Das Kollektiv Bellbird macht improvisierten Jazz und erklärt den eigenen Sound in der Ankündigung seines zweiten Albums – was alles dafürspräche, dass The Call eine verkopfte und unhörbare Platte sein könnte. (Manche Klischees erfüllen sich eben doch.) Aber wer sich auf die acht Stücke dieses Albums einlässt, findet sich in einem Mahlstrom wieder. Um den Rhythmus von »Eternity Perspective« beneiden viele andere Bands die Kanadier.
Die üblichen Rollen der Instrumente hätten sie vertauscht, geben Bellbird an: Die Bläser steigen bei den Beats ein und so weiter. Das lässt sich in manchen Momenten hören, bedeutet am Ende aber: Jazz, Fusion und Rock. Wenn der Titeltrack die Taktung erhöht, läuft alles nach klaren Mustern ab, die sich dem Sound unterordnen. (Die vertauschten Rollen mögen da sein, aber das ist nichts, was andere Künstler des Genres nicht schon in den 70ern abgeliefert hätten.) Es ist weniger die Innovation als vielmehr das natürliche Zusammenspiel des Quartetts, das The Call ausmacht.
Allison Burik, Claire Devlin, Eli Davidovici und Mili Hong bringen ihre Instrumente präzise und harmonisch in eine gemeinsame Atmosphäre. Das klingt weniger nach staubigem Jazzkeller als nach einer weitläufigen Klanglandschaft. Wenn sie in der Ankündigung von der kollektiven Stimme schreiben, ist das vielleicht der einzige Satz, dem man direkt zustimmt. Am Ende spricht der Sound für sich. Und das hinterlässt bei einem eindringlichen Album wie The Call Eindruck.

The Call