Music Review | verfasst 22.09.2014
Function + Vatican Shadow
Games Have Rules
Hospital Productions, 2014
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
7.2
Redaktion
Cover Function + Vatican Shadow - Games Have Rules

Wenn der auf Hochglanz polierte Düster-Techno eines Dave Sumners (Function) auf den kratzig-militantischen Industrial-Entwurf von Dominick Fernow (Vatican Shadow) trifft, ergibt sich eine Menge Reibungspotenzial. Es eröffnen sich jedoch ebenso viele Möglichkeiten. Allein schon in Sachen Produktivität könnten die beiden US-Amerikaner kaum unterschiedlicher sein: Der New Yorker Sumner begann Ende der achtziger Jahre in New York als House-Produzent und lässt sich gerne Zeit: Fast zwei Jahrzehnte dauerte es, bis er unter seinem Techno-Pseudonym Function ein Debütalbum veröffentlich. Dominick Fernow, Inhaber des Labels Hospital Productions, hingegen produzierte nach gut 15 Jahren als Noise-Musiker unter Namen wie Prurient in den letzten drei Jahren über 30 Releases als Vatican Shadow. Auf »Games Have Rules« treffen sich der perfektionistische Dave Sumner und der chaotische Dominick Fernow in einer der zahlreichen denkbaren Mitten und verschmelzen sphärische Klangflächen mit dezenten Rhythmen. Wie nicht anders zu erwarten fällt der gemeinsame, zwischen New York und Berlin entstandene Ambiententwurf nicht allzu fröhlich aus, sondern zirkuliert mit modrigen Sounds um ein dumpfes Katergefühl. Im Laufe der Zeit jedoch schälen sich die Beats aus der vierzigminütigen Comedown-Hymne an die US-amerikanische Millionenstadt, mit der Function und Vatican Shadow so eng verbunden sind. Ihre wortlose New York-Hommage versteht sich als Spiegel für die endlosen Möglichkeiten dieser Stadt, vor allem aber bedeutet »Games Have Rules« für beide einen Schritt aus der eigenen Sicherheitszone: Functions detailliertes Sounddesign stützt sich nicht auf eine ausgeklügelte Architektur, sondern fließt frei dahin, während Vatican Shadow seine übliche Kratzbürstigkeit zurückschrauben muss. Das Ergebnis ist ein dichtes, atmosphärisches Album, das aber noch viel Potenzial ungenutzt lässt.

Das Album »Games Have Rules« von Function / Vatican Shadow findest du demnächst bei hhv.de.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.09.2017
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Review | verfasst 21.05.2015
Prurient
Frozen Niagara Falls
Nach etlichen Releases als Prurient meldet sich Dominick Fernow nach langer Funkstille zurück. »Frozen Niagara Falls« ist ein Kompromiss.
Music Porträt | verfasst 04.12.2015
Blackest Ever Black
Im Wendekreis des Bierdeckels
Blackest Ever Black ist mehr als nur düstere Musik. Eigensinnige Klangexperimente treffen darin auf einen visuellen Gestaltungswillen. Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums blickt der Labelgründer Kiran Sande auf seine Anfänge zurück.
Music Liste | verfasst 12.05.2017
Ausklang | 2017KW19
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 12.06.2014
Ninos Du Brasil
Novos Mistérios
Nein, Techno ist ganz bestimmt noch nicht tot. Man braucht nur den richtigen Ansatz, wie »Novos Mistérios« von Ninos Du Brasil beweist.
Music Review | verfasst 18.04.2012
Orbital
Wonky
Orbital wollen nach langer Pause zeigen, dass sie noch immer der größte Techno-Act Großbritanniens sind.
Music Review
Ground
Sunizm
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Auf ESP Institute erscheint »Sunizm«, das kurzweilige Debüt des Japaners Ground.
Music Review
Giant Swan
High Waisted
Giant Swan flexen mit »High Waisted« die Muskeln und beweisen viel Muckertum, gut geht das aber nur auf zwei der vier Tracks.
Music Review
Sichtexot Gäng
SXT Rawtakes III
»SXT Rawtakes III«, das sind garantiert unberechenbare lyrische Bonmots zwischen Booms Baps jener Sorte, bei denen es schön staubt.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride Vol.2
Ein weiterer Beitrag für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Rastafarianismus und Clement »Sir Coxson« Dodds Studio One.
Music Review
Nigeria Fuji Machine
Nigeria Fuji Machine
Mit diesem Album schließen Soul Jazz Records an die vor kurzem erschienene Compilation »Yoruba!« mit geistlicher Musik aus Nigeria an.
Music Review
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.
Music Review
John Coltrane
Both Directions At Once: The Lost Album
Durch das wiederentdeckte »Both Directions At Once: The Lost Album« ist das Schaffen von John Coltrane um ein großes Album reicher geworden.
Music Review
Princess Nokia
A Girl Cried Red – EP
Auf »A Girl Cried Red« der neuen EP der New Yorker Musikerin Princess Nokia gibt es tiefe Einblicke in eine verletzte Außenseiterseele.
Music Review
Donald Byrd
Love Has Come Around – 12"
Groovin hat die beiden Nummern »Love Has Come Around« und »I Feel Like Loving You Today« von Donald Byrd wiederveröffentlicht.
Music Review
Florence & The Machine
High As Hope
Mit »High As Hope« begreift die Welt nun endlich, warum sie Florence & The Machine schon seit gut zehn Jahren an den Lippen hängt.
Music Review
Equip
I Dreamed Of A Palace In The Sky
Auf »I Dreamed Of A Palace In The Sky« erweckt Equip mit Sounds aus Videospielen, New Age, Filmmusik der Achtziger nostalgische Gefühle.
Music Review
Daniel Bacalov
1984/5: Il Ladro Di Anime / Diario Segreto Contraffatto
Zwischen akademischer Strenge und instrumentalem Pop: Die ersten beiden Alben von Daniel Bacalo wurden wiedderveröffentlicht.
Music Review
A-Team
Trouble
Für ihre wohl einzige Nummer vertraute sich das A-Team Mad Professor an. Das Ergebnis, »Trouble«, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Project Pablo
Come To Canada You Will Like It
Mit »Come to Canada You Will Like It« hat Project Pablo eine Schallplatte mit frühen Aufnahmen veröffentlicht.
Music Review
Artis
Caecilia
»Caecilia« ist die phantasievolle und spielfreudige Debüt-EP eines geheimnisvollen Producers namens Artis.
Music Review
Jenny Hval
The Long Sleep EP
Mit »The Long Sleep EP« entfernt sich Jenny Hval vom hauntologisch aufgeladenen Sound von »Blood Bitch«.
Music Review
Various Artists
Check Your Reality
Das Düsseldorfer Label candomblé legt eine Nachpressung der tollen Compilation »Check Your Reality« vor.
Music Review
Mndsgn
Snax
Mndsgn sendet mit »Snax« ein 15 Tracks starkes Lebenszeichen. Im Gegensatz zu »Body Wash« arbeitet der Producer hier mehr mit Raps.
Music Review
Liza Ngwa
Sunshine
Nubiphone veröffentlicht das zuerst 1980 erschienene, zweite Album der kamerunischen Sängerin Liza Ngwa erneut.
Music Review
Black Savage
Black Savage
Black Savage aus Kenia haben in den 1970er Jahren nur eine Hand voll Songs veröffentlicht. Jetzt werden sie wiederveröffentlicht.
Music Review
MC Paul Barman
(((Echo Chamber)))
MC Paul barman hat den »Anarchist Book Store« verlassen und bringt nach neun Jahren Alben-Abstinenz die LP »(((Echo Chamber)))« heraus.
Music Review
Kate NV
для FOR
Ihr zweites Soloalbum hat die Russin Kate NV bei Rvng Intl veröffentlicht. »для FOR« setzt auf verspielten Minimalismus.
Music Review
Malör
Bali
Das Lied zur Lage kommt aus dem Jahr 1985. Er stammt von Malör, deren Song »Bali« neu aufgelegt wurde.
Music Review
Driftmachine
Shunter
Driftmachine saugen auf ihrem vierten Album dem Dub das Blut aus und legen mit »Shunter« ein Album hin, das dramaturgisch ausgefeilt ist.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Transllusion
A Moment Of Insanity
Gewohnt unberechenbar in der Wirkung, kommen jetzt »Moments Of Insanity« von James Stinson als Transllusion zum Vorschein.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.
Music Review
Onyx
Complete Works 1981–1983
Flanger-heavy Shit aus den 80igern, cooler als alles sonst! Post-Punk, New Wave, Digi Dub, nur gut.
Music Review
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Auf seinem zweiten Album regelt DJ Richard die Farbwerte noch weiter runter und tut vor allem eins: Haltung bewahren.
Music Review
Melody's Echo Chamber
Bon Voyage
Auch mit »Bon Voyage« spinnt Melody’s Echo Chamber an den Fäden der Musikgeschichte weiter, die Broadcast und Stereolab haben liegen lassen.
Music Review
CEM3340
Perfect Stranger
CEM3340 orientiert sich auf »Perfect Stranger« am Detroiter Electro der 1980er Jahre und setzt diesen in einen zeitgenössischen Kontext.
Music Review
Various Artists
Boombox 3
Am frühen Rap kann man sich so schlecht satthören: »Boombox 3« beweist das wieder einmal eindrucksvoll.
Music Review
Richard Wahnfried
Time Actor
Der Synthesizerkönig der Berliner Schule Klaus Schulze trat mit »Time Actor« 1979 erstmalig als Richard Wahnfried in Erscheinung.
Music Review
Colin Potter
The Where House?
Ein bisschen Cabaret Voltaire-Kaputtheit schwingt mit: Zur Reissue des zuerst 1981 veröffentlichten »The Wehre House?« von Colin Potter.
Music Review
RSF
RSF
RSF macht seine Sache so gut, dass man ihm praktisch alles abkaufen würde: Flirren, Sprudeln, Strahlen, Italo-Disco oder Synthie-Pop.
Music Review
Delroy Edwards
Aftershock
Roh, perkussiv, loopy: »Aftershock« bedient zumindest das für Delroy Edwards typische Understatement und ist ein prima DJ-Tool.
Music Review
Royce Da 5'9
Book Of Ryan
»Book Of Ryan« von Royce Da 5’9 lebt von episch auserzählten Erinnerungen und strotzt vor Reife und Selbstreflektion.
Music Review
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Kendrick Lamars Zerrissenheit passt nicht zu den Heldenphantasien von »Black Panther«.
Music Review
Route 8
Come Home – 12"
Mit »Come Home« darf der ungarische House-Producer Route 8 die 50. Katalognummer des Labels Lobster Theremin bespielen.
Music Review
Lena Platonos
Lepidoptera
Lena Platonos ist eine Entdeckung. Jetzt hat Dark Entries mit »Lepidoptera« aus dem Jahre 1986 eine weitere Platte der Griechin aufgelegt.