Das Debütalbum von Guy Brewers neuem Alias Carrier ist – wie so viel prägende elektronische Musik – eine Verschmelzung dessen, was bereits da war. Während frühere EPs wie In Spectra oder Tender Spirits den Fokus stärker auf Perkussion legten, verlangsamt Rhythm Immortal das Geschehen zu einem Gefüge aus ungewöhnlich physischen Drums und geheimnisvollen Geräuschen. Carrier bewegt sich dabei in deutlich atmosphärischere Gefilde, eingebettet in einen umfassenden und präzise strukturierten Dub-, Drum-&-Bass- und Ambient-Kosmos, ergänzt durch gezielt eingesetzte Features von Voice Actor und Memotone.
Auf Rhythm Immortal vermittelt Carrier einen sehr persönlichen Puls, der viel Raum für eigene Assoziationen lässt. Anspannung ohne Entspannung ist hier die Devise. Kleine Verschiebungen von Hi-Hats, Reverbs, Delays und rauem Noise rufen Assoziationen zu Rhythm & Sound und Monolake hervor, ebenso zur Ästhetik von 1990er-Jahre-Drum & Bass à la Source Direct oder Photek. Auch das letzte Album unter seinem Shifted-Alias, Constant Blue Light, das sich auf mikroskopische Bewegungen von Perkussion und Synthesizern konzentrierte, hallt hier nach.
Die acht, teilweise unheimlichen Stücke zielen nicht auf die Tanzfläche. Vielmehr lädt Carrier in einen eigenen Kosmos ein – eine dunkle und zugleich reizvolle Schattenwelt der Tanzmusik, in der Perkussion zunächst rückwärts zu agieren scheint, bevor sie sich nach vorn entlädt.

Rhythm Immortal

