Music Interview | verfasst 09.02.2021
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Text Till Wilhelm
Audio88+%26+yassin+1

Audio88 und Yassin sind nicht nur das normalste Duo im Deutschrap, sondern wahrscheinlich auch das griesgrämigste. Das beweist ihr fünftes Studioalbum »Todesliste« zum wiederholten Male. Denn mit dem 2016 erschienenen »Halleluja« hatten sie doch eigentlich die Regeln für ein friedliches Zusammenleben vorgegeben. Dass diese nicht befolgt wurden, hat nun zur Folge, dass die beiden Rapper ihren Feinden ganz offen mit dem Tod drohen – natürlich nur als künstlerisches Stilmittel. Der Albumtitel bezieht sich dabei auf die immer wieder in Medienberichten auftauchenden »Feindeslisten«, die in rechtsradikalen Netzwerken geführt werden. Mit ihrem fünften Album reißen sie auf ein Neues die Deutungshoheit der Kritik, der Kunst der Beurteilung an sich und sagen offen und ehrlich ihre Meinung. Dabei kommt das Projekt überraschend häufig ohne doppelten Boden aus. Im Interview sprechen die Rapper darüber, warum sie heute lieber auf Zynismus verzichten und über die neue Eindeutigkeit der Feindbilder.


Die Schallplatten von Audio88 & Yassin findest du im Webshop von HHV Records


Wer steht ganz oben auf der Todesliste?
Yassin: Darf man das öffentlich sagen?
Audio88: Ich glaube, davon sollten wir tatsächlich die Finger lassen. Aber wir sind ja Künstler, unsere Liste muss keiner bestimmten Ordnung folgen. Auf unserer Todesliste ist jede:r gleich viel wert.

Habt ihr überhaupt eine wirkliche Liste erstellt? Vielleicht als Inspiration?
Audio88: Willst du uns eine Spezialeinheit nach Hause schicken mit deinen investigativen Fragen? Natürlich haben wir keine Todesliste. Wir haben ein großartiges Album gemacht, das diesen Namen trägt. Das ist unsere Todesliste, das ist eine Metapher – Wir haben nicht vor, jemanden umzubringen.
Yassin: Wer herausfinden will, wer drauf stehen könnte, muss unser Album hören und mitschreiben.

Sind eure Feindbilder eindeutiger geworden?
Yassin: Als junge Erwachsene war unsere Wut sicherlich etwas allgemeiner. Mit dem steigenden Informationsgrad klärt sich der Fokus. Gerade durch unabhängige Berichterstattung und soziale Medien wurde mir bewusst, wer es eigentlich verdient hat, als Feindbild zu dienen. Es gibt viele Leute, mit denen wäre ich nicht gerne befreundet. Die stehen aber nicht auf derselben Stufe mit Horst Seehofer.

Im klassischen Battlerap wird durchaus oft nach unten getreten. Eine Besonderheit eures Albums ist wohl, dass ihr darauf größtenteils verzichtet, oder?
Yassin: Im Deutschrap wird vor allem häufig auf Unbeteiligte gezielt. Auf irgendwelche Mütter von irgendwelchen Rapper:innen.
Audio88: Fiktive Mütter.
Yassin: Wir versuchen natürlich, nicht nach unten zu treten. Das ist zugegebenermaßen schwer, wenn man alleine an der Spitze steht. Ich mag auch klassischen Battlerap wie MOR oder Westberlin Maskulin. Das war lustig, weil ich zu der Zeit den gleichen pubertären Humor hatte. Damals hat Rap Tabus gebrochen. Heute kann ich dir nicht mehr zum hundertsten Mal erzählen, dass ich deine Mutter ficke. Das muss irgendeinen Twist haben.

Auf »Vater Mutter Kind« ist das Feindbild die klassische Hetero-Familie.
Yassin: Intern war das für uns die Fortsetzung von »Hundestammbaum«. Familien sind komplex, das bietet viel Angriffsfläche. Man kann die Frage stellen: Was hast du von deinen Eltern mitgegeben bekommen? Was machen deine Eltern, was dir peinlich sein sollte? Junge Menschen geraten zurzeit mit ihren Eltern in Streit über Covid-19 und brechen den Kontakt ab. »Deine Eltern sind Coronaleugner« ist ein viel besserer Diss, als die Mutter flachzulegen.

»Wir versuchen natürlich, nicht nach unten zu treten. Das ist zugegebenermaßen schwer, wenn man alleine an der Spitze steht.« (Yassin)

Auf eben jenem Song rappt Yassin die Zeile: »Ich kann nicht mal mehr entspannt / deine Familie unpolitisch fronten in diesem scheiß Land«. Ist unpolitische Kunst nicht mehr zeitgemäß?
Yassin: Ich finde es vollkommen legitim, Kunst vom politischen Geschehen zu entkoppeln. Dann bleiben allerdings nicht viele Themenfelder. Selbst Drogenrap ist in gewisser Hinsicht politisch. Wenn vermeintliche Clankriminalität zum Wahlkampfthema gemacht wird, gewinnt auch Gangsterrap an politischer Kraft. Liebeslieder gehen halt klar. Du hast außerdem das politische Potenzial nicht immer in der Hand.
Audio88: Du hast keine volle Kontrolle über die Interpretation deiner Musik. Am Ende sitzt Orgi in einer Talkshow und wir haben den Salat.

Denkt ihr, »Todesliste« ist ein zeitloses Album?
Audio88: Wir sind keine Band, die es schafft, jedes Jahr ein Album hinzuscheißen. Das letzte Album ist fünf Jahre her. Dann ist es umso wichtiger, dass die Musik zeitlos ist. Ich erwähne keine Namen von RTL2-Persönlichkeiten, die man nächstes Jahr wieder vergessen hat. Für die Themen, die ich anspreche, finde ich andere Worte. Damit die Texte auch in zehn Jahren noch verständlich sind. Früher habe ich mit TV-Formaten um mich geworfen, die gibt es nun seit einigen Jahren nicht mehr.
Yassin: Das hat dann wenigstens Archivcharakter.
Audio88: Irgendwann stehst du auf einer Bühne und keiner weiß, worüber du sprichst.
Yassin: Dass wir viele und wichtige Inhalte transportieren, ist ein guter Schutz davor, dass die Musik zu schnell altert.

Apropos Inhalte: Hat euer Zynismus etwas nachgelassen?
Audio88: Das politische Weltgeschehen ist so menschenfeindlich geworden, dass sich unser Zynismus erübrigt hat. Auf die Verschwörungstheorien, die herumgehen, lässt sich kein Witz mehr draufsetzen. Es fällt schwerer, sich über die Dinge zu stellen.
Yassin: Er herrscht in unserer Gesellschaft wahnsinnig viel Ignoranz. Den wirklich großen Problemen gegenüber verschließt sich die Politik komplett. Zynismus ist zu kurz gegriffen, wenn diese Probleme für einige Menschen lebensbedrohlich sind.

Ihr reiht euch eher in die Absurdität ein und versucht, Ordnung zu schaffen, richtig?
Yassin: Eine Todesliste bringt Struktur in den Hass. Der Track »Lauf«, auf dem Audio88 die Verstrickung von Rechtsextremismus und Exekutive mit Pinzette und Lupe seziert, kommt ohne Zynismus aus, ist aber sehr klar und deutlich. Nur wenn Musik die Realität scharf auf den Punkt bringt, kann sie Ignoranz bekämpfen.
Audio88: »WUP« hingegen ist komplett zynisch.

Dreh-und Angelpunkt des Albums ist der Tod. Ist das in dieser Drastik neu für euch?
Audio88: In meinem Solo-Werk ist das Sterben kein neues Thema. Ich wünsche sehr oft Leuten den Tod und erkläre dann auch, warum. Gerade im Jahr 2020 sind wir massiver als je zuvor mit dem Tod umgeben gewesen. Täglich kriegen wir Todeszahlen in den Nachrichten präsentiert.
Yassin: Diejenigen, auf die wir mit diesem Album zielen, sind Menschen, für die der Tod anderer völlig akzeptabel ist. Wir zeige, dass wir deren Sprache sprechen. Mir gehen Drohungen nicht leicht von der Hand, aber sie sind ein probates Stilmittel, um klarzustellen, wie ernst einem die Inhalte sind. Ohne Drastik gehen wir im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie unter. Unser eigenes Ableben lassen wir dabei nicht außen vor. Gerade auf »Ende in Sicht« ist es unser aller Tod. In 30 Jahren soll Unsterblichkeit ein realistisches Szenario der Wissenschaft werden. Die Zeit bis dahin sollte man nutzen, um davon zu träumen, wie man abdankt.

Ist euer Hass ein Zeichen von Empathie?
Audio88: Klar, sonst wären wir komplette Psychopathen. Wir suchen uns die Leute, vor deren Tür wir stehen, schon gezielt aus.
Yassin: Die Gewaltandrohungen in unserer Musik entstehen größtenteils aus einem Gerechtigkeitssinn. Die Menschen, die auf »Todesliste« genannt werden, sorgen real dafür, dass es anderen schlechter geht.

Gleichzeitig fängt man sich wohl schon eine Kugel, wenn man Glitzer im Gesicht trägt?
Audio88: Die Zeile wurde intern durchaus diskutiert. Ich habe mich durchgesetzt, weil ich den Lacher haben wollte. Manchmal muss man die Prinzipien dem Witz unterordnen.

Audio88 & Yassin – TodeslisteBlack Vinyl 2LP | • CD Habt ihr ein schlechtes Gefühl, wenn ihr eure Fans beleidigt?
Yassin: Nein, Mann.
Audio88: Überhaupt nicht.
Yassin: Noch nie gehabt. Nicht im Ansatz.

Gab es im letzten Jahr auch Ereignisse, die Freude gebracht haben?
Audio88: Die Master-Abgabe für »Todesliste« war mein absolutes Highlight. Gerade in einer Zeit, in der wirklich nicht viel Positives passiert, war es ein sehr gutes Gefühl, ein Projekt abgeschlossen zu haben.
Yassin: Unter den widrigsten Umständen etwas so Gutes schaffen zu können, ist eine Erkenntnis, die ich mir aufbewahren möchte.


Die Schallplatten von Audio88 & Yassin findest du im Webshop von HHV Records

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 13.07.2012
Audio88 & Yassin
Zwei Herrengedeck, Bitte.
Drei Jahre nach Erstveröffentlichung gib es »Zwei Herrengedeck, bitte« jetzt auch auf Vinyl.
Music Review | verfasst 10.06.2016
Audio88 & Yassin
Halleluja
Gottes Werk und Audio88 und Yassins Beitrag: Die rappenden Zeitgeistkritiker bringen ihre neue LP »Halleluja« raus.
Music Kolumne | verfasst 07.08.2012
Keine halbe Sätze
Proband: Die Bestesten
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unsere Interviewpartner ergänzen diesen dann in ihrem Sinne. Diesmalige Probanden: Die Bestesten, Leistung: Die einzige Boygroup, die es hasst, dass ausgerechnet du sie liebst.
Music Bericht | verfasst 11.04.2013
Taktloss, Hiob & Dilemma, Sylabil Spill et al.
Live am 4.4. im Lido in Berlin
Stockfinstere Texte und pechschwarzer Humor auf kraftvollen Beats und staubigen Sampels. Der rohe und ungeschönte Battle-Rap auf Planet Penis war was für Leute, die neben einer Affinität für Sprechgesang auch Spaß verstehen.
Music Interview | verfasst 09.03.2015
Audio88 & Yassin
Die »normale« Gang
Audio88 & Yassin haben ihr erstes gemeinsames Album seit 2011 vor allem: verschoben, verschoben und verschoben. Doch am Ende fühlt sich das Erscheinen von »Normaler Samt« einfach vollkommen »normal« an. Ein Interview.
Music Review | verfasst 25.11.2011
Audio88
Die Erde ist eine Scheide E.P.
Der sympathische Weltkritiker und Teilzeitpolemiker aus Berlin präsentiert auf seiner EP diffuse Themen in seltenen Reimen.
Music Review | verfasst 17.06.2013
Audio88
Wer schweigt, gibt Recht.
Die Veröffentlichung von »Wer schweigt, gibt Recht« liegt bereits sechs Jahre zurück – sticht aber heute noch im Deutschrap heraus.
Music Review | verfasst 06.08.2013
Wir (Audio88 & Kid Kabul)
Über die Einsamkeit des Einzelnen EP
Im Zuge der Neuauflage der Audio 88-Releases gibt es nun auch die EP »Über die Einsamkeit des Einzelnen« auf Vinyl.
Music Review | verfasst 20.09.2013
Einervonuns (Audio88)
Die Ruhe traut sich nur vor dem Sturm nach draußen
Auch als Einervonuns bringt Audio88 Dekonstruktivismus bereits in die Produktion, anstatt ihn lediglich der Rezeption zu überlassen.
Music Review | verfasst 26.11.2013
Abroo & Audio88
Klub Der Toten Voyeure EP
Der seit den frühen Neunzigern als Rapper aktive Abroo tut sich mit Audio88 zusammen, um den »Klub Der Toten Voyeure« zu gründen.
Music Porträt | verfasst 11.11.2014
Audio88
My Latest Epiphany
Audio88 ist der polemische Weltkritiker der Deutschrapgemeinde. Der Berliner spricht die Dinge an und er spricht die Dinge aus, grenzenlos subjektiv. Wie auch sonst? Nun hat er ein mit »Der letzte Idiot« neues Album veröffentlicht.
Music Interview | verfasst 19.12.2006
Audio88
»Ich bin ja keine Religion!«
Der Text, oder das Wort, im Zentrum der Musik. Audio88 bohrt sich mit seinen Gebilden aus Metaphern und Gleichnissen tief unter die Haut seiner Zuhörer. Wir trafen Audio88 auf einem Balkon im Prenzlauer Berg…
Music Essay | verfasst 19.04.2016
Humor im Deutschrap
Darum finden alle SSIO witzig
Deutschrap ist so komisch wie nie zuvor. Er ist es mal freiwillig, mal unfreiwillig, für jeden Geschmack was dabei. Nur ein Rapper aber besitzt eine Art von Humor, auf die sich scheinbar alle einigen können: SSIO. Warum?
Music Interview | verfasst 28.01.2019
Yassin
»Rap kann dich weiterbringen«
Seit mehr als zehn Jahren ist Yassin nun im Geschäft, und nun ist mit »Ypsilon« sein erstes Soloalbum erschienen. Dass ihm Rapmusik eine Herzensangelegenheit ist, war schon vorher klar. Im Gespräch wurde es noch einmal klarer.
Music Review | verfasst 06.06.2007
Warheit
Betonklassik
Lange musste man auf ein Album von Azads Crew Warheit warten, nun liegt es mit endlich vor.
Music Review | verfasst 30.12.2010
Tua & Vasee
Evigila
Tua & Vasee haben sich hingesetzt, ein Konzept erarbeitet und ein Album aufgenommen, dass den Namen »Kunstwerk« verdient.
Music Review | verfasst 01.03.2007
V.Mann & Morlockk Dilemma
Hang zur Dramatik
Ein Lichtblick in diesem mauen Deutschrapjahr: V.Mann und Morlockk Dilemma leben ihren Hang zur Dramatik aus. Da haben sich zwei gefunden.
Music Review | verfasst 30.01.2011
Forsch und Facette
Forsch und Facette
Die Kölner Sängerin Fleur Earth tut sich diesmal mit dem Produzenten Quo Vadis zusammen: Das passt!
Music Review | verfasst 04.03.2011
The Love Bülow
Menschen sind wie Lieder
The Love Bülow klingen auf ihrem Debüt wie eine Mischung aus Jan Delay, Fettes Brot und Clueso.
Music Review | verfasst 02.03.2011
Bo Flower
Flo Bauer
Bo Flower macht seit Jahren sein eigenes Ding und auch auf Flo Bauer verlässt er diesen Pfad nicht.
Music Review | verfasst 20.07.2007
Team Avantgarde
Absolut
Die Bereitschaft zum Reflektieren ist quasi Grundvoraussetzung auf Team Avantgarde’s Absolut .
Music Review | verfasst 18.06.2007
Seperate
Ein Guter Tag Zum Sterben
Ein guter Tag zum Sterben ist keine schlechte Platte, aber es fehlt an Überraschungsmomenten.
Music Review | verfasst 26.03.2011
Morlockk Dilemma
Circus Maximus
Morlockk Dilemmas festigt seinen Ruf als versierten Rapper, der eine göttliche Segnung in Sachen Kreativität erfahren hat.
Music Review | verfasst 07.08.2007
Die Firma
Goldene Zeiten
Mit dem fünften Album der Firma werden passenderweise Goldene Zeiten ausgerufen und sich teilweise an Die Eine 2005 erinnert.
Music Review | verfasst 03.06.2011
K.I.Z.
Urlaub fürs Gehirn
Nach zwei Jahren melden sich die vier Berliner gewohnt schlagfertig und mit ordentlich schwarzen Humor zurück.
Music Review | verfasst 25.06.2011
Brenna
Drama
Drei Jahre nach seinem Debüt erscheint das zweite Album Drama vom Schlagzeuger, Sänger, Rapper und Produzenten Brenna.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.