Review

Anna von Hausswolff

The Miraculous

City Slang • 2015

Adeliger Name, skandinavische Herkunft, Hauptinstrument Orgel. Bei diesen Voraussetzungen ist es geradezu folgerichtig, dass Anna von Hausswolff irgend etwas in Richtung Gothic fabriziert. Langgezogene Drones, die zumeist Kirchen als Klangräume nutzen (logisch, denn wo sonst findet man die meisten Orgeln?), dominieren das dritte Album »The Miraculous« der in Dänemark lebenden Schwedin. Noch längere und komplexere Songstrukturen mit noch mehr Pathos ausstaffiert als auf den Vorgängern beschwört Anna von Hausswolff in diesen neun neuen, intensiven Stücken einen wirklichkeitsfremden Schwebezustand herauf, der zwischen Traum, Realitätsflucht und Okkultismus pendelt. Dabei können die erwähnten Orgel-Drones durchaus in Doom Metal umschlagen und ihre Stimme in höchste Höhen aufsteigen. Beim mehr als zehnminütigen Track »Come Wander With Me/Deliverance« übertreibt sie es zwar für sensible Ohren mit wahrlichem Arien-Gekreische etwas, aber dafür haben die kürzeren Stücke auch mal das alt hergebrachte Strophe-Refrain-Strophe-Schema und eingängige, ja sogar sanfte Melodien. Wer also keine Angst vor christlicher Symbolik und weltabgewandten großen Gesten hat und noch dazu idealerweise ein Faible für den raumgreifenden Orgel-Sound, der ist hier genau an der richtigen Adresse.