Clubmusik boomt, hat dafür allerdings in einem faustischen Pakt musikalische Tiefe gegen oberflächliche Spitzen eingetauscht. Doch eine neue Generation – darunter Polygonia mit ihrem brillant kuratierten Label QEONE – hat zuletzt den Weg für abenteuerlichere und tiefgründigere Techno-Interpretationen geebnet. Die in Antwerpen lebende Emily Jeanne schlägt in dieselbe Kerbe. Sie debütierte 2020 als Produzentin auf Svrecas Label Semantica mit kratzigem Industrial Techno, doch als sie dieses Jahr mit der EP Call of the Sea ihr eigenes Label quỳnh aus der Taufe hob, klang das noch einmal ganz anders. Past Through Desire zeigt nun ein ähnliches Gespür für komplexes Sounddesign und richtet sich dabei ebenso an DJs, die ihr Publikum nicht nur von einem tiktoktauglichen Moment zum nächsten, sondern etwas weiter mitnehmen wollen.
»Twice Not Nice« eröffnet die EP mit einem stoisch groovenden, geduldigen Techno-Stepper, den wirbelnde Sequenzen umwehen – die Art von Track, der auf dem Dancefloor zur motorischen, vielleicht sogar mentalen Feuertaufe wird. »Vague Gestures« speist sich aus den dunkelsten Ecken des IDM-Kosmos und nimmt gleichzeitig Anleihen aus der britischen Bassmusik – ein komplexes, donnerndes Midtempo-Stück für die späten Morgenstunden. »Fire Lily« bremst noch schärfer und setzt auf einen Industrial-Dub-Sound, der an Goners Album Yogascum aus dem Jahr 2017 erinnert. Mit »Traversal« nimmt die Platte dann wieder Fahrt auf, ohne dabei an rhythmischer Komplexität zu verlieren. Past Through Desire ist düsterer als der verspielte Vorgänger – zusammen markieren die beiden EPs Emily Jeanne als Produzentin, die dem Dancefloor mehr als nur billige Nervenkitzel bieten will.

Past Through Desire