Dass Techno ein wenig alt geworden ist, sollte nach rund vier Jahrzehnten – je nachdem, wann man zu zählen beginnt – keine Überraschung sein. Doch die Prognose, dass ein Detroiter Projekt eines Tages sein 30-jähriges Jubiläum begehen würde, hätte in den Neunzigern vermutlich lauten Protest wegen der damit manifestierten Anti-Techno-Haltung hervorgerufen. Kurzlebigkeit war das Gebot der Stunde, nur die Gegenwart zählte, Futurismus hin oder her. Dopplereffekt, so nennen sich Rudolf Klorzeiger und To-Nhan, haben jedenfalls Anlass, einen solchen runden Geburtstag zu feiern. Das tun sie mit ihrer ersten EP für Tresor, ein Berliner Techno-Label der ersten Stunde.
Dopplereffekt präsentierten sich anfangs gern als Clowns des Electro, mit der Zeit wurden die Titel abstrakter, die Musik tat ihr Übriges. Auf ihrem Album Neurotelepathy gelang ihnen 2022 ein großer Wurf, an den Metasymmetry anknüpft. Als diskursive Begleitmusik wird einiges an Technikphilosophie mitgeliefert, ob man diese in den Trackstrukturen wiederfindet, sei dahingestellt. Dopplereffekt setzen schlicht ihren Weg mit komplexem Techno fort. Die verfeinerten Resultate lassen sie – um einen kruden Vergleich zu bemühen – ein wenig wie die Led Zeppelin der Detroiter Tradition wirken. Doch Led Zeppelin wurden einst ja etwas zu Unrecht von der Punk-Generation zu Buhmännern erklärt; ihre Musik zumindest hat sich gut gehalten. Vielleicht wird man das in 50 Jahren auch von Dopplereffekt sagen.

Metasymmetry