Wir wollen ehrlich sein: Die ersten Eindrücke des Openers »Exolition« begeistern nicht so recht. Theatralische Vocals und bedeutungsschwangeres Bassspiel ließen mich eine übermäßige Affektiertheit vermuten. Dass sich As Above, So Below im Anschluss zu einem der besten Alben des Jahres entwickeln würde, war da noch nicht abzusehen. Schon in »La Colline au Ciel« funktioniert die Kombination aus kühlen französischen Vocals und wuchtiger Bass Music dermaßen gut, dass man sich gleichzeitig in Bristoler Kellern und auf einem Stereolab-Konzert wähnt. Avancierte Kunstmusik, druckvoll ins Ohr geschossen. Passt, dass die Französin OKO DJ ehedem mit dem Label Brothers From Different Mothers zu tun hatte.
Im Folgenden ändern sich die Versatzstücke, mit denen Marine Tjordemann Entrücktheit heraufbeschwört – etwa die Sprache oder der Einsatz von organischem Drumming –, die Wirkung bleibt aber dieselbe: Dieses Album überfährt vollkommen, weil es aus so vielen unterschiedlichen Teilen eine Ästhetik wie aus einem Guss destilliert. Der Autotune-Postrock auf »Formentera«, der Tropic of Cancer mit Clubmusik aus dem globalen Süden zusammenwirft. Oder die spektakuläre Selbstsicherheit, mit der Tjordemann auf »Je suis la Terre qui absorbe Dieu« agiert, das Geschehen diktiert und jeden Funken Aufmerksamkeit beansprucht. Existenzialismus trifft Lebensmüdigkeit. Das ergibt makellose Apathie, der man bis zum Kollaps lauschen mag.

As Above, So Below