Ist das jetzt schon Esoterik? Und wenn ja, ist das schlimm? Dass das jüngste Album des Chicagoer Bassisten Joshua Abrams als Teil der Installation „Pulse Meridian Foliation“ seiner Bandkollegin Lisa Alvarado gedacht war, hilft bei der Beantwortung dieser Frage nicht unbedingt weiter. Es hilft aber zu verstehen, warum das Ergebnis deutlich anders klingt als Abrams’ sonstige Platten mit seiner Natural Information Society. Der für seine Musik typische Puls fällt ebenso weg wie sein Hauptinstrument, der Bass beziehungsweise die Gimbri. Stattdessen beschränkt sich Abrams auf elektronische Klänge, die einen Hintergrund für zwei Bratschen und Lisa Alvarados Harmonium bilden.
Die Musik erinnert an Brandung bei sehr leichtem Seegang. Bestimmte Klänge wiederholen sich in zyklischer Weise: die gehaltenen Doppelklänge der Bratschen, das zittrig vibrierende Harmonium, ein tiefer Bumms, der von einer Trommel stammen oder digital erzeugt sein könnte. Was die Sache wieder typisch Abrams macht, ist der ritualistische Charakter des Ganzen, in dem man sich mühelos versenken kann. Und man kann die eine oder andere Assoziation frei spielen lassen: Sind die langgezogenen Bratschentöne eine Hommage an den Komponisten Tony Conrad? Ganz verkehrt schiene das nicht.

Music For Pulse Meridian Foliation
