Wenn man überrascht ist, dass Japaner auch Funk können, dann mag das ein Indiz für den eigenen Rassismus sein. Immerhin entstand in den Siebzigern in Japan ein eigenes Genre, City Pop, für das Funk eine wichtige Rolle spielte. Mangelnde internationale Vertriebswege dürften aber eine Rolle dabei gespielt haben, dass viele japanische Beiträge von damals erst jetzt in der restlichen Welt weiter bekannt werden. So etwa die Musik der Sängerin Hitomi »Penny« Tohyama, die auf der Compilation Tokyo Funk Diva 1981–88 zum ersten Mal außerhalb ihres Landes zu entdecken ist.
Schon die erste Nummer dieser Auswahl nimmt einen entschlossen mit Boogie-Beat und Vocoder-Intro in Geiselhaft. Aus der wird man dann bis zum Ende der insgesamt zehn Songs nicht mehr entlassen. Sei es durch die kräftig knarzende Bassline von »Brand New Day«, den fein geschliffenen Bläsersatz von »SFO, Oakland« oder den elegant funky synkopierten Refrain von »Sexy Robot«. Die Texte mischen in wechselnden Anteilen Japanisch und Englisch, die Sounds kopieren mitunter bekannte amerikanische Vorbilder. So gibt sich der Bass in »Wanna Kiss« keine allzu große Mühe, die Inspiration durch »Good Times« von Chic zu verbergen. Was nicht weiter stört: Der Groove stimmt, und Tohyamas klarer Gesang passt bestens zu den straffen Arrangements. Besonders, wenn sie Japanisch singt.

Tokyo Funk Diva 1981-88