Gqom Oh!

Gqom Oh! ist ein 2015 vom Produzenten Nan Kolè und Lerato Phiri gegründetes Plattenlabel aus London.

Ein Italiener, der über England Musik aus den Townships von Südafrika verlegt? Die Geschichte von Gqom Oh! ist eine ungewöhnliche, wie sie wohl nur im 21. Jahrhundert geschrieben werden kann. Francesco Cucchi begann über Umwege, in afrikanische Rhythmen abzutauchen. Seinen Zugang zu den komplexen Polyrhythmiken aus allen Ecken des Kontinents fand der römische DJ und Produzent durch UK Funky- und Dubstep-Grooves. Im Januar 2015 stolperte er über einen Facebook-Post eines südafrikanischen Freundes mit dem Hashtag #Gqom. Neugierig recherchierte Cucchi, was es damit auf sich habe. _»Ich fiel ins Kasimp3-Wurmloch«_, erinnert er sich. Auf der Filesharing-Seite tauschten südafrikanische Produzenten die neuesten Tunes des Genres aus, das sich ungefähr im Jahr 2013 als regionales Phänomen etabliert hatte. Eifrig sammelte Cucchi dort Tracks und konnte die zuerst skeptischen bald Südafrikaner überzeugen, eine Compilation aus dem besten Material zusammenzustellen. Gqom Oh! war geboren.

Zwischen der dystopischen Atmosphäre von Techno und dem luftigen Understatement von Dubstep ließe sich Gqom einordnen, entwickelt sich aber so rasend schnell weiter, dass Cucchi kaum hinterher kommt. Über WhatsApp-Gruppen schicken ihm befreundete Produzenten heutzutage ihre frischsten Produktionen. Mit dem Gqom-Urgestein Citizen Boy hat Cucchi, der erst nach Veröffentlichung der Auftakt-Compilation auf Gqom Oh! überhaupt die Heimat dieses Sounds zum ersten Mal besuchte, einen Vertreter vor Ort gefunden, der ihn bei der Labelarbeit unterstützt. Leicht ist es aber dennoch nicht, erzählt der Italiener, der seit den Neunzigern als DJ aktiv ist und als ehemaliger Mitarbeiter eines Plattenladens besonders viel Augenmerk auf die Aufmachung der Releases legt und eine römische Graffiti-Crew das Artwork anvertraut. _»Es war nicht einfach, eine bisher fast völlig unbekannte Kultur Gehör zu verschaffen«_, sagt er rückblickend und erinnert sich an eine Tour mit Genre-Übervater DJ Lag, während derer zugleich das erste eigenständige Release organisiert werden musste. Schwierig, das alles allein zu schaukeln.

Der Erfolg aber gab Cucchi letzten Endes recht. »Gqom Oh! The Sound Of Durban«, mühsam aus Dutzenden von Tracks kompiliert, schlug international Wellen und legte den Grundstein für Solo-Releases von Dominowé, TLC Fam und Emo Kid. Was den Sound einer kleinen regionalen Szene von der anderen Seite der Erde aber für Cucchi so anziehend macht? _»Ich mag die Authentizität, die Originalität«_, erklärt er. _»Die kleinen Makel, die echte Schönheit in Musik und Kunst ausmachen. In der elektronischen Musik fehlt es oft an dem, was ich ‘Seele’ nenne.«_ Gefunden hat er diese an einem Jarnuartag im Jahr 2015 auf Facebook – eine Geschichte, wie sie eben nur das 21. Jahrhundert schreiben kann.