Von der Eierschale zum Ei ist es nicht weit, und obwohl Béziers Sound in seiner Erdigkeit fundamental anders angelegt ist als der der frühen Autechre, erinnert der Album-Opener »Egg« an deren Track »Eggshell«. Das liegt weniger an konkreten Melodiebögen oder Klangfarben als vielmehr an der Machart der beiden Stücke: Auch Bézier verknüpft das Mystische mit dem Erhabenen, die Dunkelheit mit dem Celestialen, sodass die Musik zugleich industrielle Kargheit absondert und über den Dingen schwebt.
Dazu benötigt Robert Yang nicht zwingend Beats, wie der zweite Titel »New Age« zeigt. Grobkörnig schieben sich in dessen Intro zunächst kathartische Synth-Schlieren übereinander, ehe hibbelige Kapriolen die Tatami-Atmosphäre kontrapunktieren. So klingt also »doomed spa music«, wie sie im Pressetext beschrieben wird.
Der Titeltrack »Decompose« hätte sich vor zehn Jahren ganz hervorragend im L.I.E.S.-Katalog gemacht: Er kombiniert vordergründiges, ausgestelltes Drumming mit zerfaserten EBM-Vocals und baut mit einer pointierten Synth-Folge Spannung auf. Je länger Decompose dauert, desto sinistrer entwickelt sich das Album, beschwört mit synthetischen Orgeln und untoten Akkordfarben eine Liturgie der Dunkelheit, in der Easy Listening zum Fremdwort verkommt. Im Verlauf überzeugt besonders Béziers Talent, mit sinnigen Melodien und noch sinnigeren Arrangements eine Endzeitstimmung hervorzurufen, die aus Wandritzen, Abflüssen und Lüftungsschächten kriecht.

Decompose
