Der Name Tilaye Gebre dürfte eingefleischten Kennern der goldenen Jahre der äthiopischen Musik bekannt sein. Sein zärtlicher, seelenvoller Ton veredelte allerdings zahlreiche klassische Aufnahmen von Größen wie Mahmoud Ahmed, Muluken Melesse, Hirut Bekele und Hailu Mergia.
An dessen Album Wede Harer Guzo erinnert die Musik auf diesem Album, Gebres erstem unter eigenem Namen. Und das nicht nur, weil beide Aufnahmen mit der Dahlak Band entstanden, deren Mitglied Gebre war. Die Orgel von Dawit Yifru klingt ähnlich sehnsuchtsvoll wie die von Mergia, und auch die schwelgerischen Arrangements offenbaren die Klasse der Band. Als Bandleader lotet Gebre allerdings auch noch andere Facetten aus, bewegt sich gelegentlich etwas weiter weg von dem, was als Ethio-Jazz klassisch geworden ist.
»Feqresh yemench weha« groovt bluesig durch die Nacht, »Ts’igērēda« swingt leichtfüßig dahin, »Tizi ālegni yet’initu« könnte auch eine astreine Titelmelodie für eine Serie abgeben – zwischen fast schon triumphierenden Riffs und elegischeren Zwischentönen –, wenn das Stück, wie die meisten dieses Albums, sich nicht so viel Zeit ließe, seine Stimmungen auszukosten, wobei Gebres Saxophon im Zentrum steht, aber seinen Mitmusikern immer Raum für eigene Improvisationen lässt. Ein Monument.

Tilaye's Saxophone With The Dahlak Band