Review

Nneka

Soul Is Heavy

Yo! Mama • 2011

Nneka hat ihre Formel der erfrischenden Formlosigkeit verfeinert und bietet auf ihrem dritten Album eine inhaltliche, musikalische und sprachliche Bandbreite, bei der ich drei gemeinsame Nenner ausmachen konnte: Bass, Besinnung und Wärme. In Genres ausgedrückt bewegt sie sich irgendwo zwischen Dub, Soul, Reggae, Afrobeat und Rap. Das melancholische Lucifer ist ein echter Ohrwurm, was auch für die kritischen Töne auf Soul is Heavy und den Gänsehaut-Soul auf Do You Love Me Now gilt. Hitpotential zeigt auch das an Heartbeat erinnernde Don’t Even Think als auch das dancehallige Camouflage. Etwas glatter, aber nicht ganz so eingängig wirken My Home und das soulige Shining Star. Originell und tanzflächentauglich finde ich VIP, bei dem mir mexikanischer Cumbia in den Sinn kommt. Dunkler erscheinen Stay und das unter Einwirkung von Black Thought von The Roots entstandene, zivilisationskritische God Knows Why. In Hinblick auf Nnekas Biographie und ihre ersten musikalischen Gehversuchen im Kirchenchor dürfte »Spiritualität« im weitesten Sine die Themen bestimmen, wobei sie den Sprung in eine abstrakte Textwelt schafft, so dass die Inhalte viel Spielraum für Auslegung lassen. So kann man entspannt daran vorbeihören oder sich angestrengt eindenken, je nach Belieben.