Ich bin kein Arzt, kein Therapeut, doch ich wage mal zu behaupten: Wenn man sagt, man hätte einen schlechten Tag, aber noch um 16 Uhr im Bett liegt und den bisherigen Tag nur am Handy gehangen hat, dann muss man sich nicht wundern. Von nichts kommt nichts. Raus mit dir.
In diesem Sinne schaut Helado Negro auf seiner fatalistisch betitelten EP The Last Sound On Earth dem Weltuntergang entgegen – seine Themen sind u.a. die alltägliche Reizüberflutung unserer modernen Welt und das fehlende Interesse an den Schwachen –, will dabei jedoch tanzen, in Bewegung bleiben. Das ist ihm bereits aus der karibischen Musik seiner Kindheitstage bekannt, nimmt auf The Last Sound On Earth jedoch elektronische Züge an. IDM-Laien (wie ich) fühlen sich an Boards of Canada oder die zugänglichsten Tracks von Aphex Twin erinnert; denn genau wie diese Legenden macht auch Helado Negro fließende Musik, die sich nicht menschengemacht anfühlt, sondern organisch und wie von der Natur vorgegeben. Die Grooves auf The Last Sound On Earth sind dementsprechend chillig, aber nach vorne gerichtet – irgendwie zurückhaltend, doch keineswegs schüchtern. Dafür steckt hier zu viel Sonnenschein, Leichtigkeit und spirituelle Coolness drin. Über blubbernde Synths und fragmentierte Beats singt Helado Negro, der ständig zwischen Englisch und Spanisch wechselt, gegen Ende also die wichtigsten Worte dieser EP: »Let’s Go!«
Denn eins ist sicher: Wenn Helado Negro den letzten Sound der Weltgeschichte hört, bewegt er sich dabei!

The Last Sound On Earth