Music Porträt | verfasst 25.05.2011
The Sweet Vandals
Der Funk ist fertig
Wer in heutigen Funk-Releases nur eine Kopie einer Musik aus vergangenen Tagen sieht, der wird sich von The Sweet Vandals nicht bestätigt fühlen. Mit harter Arbeit und viel Schweiß entsteht ihr eigenständiger »Dirty Club Sound«.
Text Florian Triesch
1462-thesweetvandals20112-www.hhv-mag.com

Manch eine kritische Zunge erkennt in zeitgenössischen Funk- und Soul-Veröffentlichungen bloß eine oberflächliche Kopie dieser rauen, gefühlvollen Musik aus vergangenen Tagen. Genaueres Hinhören lohnt sich jedoch, denn die Sweet Vandals bestätigen diese vermeintliche Regel eben gerade nicht. Mit harter Arbeit und viel Schweiß entsteht der »Dirty Club Sound« der fünf Spanier. Sehr eigenständig und sehr authentisch.

Momente voll energie und Seele
Der feine Unterschied wurzelt scheinbar in der Geisteshaltung der Sweet Vandals, die sie von Zeit und Raum loslöst und dadurch die volle Konzentration auf die Musik lenkt. So wird der Sound seit Bandbeginn zu einhundert Prozent analog eingespielt und verweigerte sich sämtlicher technologischer Schnörkeleien: »Je einfacher, desto besser: Aufnahmen ohne Nachbearbeitung, Mixe ohne Effekthascherei. Einfach eine Band, die spielt.« Stücke werden wieder und wieder eingespielt und dabei werden Höhen und Tiefen einer solchen Prozedur durchschritten. Das Ergebnis sind organische Momentaufnahmen voller Energie und Seele, sowie eine Verbundenheit mit den Pionieren dieser Musikform. Schließlich beschreitet man die gleichen steinigen Pfade und begibt sich dabei in eine Art Séance mit Musikern wie Marvin Gaye, James Brown und Curtis Mayfield. Diese spirituelle Verbundenheit wird dann auch auf die Bühne transportiert und durch die Energie der Zuhörer vervielfacht. Egal ob auf Tonträger oder live, die Sweet Vandals übertragen ihre Liebe zur Musik durch ihre Instrumente und verzaubern so die Mengen. Doch solch ein überzeugtes Handeln ist keine Promoaktion eines Labels, sondern das über Jahre gewachsene Produkt verbundener Menschen.

»Je einfacher, desto besser: Aufnahmen ohne Nachbearbeitung, Mixe ohne Effekthascherei. Einfach eine Band, die spielt.« (The Sweet Vandals) Zusammenschweißen, gemeinsam
Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten die Sweet Vandals im Frühling 2005. Es folgte die erste Single I Got You Man im Herbst des selben Jahres. Das Ganze wurde schnell zum Untergrundhit und bescherte den Spaniern diverse Auftritte in Europa. 2006 sollte die erste Show außerhalb der iberischen Halbinsel zugleich eine ganz besondere werden, denn Henry Storch von Unique Records wohnte dem Konzert im Berliner Club Lovelite bei. Dieses Ereignis schweißte die Band endgültig zusammen. Es folgten ein Plattenvertrag mit Unique Records und das Debütalbum, eben nach dem Club Lovelite benannt. Dieser Erfolg kam jedoch nicht über Nacht, sondern war der vorläufige Höhepunkt einer langen und mühsamen Bandfindung: Javier »Skunk« Gomez, José »Angel« Herranz und Santi »Sweetfingers« Martin hatten bereits 15 Jahre lang in verschiedenen Bands wie Celofunk oder Disky Wick zusammengespielt. Zu dieser Zeit gab es auch schon erste Zusammenarbeiten mit Mayka Edjole und Santiago »Diamond«Vallejo. Ein weiteres Projekt der Jungs war ein Instrumental-Funk Band namens Funxplosion unter der Führung von Carlo Coupe. Man war sich zu diesem Zeitpunkt bereits einer ähnlichen Geisteshaltung bewusst, doch die perfekte Formel der Band-Chemie musste noch experimentell ermittelt werden: »Als wir uns für ein neues Projekt entschieden, bei dem Mayka zur Frontfrau werden sollte, entstanden aus dieser Saat die Sweet Vandals. Carlo Coupe spielte in den ersten zwei Jahren eine Schlüsselrolle: Funk-o-rama war sein Label, er schrieb unsere ersten Stücke und produzierte unser erstes Album. Durch viele Gigs in kleinen Clubs und auf Festivals half er uns die Band auf ihren Weg zu bringen. Fairerweise muss man sagen, dass wir ohne ihn nicht da wären, wo wir sind. Zugleich ist der gegenwärtige Erfolg aber auch ein Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit aller Musiker.«

Das Album So Clear von The Sweet Vandals findest du bei hhv.de: CD LP
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