Geboren aus der Tragik: Ohne die früh einsetzende – und damit umso traurigere – Alzheimer-Erkrankung von Schlagzeuger Tim Barnes hätte es dieses dritte Pullman-Werk 25 Jahre nach dem letzten Album Viewfinder wohl sehr wahrscheinlich nie gegeben. Nach dieser Schockdiagnose begann Barnes nämlich fast täglich zu musizieren, zunächst nur mit Ken Brown, dann nach und nach mit immer mehr Weggefährten aus der Vergangenheit. So entstand seit 2021 langsam eine Art »Supergroup« der Chicagoer Post-Rock-Szene der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre, aus der schließlich diese sechs größtenteils akustischen Instrumentalstücke hervorgingen.
Für die Bezeichnung »Supergroup« glänzte Pullman allerdings weniger durch »Star-Power« als vielmehr – dankenswerterweise – durch die Abwesenheit übersteigerter Egos. Vielmehr war die Band ein Liebhaberprojekt von Freunden, die zufälligerweise auch in Gruppen wie Tortoise, Eleventh Dream Day oder Come spiel(t)en. Von atmosphärischen Miniaturen wie »Bray« und »Valence« bis zum wendungsreichen, gut 13-minütigen »October« hat III viel vorzuweisen: meditative wie unruhige Zustände, Momente der Trauer und des Trosts, des Optimismus und des Unbehagens. Besonders bemerkenswert ist, wie mühelos Pullman an ihren Sound von vor einem Vierteljahrhundert anknüpfen. Zwar lässt sich die therapeutische Wirkung auf die Musizierenden nur erahnen, doch der Glaube an die heilende Kraft von Musik überträgt sich auch ohne Worte.

III