Michaela Melián meldet sich zurück – mit Music For A While. Ihre erste Veröffentlichung seit 2018. Keine Arbeit, die sich einem übergeordneten Thema widmet oder eine ihrer Kunstausstellungen begleitet. Ein klassisches Melián-Album, wie immer inklusive Coverversion. Diesmal nicht von Roxy Music oder David Bowie, sondern von Giorgio Moroder und Sparks. Für deren Song »My Other Voice« nutzt die F.S.K.-Bassistin den Vocoder – ihre Stimme klingt dennoch partiell wieder nach Nico.
Entstanden ist vieles in Marseille, ihrer neuen Wahlheimat. Trotz des dort üppigen Sonnenscheins wirkt alles dunkel verschleiert. Ein Stück wie »Nordwest-Passage« verbreitet progressive Bluesatmosphäre. Dann wird – wie in »Tübingen« oder »Märchenwald« – experimentiert: mit schleifenden Rhythmen, hypnotischem Klavierspiel, Cello-Andeutungen und krachiger E-Gitarre.
Dagegen wirken Kompositionen wie die Irving-Berlin-Interpretation »They Say It’s Wonderful« oder »Le Grand Orchestre de Kursaal« wie eingängige Klassik mit dramatischem Pop-Touch. Ihre hypnotischen Klanglandschaften und atonalen Synthesizersounds wurden erneut von Felix Raeithel mitproduziert und zuweilen von Ruth May an der Violine und Elen Harutyunyan an der Bratsche begleitet. Auf die typische Melián-Melancholie hat das keinen Einfluss – sie wirkt eher noch ergreifender.

Music For A While