Wie eine Bestandsaufnahme der wichtigsten zeitgenössischen Jazz-Strömungen wirkt das 1974er Debütalbum des japanischen Pianisten Mikio Masuda. Nur, dass der damals 25-jährige den Bestand nicht lustlos wie ein Buchhalter aufnimmt, sondern mit einer Hingabe und einem Enthusiasmus, dass man meinen könnte, der Post-Bop wäre anno 1974 noch der heißeste Scheiß gewesen.
Masuda kann Lyrismen, wie im Piano-Solo-Track »Alone Alone And Alone« am Ende des Albums, er kann aber auch seine Finger mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit über die Tasten jagen. Begleitet wird er dabei von dem Trompeter Terumasa Hino und seinen Musikern, mit denen er vorher bereits als Sideman zusammengespielt hat. Im Spiritual-Jazz-Stück »Prayer« zeigt Gastsaxofonist Takao Uematsu, dass hervorragende John-Coltrane-Adaptionen auch sieben Jahre nach dem Tod des Über-Saxofonisten möglich sind. Die damals angesagte Jazz-Fusion, der sich Mikio Masuda bald schon widmen wird, ist an der rein akustischen Besetzung von Trace zwar nicht abzulesen, wohl aber in der Struktur mancher Stücke wie »Add Some« bereits angelegt.

Trace