Music Porträt | verfasst 11.03.2021
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Text Kristoffer Cornils
Rubriken_sticker_detail_06

Die Schallplatten von Important Records findest du im Webshop von HHV Records.


Ende der 1990er Jahre ist John Brien Jr. gerade dabei, sein Lehramtsstudium zu abzuschließen, als ihn ein Plattenladen in Portsmouth im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire als Einkäufer für die Indie-Sektion anheuert. »Qualifiziert war ich dafür nicht und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich sonderlich gut darin war«, sagt er heute. »Als ich aber den Job im Jahr 2001 aufgab, bestellte ich weiterhin bei denselben Vertrieben und verkaufte die Platten über eBay und die erste Website von Important Records Das ist der Name seines Mailorders, aus dem schnell ein Label werden soll. Die erste Katalognummer ist eine 7inch der Outsider-Folk-Legende Daniel Johnston, dem Brien einen Brief geschrieben hatte. »Ich fiel aus allen Wolken, als eines Tages das Telefon klingelte und sein Vater dran war«, sagt er. »Ein Traum wurde wahr.«

Schon die zweite Katalognummer aber steht in starkem Kontrast zu Johnstons eingängigen, wenngleich schrulligen Folk-Rock-Stücken: »Amlux« ist ein Album der japanischen Harsh-Noise-Legende Merzbow. Ein verwirrender Auftakt, wie auch Brien zugibt. Aber eben auch Teil des (Nicht-)Konzepts der frühen Important-Tage: »Anfangs war mein Ansatz, das Label wie einen guten Plattenladen zu betreiben – mit interessanten, einzigartigen Veröffentlichungen in jeder Sektion. Ich war gegen Branding, gegen Werbemaßnahmen, ich wollte keine Marke sein. Sondern Musik veröffentlichen und ein Label führen, die sich nicht kategorisieren lassen.« So stehen dann auch der Goth-Pop der Dresden Dolls neben dem Psych-Rock von Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso UFO und Releases von Andrew McKenzies Projekt Hafler Trio. Das Artwork sowie Design übernimmt Brien selbst und die auf Vinyl, CD sowie Kassette, manchmal aber auch seltenen Formaten veröffentlichten Releases werden jeweils den Ansprüchen der darauf enthaltenen Musik angepasst oder auch mal, wie im Falle des Tape-Sublabels Cassauna, als Möglichkeit wahrgenommen, ohne großes finanzielles Risiko ausgefallenen Sounds Platz einzuräumen.

Die stehen bei Important Records indes ohne Frage im Zentrum. Über die Jahre hinweg gab Brien aber die Anschlussfähigkeit seines Imprints an den Pop- und Rock-Bereich merklich auf. Er verweist auf seine eigenen Hörgewohnheiten, die ihn bei der Kuration des Labels leiten. Ein Indikator, wie diese sich im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte konkretisiert haben, liefert sein eigener Output als ELEH: Seit dem Jahr 2006 veröffentlicht Brien unter diesem Namen in hoher Frequenz Alben, die mit minimalistischen Mitteln die Möglichkeiten analoger Synthesizer ausprobieren. Drones, Klangmaterialität, Intensität, Langsamkeit: Das sind nicht allein die Eckpunkte seines eigenen Sounds, sondern auch in jeweils verschiedenen Kombinationen die der Künstler*innen auf Important Records. Viele von denen sind im Laufe von zwei Jahrzehnten zu Konstanten im Backkatalog geworden. Merzbow zum Beispiel veröffentlichte noch mehrere Alben auf Important Records, darunter einen gewaltigen Albumzyklus über in Japan ansässige Vogelarten.

» Ich war gegen Branding, gegen Werbemaßnahmen, ich wollte keine Marke sein. Sondern Musik veröffentlichen und ein Label führen, die sich nicht kategorisieren lassen.« (John Brien Jr.)

Zwei der wichtigsten Künstler*innen im Kader des Labels allerdings sind nicht mehr am Leben. Die radikale Komponistin, Akkordeonistin und »Deep Listening«-Theoretikerin Pauline Oliveros etwa begann im Jahr 2006 im Zuge einer Neuveröffentlichung ihres Albums »Accordion & Voice« mit Brien zusammenzuarbeiten und ließ dem bis zu ihrem Tod zehn Jahre später noch einige weitere folgen. »Es fällt mir immer noch schwer, zu glauben, dass sie nicht mehr unter uns weilt und ihr Geist doch über den Dingen schwebt«, sagt Brien über die langjährige Weggefährtin. »Ich lese ihre Bücher wieder und wieder, denke an all ihre Ratschläge zurück und habe erst letzte Woche jedes einzelne Interview geschaut, das ich von ihr auftreiben konnte.« Dass er sich in Abstimmung mit ihrem Anwesen um ihren musikalischen Nachlass kümmern darf, empfindet er dementsprechend als große Ehre.

Auch dem bereits Ende der siebziger Jahre verstorbenen Klangskulpturenbauer Harry Bertoia werden auf Important Records umfassende Neuauflagen oder gar Erstveröffentlichungen aus dem Archiv des visionären Komponisten gewidmet. »Harrys künstlerischer Ansatz und seine Philosophie überschneiden sich mit meinen eigenen, insbesondere was Sound angeht. Ich glaube, wir hören auf eine ähnliche Art. Wie Pauline ist er ein deep listener«, so der Labelbetreiber, der über die Aufarbeitung der Werke von Oliveros oder Bertoia aber die zeitgenössische Musik nicht aus den Ohren verlieren wird. »Auch wenn ich es nicht bewusst mache, gefällt mir der Gedanke, das Alte und das Neue in Balance zu halten.« Sich in den Archiven zu vergraben, ist aber weiterhin seine größte Freude. Doch gibt es viele Überschneidungen und Kontinuitäten zwischen dem, wofür die jüngere Generation von Important-Records-Artists wie Caterina Barbieri, Jessica Ekomane oder Alina Kalancea einstehen, und den künstlerischen und technischen Ansätzen zwischen Größen der Neuen Musik und Sound Art wie Éliane Radigue.

Davon zeugt auch der Veröffentlichungsplan von Brien für das Jahr 2021, in welchem neben Reissues von unter anderem Oliveros, Acid Mothers Temple with the Silver Apples, Tod Dockstader, Wanderwelle, Saint Abdullah, Éliane Radigue und ELEH auch Tape-Releases von Rose Bolton, Jeff Burch, Pauline Oliveros, Rama Parwata und Brian Thumler sowie eine umfassende Compilation zum 20. Jubiläum des Labels, die zugleich die 500. Katalognummer, anstehen. Zusammengestellt wurden die Tracks für diese vom ehemaligen Skateboarder und Drone-Künstler Duane Pitre, mit dabei sind unter anderem Kali Malone und Tashi Wada. Es ist ein Projekt, wie es ganz in der Tradition von Important Records steht, das sich seit seinen Anfangstagen an die Erkundung von Möglichkeitsräumen im Sound verschrieben hat. Ob nun kratzige Analog-Electronica, Langform-Drones, knuspriger Noise und feakiger Psych-Rock_ deep listening forever!


Die Schallplatten von Important Records findest du im Webshop von HHV Records.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.04.2020
Pauline Oliveros, Stuart Dempster, Panaiotis
Deep Listening
Mit »Deep Listening« von Pauline Oliveros, Stuart Dempster und Panaiotis legt Important ein Album von stiller Radikalität neu auf.
Music Review | verfasst 23.11.2014
Full Of Hell/Merzbow
Full Of Hell/Merzbow
Auf ihrem neuen Album kollaborieren Full Of Hell mit Akita Masami alias Merzbow, dem Godfather des Japanoise.
Music Review | verfasst 22.03.2016
Masami Akita & Eiko Ishibashi
Kouen Kyoudai 公園兄弟
Noise-Meditator Merzbow trifft auf die Jazzerin Eiko Ishibashi. Das Ergebnis heißt »Kouen Kyoudai 公園兄弟« und ist überraschend eingängig.
Music Liste | verfasst 15.09.2017
Ausklang | 2017KW37
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 08.06.2016
Pauline Oliveros + Musiques Nouvelles
Four Meditations / Sound Geometries
Pauline Oliveros kann sich niemand ausdenken. Erst recht nicht »Four Meditations / Sound Geometries« mit dem Orchester Musiques Nouvelles.
Music Review | verfasst 27.08.2014
Speed Guru vs. Plastic Crimewave
Psychedelic Showdown
Makoto »Speed Guru« Kawabata und Steve »Plastic Crimewave« Kraków kommen für ein Comic zusammen.
Music Review | verfasst 29.06.2016
Acid Mother's Temple & The Melting Paraiso U.F.O.
Wake To A New Dawn Of Another Astro Era
Acid Mother’s Temple arbeiten auch auf »Wake To A New Dawn Of Another Astro Era« an einer synthetisch bewusstseinserweiternden Musik.
Music Review | verfasst 10.05.2021
Caterina Barbieri
Fantas Variations
Caterina Barbieri hat ihren Track »Fantas« von Freunden und Bekannten bearbeiten lassen. Das Ergebnis, »Fantas Variations«.
Music Liste | verfasst 11.07.2019
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 50 Albums
Ein Jahr verstreicht, ein Jahrzehnt ist zuende. Der wichtigste Rohstoff dieser Zeit? Einigkeit. Auf diese 50 Schallplatten konnten wir uns einigen. Friedlich! Hurrah! Diese Liste ist die Welt, in der wir leben wollen. So einfach ist das.
Music Review | verfasst 30.05.2017
Charlemagne Palestine & Grumbling Fur Time Machine Orchestra
Omminggg and Schlomminggg
Charlemagne Palestine und Grumbling Fur Time Machine Orchestra machen auf »Omminggg and Schlomminggg« gemeinsame Sache.
Music Bericht | verfasst 22.03.2013
All City Dublin
Platten für die Zukunft
Zwölf Jahre nachem Olan O’Brien 2001 einen kleinen Plattenladen im Temple Bar District in Dublin eröffnet hat, ist All City Records zum einem kleinen Brückenkopf amerikanischer Musik in Europa gewachsen.
Music Porträt | verfasst 15.03.2012
Eglo Records
Fingerübung in Sachen Qualität
Vor genau drei Jahren taten sich Sam Shepherd (Floating Points) und Radio-DJ Alexander Nut zusammen und gründeten das Label Eglo Records. Wir stellen euch das Londoner Label genauer vor.
Music Porträt | verfasst 23.05.2013
Minimal Wave
Die verlorenen Tapes
Veronica Vasicka hat mit Minimal Wave Records nicht nur ein Label gegründet, sondern gleich ein ganzes Genre gefunden, geordnet und wieder zugänglich gemacht. Ein Blick auf ein außergewöhnliches Label und seine Geschichte.
Music Essay | verfasst 27.05.2013
10 Favourites
Tape Labels You Better Should Know
Hurra! Die Tonbandkassete wird 50 und obwohl das wirklich alt ist, oder jedenfalls ziemlich alt, ist das Tape quicklebendig. Wir stellen euch 10 Labels vor, die einem nur vermeintlich veralteten Format die Treue halten.
Fashion Porträt | verfasst 25.10.2012
aNYthing Clothing
Identifikation mit einer guten Sachen
Zwischen den Klamotten ihres Modelabels und ihnen selbst passt nicht viel dazwischen. Die Kleidung, das sind Kiernan Costello und Aaron Bondaroff. Diese Authentizität, diese Unmittelbare der Designs, das ist es, für was das Label steht.
Music Porträt | verfasst 21.11.2013
Staple Design
»Mode ist Bullshit«
Es geht Staple Design nicht um T-Shirts, nicht darum einen dritten Ärmel am Oberteil unterzubringen oder den Kragen neu zu definieren. Hier steht eine Botschaft im Vordergrund und Mode ist »nur« ein Medium, die Menschen zu erreichen.
Music Porträt | verfasst 17.10.2013
Friends Of Friends Music
Haschisch, MySpace und elektronische Musik
Leeor Brown und sein Label Friends Of Friends Music gehen musikalisch als auch visuell eigene Wege. Das hat das Label aus Los Angeles weltweit zu einem der hipsten Institutionen in Sachen Musik gemacht.
Music Porträt | verfasst 05.06.2014
Antime Records
Scheitern als Chance
Von der großen Bühne zurück auf Null: Mit seinem Label Antime möchte der Frittenbude-Gitarrist Martin Steer künstlerische und geografische Grenzen überwinden. Und langsam mausert sich das einstige Netzlabel zum internationalen Netzwerk.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«