Music Review | verfasst 15.04.2014
Sonne Ra
Mula 4 Life
WSP Records, 2014
Text Fionn Birr
Deine Bewertung:
8.8
Nutzer (4)
8.4
Redaktion
Cover Sonne Ra - Mula 4 Life

Nach einigen Features bei Schaufel und Spaten oder dem Plusmacher sowie einige Releases mit seiner Crew Yabamm, waren es Sonne Ra endlich genug Vorboten um nun sein Labeldebüt »Mula 4 Life« mit einer Mixtur aus Rap, Gesang und klassischen Boombap-Beats zu veröffentlichen. »Mula« ist die verkürzte Variante des Begriffs Mulatte und dient dem afrikanischstämmigen DDR-Kind als Selbstbezeichnung, kann aber auch synonym für Freund oder Homie stehen. Genauso eigentümlich wie der Slang des Erfurters, ist auch die charismatisch-verschrobene Singsang-Delivery, die keine Bestrebungen macht den technologiebasierten Ansprüchen heutiger Rap-Hörer gerecht zu werden – der Mann mit Namen wie Manschmann, SSHäuptling oder Jambo Asyl bleibt lieber entspannt und umhüllt die elf Lichtsäulen der LP mit weed-vernebelten Gedankensträngen. In der Galaxie des Ra darf sich »Schwanz« noch auf »Hans« reimen, Silben werden gestreckt und gezogen wie Bongköpfe, Lässigkeit regiert. Der teilzeitliche Funkverteidiger ist ein Freigeist, dem Konventionen wenig anhaben können und gerade deswegen Augenzwinker-Aussagen wie »Dein Pflaumenkuchen duftet so süß«, aber auch Erfahrungsberichte über Alltagsrassismus in der ostdeutschen Provinz hoch-unterhaltsam und unpeinlich vorzutragen weiß. Ra versteckt seine Freakness nicht hinter musikalischem Avantgardismus, sondern wälzt seine lyrischen Lichtbüschel auf Klangteppichen von Figub Brazlevic, Brenk, Dexter und so ziemlich jeder Sample-Spürnase aus dem führenden Instrumental-Zirkel des deutschen Indie-Rap-Kosmos zu einem »Mula Funk« für süßlich-duftende Entspannungsübungen. »Mula 4 Life« ist die wohl lässigste Deutschrap-Überraschung des kommenden Sommers. In diesem Sinne: Lasst die Sonne rein!

Das Album »Mula 4 Life« von Sonne Ra findest du bei hhv.de auf LP und Tape
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 09.04.2013
Waldo the Funk
Toykis EP
An Stelle von plakativen Phrasen und abgegriffenen Sprüchen gibt es sauberen Rap über Rap und Barphilosophien mit einem Hauch Melancholie.
Music Review | verfasst 21.08.2014
Dexter
Palmen und Freunde
Auf »Palmen und Freunde« entspannt sich Dexter zwischen 808s und Samples aus der Cheesy-Listening-Sparte auch mal mit einem Rap-Part.
Music Review | verfasst 24.10.2014
Mädness
»Maggo«
Der ewige Lieblingsrapper der Lieblingsrapper Mädness zeigt auf »Maggo« wie man auch als Rap-Rentner dope bleibt
Music Review | verfasst 01.07.2016
Waldo the Funk
Domingo Vogel
Entspannter Vibe, smarte Texte, innovative Beats. Sonntagsvogel Waldo the Funk beweist: Deutscher Rap can jump!
Music Essay | verfasst 10.05.2013
Deutschrap-Renaissance
Weltfrieden und Konsumterror
Plötzlich ist der Deutschrap zurück. Vielfältig, individuell, thematisch schwer auf einen Nenner zu bringen, und gleichzeitig musikalisch und textlich auf einem neune Level. Wir haben versucht, Aspekte dieser Wiederkehr zusammenfassen.
Music Review | verfasst 06.06.2007
Warheit
Betonklassik
Lange musste man auf ein Album von Azads Crew Warheit warten, nun liegt es mit endlich vor.
Music Review | verfasst 30.12.2010
Tua & Vasee
Evigila
Tua & Vasee haben sich hingesetzt, ein Konzept erarbeitet und ein Album aufgenommen, dass den Namen »Kunstwerk« verdient.
Music Review
Machinefabriek
With Voices
Auf über hundert Releases hat Machinefabriek bisher kaum mit Stimmen gearbeitet. Auf »With Voices« mit kaum etwas anderem.
Music Review
Toro y Moi
Outer Peace
Extrem poliert: Mit »Outer Peace« gibt Toro y Moi seinen Metakommentar zur heutigen Aufmerksamkeitsökonomie ab.
Music Review
Commodo
Rikers – 12"
Commodo ist einer der Protagonisten einer Szene, die dem Genre Dubstep wieder auf die Sprünge helfen wollen. »Rikers« zeigt wie.
Music Review
Pom Pom
Untitled II
Wer steckt hinter Pom Pom? Keine Ahnung. Doch eines wissen wir: »Untitled II«, soeben auf A-Ton erschienen, ist sensationell gut.
Music Review
Ry-Co Jazz
Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz
Radio Martiko legt mit »Dansons…Avec Le Ry-Co Jazz« zwischen 1961 und 1966 entstandene Musik der Kongolesen Ry-Co Jazz neu auf.
Music Review
Purple Image
Purple Image LP
1968 war von afroamerikanischen Bands gespielter psychedlischer Rock eher die Ausnahme. Purple Image waren so eine Ausnahmeerscheinung.
Music Review
Hedvig Mollestad Trio
Smells Funny
Wer die Bands von Nels Cline oder Ava Mendoza schätzt, kommt an »Smells Funny«, dem sechsten Album des Hedvig Mollestad Trios kaum vorbei.
Music Review
Submersion & mon0
Unison // Einklang
»Unison // Einklang« von Submersion & mon0 ist ein überzeugendes Plädoyer dafür, dass man mit Weglassen sehr viel erreichen kann.
Music Review
Kali Bahlu
Cosmic Remembrance
Kali Bahlus »Cosmic Remembrance« aus dem Jahre 1967 ist eine kluge, verschlüsselte Parabel ihrer Zeit, die man nur im Rausch rafft.
Music Review
Foodman
Moriyama
Die Tracks auf Foodman’s »Moriyama« existieren in einem Reich, in dem weder Clubregeln noch Ambient-Ruheraum-Gepflogenheiten herrschen.
Music Review
Heinrich Dressel
Lost In The Woodland
Mit »Lost In The Wood« ist Heinrich Dressel ein dichtes Geflecht aus us Arpeggien, Akkorden, Melodien und Naturgeräuschen gelungen.
Music Review
As Longitude
That's When The Animals Turned Into Humans
As Longitude heißt das Projekt von Eva Geist und Laura ODL. Ihre Vinyl 12" »That’s When The Animals Turned Into Humans« ist nun erschienen.
Music Review
Mark Barrott
Nature Sounds Of The Balearics
Es darf wieder geschwooft werden: Zum neuen Album »Nature Sounds Of The Balearics« von Mark Barrott.
Music Review
Earl Sweatshirt
Some Rap Songs
Unkonventionell und abenteuerlich ist »Some Rap Songs«, das neue Album von Earl Sweatshirt, geworden.
Music Review
Positive Centre
Forever Optimum
Hypnotische Rhythmusstudien, die einen langsam aber unaufhaltsam verschlingen: zum neuen Album »Forever Optimum« von Positive Centre.
Music Review
Mytron & Ofofo
Ceremony
Tanzen und Träumen: ei nJahr nach ihrem Debüt veröffentlichen Mytron & Ofofo mit »Ceremony« ein weiteres Release auf Multi Culti.
Music Review
Dennis Young
Quest
In südkoreanischen Kellern schlummern Kassetten mit Ambient-Musik von Liquid Liquid’s Dennis Young. Mit »Quest« wird nun die erste publik.
Music Review
Filmico
In The Senses
»In the Senses«, das Debüt von Filmico, ist ein Soundtrack im Gedenken an die 1980er Jahre, mit Heroen wie John Carpenter als Vorbild.
Music Review
Roger Doyle
Oizzo No
Humor und »ernste« Musik schließt sich ja von vornherein aus. Roger Doyle hat schon 1975 mit »Oizzo No« bewiesen, dass das Quatsch ist.
Music Review
Process Blue
Process Blue
Process Blue kamen aus Dayton, Ohio, orientierten sich aber an dem Sound, der 1981 aus Großbritannien und Deutschland kam.
Music Review
Calender
It's A Monster
»It’s A Monster«, das einzige, vor 32 Jahren zum ersten Mal veröffentlichte Album von Calender, hätte leicht übersehen werden können.
Music Review
Pearls Before Swine
Balaklava
Unbequemer Klassiker von abgründiger Schlichtheit: Drag City legt »Balaklava«, das zweite Album von Pearls Before Swine, wieder auf.
Music Review
Risque
Starlight
Disco aus den Niederlanden. Von 1982. Süß wie Honig, kitschig wie Sternschnuppen. »Starlight« von Risque ist unverzichtbar.
Music Review
Céline Gillain
Bad Woman
Nicht vom Cover abschrecken lassen: »Bad Woman«, das Debüt der belgischen Musikerin Céline Gillain ist eine umwerfend gute Platte.
Music Review
Jorge Ben
Bem-Vinda Amizade
Es gab für Jorge Ben ein Leben nach »Mas Que Nada«. Und was für eins: sein Album »Bem-Vinda Amizade« darf jetzt wiederentdeckt werden.
Music Review
Philip Sanderson
On One Of These Bends
Digitale Träumereien, tribalistische Stimmungsmalerei: »On One Of These Bends« zeigt Musik von Philip Sanderson.
Music Review
Brötzmann / Leigh
Sparrow Nights
Im Widerspiel von Harmonie und Kakofonie wird auf »Sparrow Nights« von Peter Brötzmann und Heather Leigh ein Lied unserer Gegenwart gesungen
Music Review
Best Available Technology
Enginetics & Plasmalterations
Schicht auf Schicht moduliert Best Available Technology auf »Enginetics & Plasmalterations« seine Stücke und ist dabei besser denn je.
Music Review
Takehisa Kosugi
Catch-Wave
Wenn nur die Idee zählt, der Mut, dann gehört »Catch-Wave« von Takehisa Kosugi zu den besten musikalischen Werken der Avantgarde.
Music Review
Hieroglyphic Being & The Truth Theory Trio
Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light
»Journey Through The Outer Darkness From The Inner Light« ist der achte (!) Release von Hieroglyphic Being im Jahr 2018 – und sein bester.
Music Review
Nels Jenstad
Ships/Moondog
Auf Fri Form sind mit »Ships/Moondog« jetzt zwei Stücke des Musikers Nels Jenstad veröffentlicht worden.
Music Review
Veronica Vasicka
In Silhouette
Seit 13 Jahren veröffentlicht Veronica Vasicka die Musik anderer. Nun ist erstmals eines ihrer eigenen Stücke veröffentlicht worden.
Music Review
Os Catedraticos
Ataque
Das erstmals 1965 veröffentlichte Album »Ataque« von Eumir Deodatos’ Os Catedraticos wurde bei Far Out wiederveröffentlicht.
Books Review
Brüno & Hervé Bourhis
Black & Proud
Das Buch »Black & Proud« spürt den Weg vom Blues zum Rap nach. Die deutschsprachige Ausgabe erschien vor kurzem im Berliner Avant-Verlag.
Music Review
Love Songs
Inselbegabung
Jeder der drei Tracks auf der neuen EP »Inselbegabung« von Love Songs schreit direkt: Kunst!
Music Review
Félicia Atkinson & Jefre Cantu-Ledesma
Limpid As The Solitudes
Félicia Atkinson und Jefre Cantu-Ledesma tun sich wieder zusammen. »Limpid As The Solitudes« versammelt Musik über bessere Zeiten.
Music Review
Pearson Sound
Rubble
Auf der Vinyl 12" »Rubble« sind gleich drei neue Tracks von Pearson Sound vertreten. Ein weiterer Vorgeschmack auf ein zweites Album?
Music Review
Garrett
Private Life II
Flächiger, verspielter, ein bisschen mehr Jazz liefert Dâm-Funk unter dem Pseudonym Garrett auf seinem Album »Private Life II«.
Music Review
Afro National
African Experimentals (1972-1979)
Die Musik von Afro National aus Sierra Leone kann nun auf »African Experimentals (1972-1979)« wieder nachgehört werden.
Music Review
Indio
Inca
Delsin legt drei Tracks von John Beltrans Indio-Projekt mit Sam McQueen und Seth Taylor sowie eine Solo-Produktion neu auf.
Music Review
Ric Kaestner
Music For Massage II
Auf »Music For Massage II« entschleunigte Ric Kaestner 1983 seine Musik so dermaßen, dass sie schwebt und nur so in der Luft liegt.