Ein Album wie Music Inc., das als Jazz-Klassiker gilt, muss schon ein paar Premieren im Angebot haben. Es ist das erste Album des gleichnamigen losen Musikerkollektivs um den Trompeter Charles Tolliver und den Pianisten Stanley Cowell. Zudem ist es die erste Veröffentlichung auf Strata-East Records, dem bis heute legendären Label der beiden Musiker, das den dort veröffentlichenden Künstler:innen weitgehende Freiheit garantierte.
Als Music Inc. 1971 erscheint, steuert die Revolution des Free Jazz langsam auf ihre Endphase zu. Gut ein Jahrzehnt lang wurden musikalische Grenzen ausgelotet und überschritten, bis auch diese Geste an Reibung verliert. Tolliver und Cowell gehen gemeinsam mit Bassist Cecil McBee und Schlagzeuger Jimmy Hopps einen anderen Weg. Sie untersuchen, wie sich Post-Bop und Spiritual Jazz mit einer 13-köpfigen Big Band verbinden lassen, die u.a. mit Jimmy Heath, Clifford Jordan und Curtis Fuller prominent besetzt ist. Die beiden musikalischen Einheiten stehen sich dabei in freundschaftlicher Rivalität gegenüber, ohne einander zu überlagern. In einer Art Call-and-Response befinden sich die Musiker in ständigem, mitunter hitzigem Austausch. Das eröffnet Raum für freiere Passagen, die jedoch stets innerhalb einer klaren tonalen Ordnung verbleiben.

Music Inc Deluxe Edition
