Review

Robson Jorge & Lincoln Olivetti

Déjà Vu

Selva Discos • 2023

Eine der schönsten Wiederveröffentlichungen in Sachen Rio-Funk der vergangenen Jahre war das selbstbetitelte Album der brasilianischen Produzenten Robson Jorge und Lincoln Olivetti, von dem es 2017 ein Reissue gab. Bedauerlich an der ursprünglich 1982 erschienenen Platte war bloß, dass es die einzige LP des Duos bleiben sollte. Jorge starb 1992, Olivettis Tod war 2015. Dabei gab es seinerzeit Pläne zu einer Fortsetzung. Fünf bisher unveröffentlichte Titel davon sind jetzt auf »Déjà Vu« zu entdecken. In den zwischen 1982 und 1986 entstandenen Nummern gibt es noch mehr Boogie als beim ersten Mal zu hören, die nach wie vor messerscharf gesetzten Bläsersätze bekommen gelegentlich etwa Synthiebässe als Fundament, ein knarzig gezupfter E-Bass darf im Arrangement aber auch nicht fehlen. Lateinamerikanische Rhythmen mischen sich genauso selbstverständlich mit Disco wie die elektronischen Instrumente mit den hand- beziehungsweise körpergemachten Klängen. Es zudem wird deutlich mehr gesungen, im Grunde sind dies alles Songs. Die Energie dieser 25 Minuten langen EP könnte man mühelos nutzen, um einen LKW voll Elektroautos aufzuladen. Oder Menschen in Ekstase zu versetzen. Bedauerlich an diesem Reissue-Highlight des Jahres ist bloß, dass man auf den Rest der Platte verzichten muss.