Review

CS + Kreme

Orange

The Trilogy Tapes • 2022

Zugleich ironisch verworren, aber auch von einer neuen Ernsthaftigkeit durchdrungen, ist der Sound des australischen Duos CS + Kreme seit jeher beides: Ein Produkt unserer Zeit und doch unbedingt zeitlos. Postmodern also? Vielleicht. Mit Querverweisen in Richtung Ambient, Dub, Downtempo, Elektroakustik, Trip-Hop oder experimentellem Sampling haben Conrad Standish und Sam Karmel schon auf ihren ersten EPs nicht gegeizt. Viel Raum für Verwirrung und Vergleiche bot sich dort dem abenteuerlustigen Publikum, das den Stil der beiden doch nie zu fassen kriegte. Auf »Snoopy« (2020) glitten die einzelnen Tracks dann noch eine Spur mystischer und weniger harmonisch durch die Finger – jeder Ansatz tonaler Eindimensionalität wurde zugunsten von kompositorischen Ideen geopfert, die für sich genommen ausgefranst erschienen aber dennoch wie Puzzlestücke ineinandergriffen. Für »Orange« ist das Duo aus Melbourne diesen Produktionsmethoden noch weiter gefolgt und channelt nun aus dem Dickicht des Gestern die Seelen von John Balance und Peter Christopherson, den eklektischen Gestus eines Steve Reich oder John Zorn, aber auch das herausragende Näschen für Klangfarben und unorthodoxe Arrangements von Kassel Jaeger oder Projekten wie The Necks. Keiner dieser Vergleiche sollte zu weit getrieben werden, mehr als grob umrissene Referenzpunkte sind sie auch nicht. Doch ohne sie ist der sublimen Intertextualität von Tracks wie »Bassline«, dem undefinierbaren Atmoschock in »Voice Of The Spider« oder der rund 20-minütigen Fieber-Séance »Storm Rips Banana Tree« kaum beizukommen. Es sind Collagen aus viszeralen Drumpatterns zwischen vermeintlichen Störgeräuschen, angedeuteten Melodieverläufen düsterer Bassstrings, semi-funky Pads unter tropfenden Keys und ausradierten Samples, die sich hier zum musikalischen Relativismus aufbäumen, um im nächsten Moment weggespült zu werden wie das schäumende Kabelknäuel auf dem Cover. Am Ende bleibt das Gefühl, Zeuge einer echten auditiven Dekonstruktion geworden zu sein. In jedem Sinne außergewöhnlich.