Review

Dexter

Palmen und Freunde

WSP Records • 2014

Dein Browsercache dürfte es mittlerweile verschluckt haben, doch im Jahr 2008 veröffentlichte Jedermann’s Lieblings-Beatmaker Dexter bereits eine Rap-Platte namens »Schelle« und wäre »Dies das« von Audio88, Yassin und Dexter nicht annähernd so etwas, wie Deutschrap’s Sommerhit 2014, könnte man jetzt nochmal drauf hinweisen, dass der vermutlich lässigste Kinderarzt und Hobby-Platinproduzent auf seinem nun mehr fünften Solo-Werk »Palmen und Freunde« neben dem hochgelobten Instrumental-Kunsthandwerk eben auch (wieder) ein paar lyrische Beiträge in die Membrane kredenzt hat. Ursprünglich als WSP-Sampler geplant, begann Dexter während der Recordingssessions mit Freunden wie Chefket, Fatoni, Morlockk Dilemma oder Mädness sich die Zeit mit Reimeschreiben zu vertreiben – und landete letztlich auf jedem Stück mit einem eigenen Vers. »Dinge tun ist baus-haft/ Keine Dinge tun ist grauenhaft«, wie er selbst beipflichtet. Doch, wer nun Workaholic-Musik hinter den 14 Silben-Serenaden aufdecken will, wird von einer lässigen, 808-geschwängerten Jazz-Entspannungsübung frappiert, die zwischen Westcoast-Synthies und Samples aus der Cheesy-Listening-Sparte eben nicht auf die Zwölf triggert, sondern dem Abhängen huldigt. Dexter und Kollegen lassen Fünfe gerade sein und zelebrieren dadurch genau jene jugendliche Unbeschwertheit, die andere Deutschrapper dieser tage so gerne mit verkopften Pathos-Pop-Gesten im Astronautenkostüm herbeisehnen. Natürlich gewinnt Dexter mit seinen Versen keinen Pulitzerpreis, doch gerade der hörbar lockere Umgang mit dieser Selbsterkenntnis macht ihn zu einem der besseren »producer on the mic« und »Palmen und Freunde« zum perfekten Soundtrack für den Urlaub auf Balkonien.

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