstil, der eher an Porcupine Tree als an Jimmy Eat World erinnert.
Tief emotional ist American Football 4 trotzdem, vor allem aufgrund der Lyrics: Sich selbst als »two little boys in a trench coat« zu beschreiben, ist ein herausragender Weg, die eigene Betrügerei anzuerkennen. »No feeling, no pain«, heißt es an anderer Stelle. Eiskalte Lüge. Auch »Patron Saint of Pale« berührt, wenn Frontmann Mike Kinsella sich darin wünscht, nie wieder tanzen zu müssen. Also schlägt er Schere, Stein, Papier vor: »If I win, I’ll never have to dance again.« Geht musikalisch zwar in andere Richtungen – doch nichts ist mehr Emo als das.

LP 4 Red Vinyl Edition
