Auch so kann Tanzmusik gehen. Die Cellistin Tomeka Reid gehört zur jüngeren Generation des Avantgardejazz in den USA und steht als Solistin ebenso wie mit ihrem Quartett für eine durchaus intellektuelle Spielart von Improvisationsmusik. Wenn Reid und ihr Quartett auf ihrer aktuellen Platte nun die Worte »dance«, »skip« und »hop« im Titel führen – sogar mit Ausrufezeichen hervorgehoben –, ist das nicht bloß als zerebrales Vergnügen gemeint, sondern durchaus wörtlich zu nehmen.
Man muss in Kopf und Körper zwar einigermaßen beweglich sein, um die vertrackten Grooves etwa des Titelstücks in rhythmische Bewegungsabläufe zu übersetzen, ausgeschlossen ist das aber keinesfalls. Ebenso gut kann man sich dem kantigen, polyrhythmischen Swing hingeben, ohne dabei aufzuspringen. Das ist jedenfalls keine »Kopfmusik«, die ihrem Publikum den Spaß am Zuhören verwehrt. Freundliche Melodien, die mitunter an leicht übermütig verschraubte Folkmusik erinnern, tragen ebenso dazu bei wie der gemeinsame Klang, den Reid mit der Gitarristin Mary Halvorson, dem Bassisten Jason Roebke und dem Schlagzeuger Tomas Fujiwara kultiviert. Zugewandtheit, Komplexität und die Freude am Abweichen vom Vertrauten gehen hier mühelos zusammen. Vielleicht doch ein bisschen hüpfen?

Dance! Skip! Hop! Black Vinyl Edition