Schon das Cover setzt den Ton: ein Gesicht in extremer Nahaufnahme, im Zentrum diese eindringlichen blauen Augen, deren Blick sich vervielfacht und festsetzt. Visions Of The Past arbeitet mit Hypnose – nicht als Trickserei, sondern als Gefühl, das sich langsam einschleicht. Robert Leiners 1994 auf Apollo veröffentlichtes – jetzt erstmals wiederveröffentlichtes – Album entfaltet seine Wirkung nicht durch große Überraschungsmomente, sondern durch feine Verschiebungen und durch dieses spürbare, immer tiefere Abtauchen in den Sound.
Leiners Sound öffnet schwebende Zwischenwelten, in denen sich elektronische Musik weicher, tiefer und weiter anfühlt. Der Titeltrack bewegt sich langsam, fast schwerelos, und gerade diese Geduld zieht einen in einen tranceartigen Zustand. »Aqua Viva« beginnt als weitläufige Ambient-Klanglandschaft und kippt dann ganz selbstverständlich in einen froggy Acid-Groove, ohne dass es wie ein Bruch wirkt.
Am deutlichsten wird das Prinzip der Hypnose jedoch in »To Places You’ve Never Been«. Ambient-Texturen und Progressive-Techno greifen hier so nahtlos ineinander, dass man kaum sagen kann, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Der Track drängt nicht nach vorn, sondern zieht einen in seiner Vollkommenheit immer tiefer hinein. Genau darin liegt die Stärke von Visions Of The Past: Es schafft einen Raum, in dem man sich komplett im Sound verlieren kann, bis alles andere plötzlich nebensächlich wird. Es ist kein lautes Statement, sondern umhüllt auf eine leise, wohltuende Weise – und erinnert daran, wie viel Kraft in Zurückhaltung liegen kann.

Visions Of The Past