Rodney Hunters Mitwirken bei den Aphrodelics und ihrem ’98er Überhit »Rollin‘ on Chrome« noch zu erwähnen, gleicht angesichts seiner mittlerweile zwanzigjährigen Musiker-Laufbahn einer archaischen Randnotiz. Der in Wien aufgewachsene Sohn eines US-amerikanischen DJs ist nicht nur ehemaliger Wahl-Berliner, sondern auch ein waschechtes Kind der Disco-Ära. So zeichnen sich die Produktionen seines dritten Solo-Albums »Hunter Express« folglich mit jener universellen 4-to-the-floor-Note aus, die auch Daft Punk oder gar Chic einst genre-übergreifend nachvollziehbar machten. In Kombination mit der Attitüde eines Original B-Boys multipliziert der Grammy-nominierte Allrounder auf den vorliegenden Tracks Verweise aus Downbeat, Funk und Dancefloor zu einem hochrappelnden Hybrid-Rave unter der einenden Ambition, die Hüften dieser Welt gefälligst in Bewegung zu halten. Talkbox-Bap à la Troutman wie auf »Mysterious« steht neben wallendem Snap-Funk oder stotterndem Slapbass-80s-Pop immer mit einem Bein im Club. Herausstechend bleibt dennoch »Metamorphosis«, welches sich durch detailverliebtes Sample-Gestapel und einem glanzvollen Vocal-Feature der Stereo MC’s sogleich in das zappelige Kleinhirn triggert. Man könnte meinen, dass »Swag« aus Wien kommt und eigentlich »Schmäh« heißt. Doch leider entpuppt sich Hunters musikalische Virtuosität im Hausgebrauch nicht komplett als analog-beseeltes Gegenstück zum omnipräsenten Wobble-Bass-ADHS europäischer Tanzflächen. Denn die fade Ästhetik des biederen Besserverdiener-House lässt sich auch nach mehreren Durchläufen nicht abschütteln und tagged »Hunter Express« mit dem Prädikat »After-Work-Party«, wo eigentlich »Prime Time« stehen könnte.
Shinichi Atobe
Silent Way
Plastic & Sounds




