WWer Ambient abtut als esoterisches Sphärenzeugs, das es ästhetisch gerade mal bis kurz hinter die New-Age-Grenze geschafft hat, hat leider Unrecht. Zu viele der eigenen Lieblings-House- und -Techno-Musiker:innen haben in den letzten paar Jahren Ambient-Platten gemacht, die das Vorurteil von der Langeweile entkräften, ohne dass sofort ein weltumspannendes Ambient-Revival ausgerufen werden müsste. Um die Dinge geradezurücken im viel geliebten und viel gehassten Genre, kommt das Debütalbum Wounding von Sanguis gerade recht. Dahinter steckt der Berliner Produzent Ludwig Wandinger.
Vereinfacht ausgedrückt, gibt es zwei Arten von Sanguis-Tracks: die abstrakteren, die in Richtung Dark Ambient gehen, und die mit Field Recordings unterlegten Solo-Piano-Stücke, mit denen Sanguis auf die Ursprünge des Genres, Erik Satie und Brian Eno, verweist. Gerade bei den Piano-Tracks entsteht mitunter ein Schönklang, der aber gleichzeitig den Schönklang infrage stellt. Wounding erinnert auch an die Experimente von Thomas Köner oder Wolfgang Voigt. Und das sind nicht unbedingt die schlechtesten Referenzen.

Wounding