Der Rapper Cities Aviv aus Memphis versteht Hip-Hop konsequent als offene Collage. Seine oft sperrigen, fragmentierten Produktionen treffen auf einen bewusst brüchigen Off-Beat-Flow. Auch auf Even Colder Spring (Black Truffle) brechen scheinbar ausgearbeitete Produktionen nach wenigen Sekunden ab, bevor sich Stimmen und Field Recordings ohne Vorwarnung dazwischenschieben.
»Martine Drift« spielt mit Synthesizerfiguren und erinnert an die leichtfüßigere Seite des Krautrocks, wird durch Fuzz-Effekte und die körnige Produktion jedoch sofort wieder auf Distanz gehalten. Am anderen Ende des Albums steht das fast siebenminütige Stück Final Heaven, das eine Wolke aus Loops in ekstatische, plätschernde Verzerrungen auflöst. Ähnlich verhält es sich mit seiner Stimme durch alle Stücke hinweg. Rap, Murmeln und rauer Gesang folgen nicht zwangsläufig dem Rhythmus und widersetzen sich den teils harmonischen Abschnitten.
Cities Aviv entzieht sich auf Even Colder Spring jeder eindeutigen Lesart und bleibt dennoch erstaunlich persönlich. Texte über Entfremdung und das Leben zwischen Internet und Realität passen am Ende perfekt zu dieser Sammlung instabiler Zustände.

Even Colder Spring