Music Interview | verfasst 31.10.2011
MED
»Keine langen Unterbrechungen mehr«
Anlässlich seines neuen Albums Classic plaudert M.E.D. ein wenig aus dem Nähkästchen, erzählt von den frühen Tagen in Oxnard, über Stones Throw und Madlib, sowie seine Kollaboration mit Odd Future’s Hodgy Beats.
Text Stefan Zehentmeier , Fotos Eric Coleman
3005-med20111-www.hhv-mag.com

M.E.D. ist ein Urgestein im Stones-Throw-Kollektiv. Aufgewachsen im beschaulichen Oxnard, Kalifornien, jenem sagenumwobenen Städchten, dem einfach ein Hauch zu viel musikalisches Talent entsprungen ist, war es für Medaphoar nur eine Frage der Zeit bis er an der Seite von Madlib, Oh No und dem gesamten Lootpack-Umfeld Independent Hip Hop neu definieren sollte. Nach seinem gefeierten und dennoch späten Debüt Push Comes To Shove im Jahre 2005, folgt diese Tage nun sein wohl von vielen sehnsüchtig erwartetes Album Classic.

Was war eigentlich dein aller erster Release?
M.E.D.: Ich war das erste Mal auf einer Platte zu hören als ich 15 oder 16 Jahre alt war. Sie erschien damals auf Crate Diggas Palace Record, dem Label von Madlibs und Oh Nos Vater. Wir kennen uns als schon über 16 Jahre.

Wie sah denn die Hip Hop-Szene von Oxnard damals aus?
M.E.D.: Es hat dort immer eine HipHop-Szene gegeben, aber ich denke, dass unsere Crew, die CDP Crew, also Lootpack und all diese Leute, die Szene auf ein globales Level brachten. Heute wissen Leute auf der ganzen Welt, wo Oxnard liegt. Unsere Generation hat einfach Musik gemacht, ist gewachsen, hat sich auch im Geschäftlichen weiterentwickelt und ist dann größtenteils weggezogen. Oxnard ist ein schöner Ort zum Leben, aber im Grunde macht es für jeden mehr Sinn nach Los Angeles zu ziehen. Trotzdem leben u.a. Oh No, Wildchild und DJ Romes noch hier.

Kannst du erklären, wieso deine Zusammenarbeit mit Stones Throw so lange erfolgreich war?
M.E.D.: Ich muss eines sagen: Hätte ich eine andere Haltung, wären wohl einige Dinge in meiner Karriere auch besser gelaufen. Für mich ist es dope auf Stones Throw zu sein, einfach weil ich Peanut Butter Wolf schon so lange kenne auch viele persönliche Dinge über ihn weiß. Ich arbeite mit ihm seit 1998 zusammen, als er damals Lootpack signte. Viele Künstler haben Unstimmigkeiten mit ihren Labels, aber Stones Throw und ich konnte unsere Probleme immer ausdiskutieren.

»Ich muss eines sagen: Hätte ich eine andere Haltung, wären wohl einige Dinge in meiner Karriere auch besser gelaufen.« (M.E.D.) Kannst du die Haltung, die du angesprochen hast, näher erläutern?
M.E.D.: Ich war schon immer eher ein Studiohead, wollte einfach nur Musik machen. Also nahm ich viel auf und saß herum und wartete darauf, dass Peanut Butter Wolf sich einen meiner Songs aussuchte und ihn veröffentlichte. Was oft genug einfach nicht passiert ist, denn er ist Inhaber eines Independent Labels mit vielen verschiedenen Künstlern. Ich glaube, wenn ich eingebildeter gewesen wäre, hätte ich Stones Throw wahrscheinlich verlassen. Zugleich denke ich, dass ich etwas zu entspannt war und dass dies auch der Grund war, weshalb es bei einigen Projekten so lange dauerte bis sie erschienen. Aber ich bin glücklich damit, wo ich heute stehe. Es wird keine langen Unterbrechungen zwischen meinen Releases mehr geben. Ich werde ein neues Bang Your Head veröffentlichen, ich arbeite an einem gemeinsamen Album mit Blu, auch mit Madlib und ich haben ein gemeinsames Medicine Show-Album. Ein Album mit Georgia Anne Muldrow ist auch noch ausstehend.

Lass uns über deine Zusammenarbeit mit Madlib sprechen. Jeder hat diese Geschichte gehört, als Strong Arm Steady ihr Album releasten: Madlib verteilt seine Beats auf Floppy Disks und benutzt nicht das Internet. Wie war eure Zusammenarbeit für Classic?
M.E.D.: Als ich begann mit Madlib zu arbeiten, war ich einfach nur ein lokaler Rapper, der Beats brauchte. Wir trafen uns also im Haus seines Vaters und waren von da an immer zusammen im Studio. Heute kann man Otis aber keinen Vorwurf machen, wenn er mit Strong Arm Steady, M.E.D. oder Blackstar nicht ins Studio geht. Man muss einfach sehen, dass er dieses Jahr zwölf Alben veröffentlicht hat. Ich kann aber bestätigen, dass er Floppy Disks verteilt, man sich seine Beats aussucht und dann durch seine Kanäle versucht herauszufinden, wer welchen Beat bekommen hat. Zum Glück hänge ich von allen wohl am meisten mit Madlib ab, deshalb kann ich auch viel persönlich mit ihm sprechen.

Ein weiteres Feature auf deinem Album ist Hodgy Beats von Odd Future. Wie kam das zustande? Hattet ihr bereits vor ihrem großen Hype Kontakt?
M.E.D.: Odd Future waren im Büro von Stones Throw gewesen, Hodgy Beats und Leftbrain sind einfach Fans des Stones-Throw-Sounds. Wolf hatte schließlich die Idee Hogdy auf mein Album zu nehmen. Er ist sehr lyrisch und Odd Future gehört definitiv die Zukunft. Es sind einfach viele junge Künstler in der Crew und damit auch sehr viel Talent.

Hast du mitbekommen ob Peanut Butter Wolf Pläne hatte, die Crew bei Stones Throw zu signen?
M.E.D.: Nein, ich denke nicht. Odd Future sind gerade in einer ausgesprochen guten Situation. Sie haben Deals verschiedener Majors abgelehnt und ich persönlich denke nicht, dass sie bei Stones Throw unterschreiben sollten. Sie haben gerade so ein starkes Movement erschaffen, dass es ihnen gelingen sollte, ihre Karrieren in die eigenen Hände zu nehmen und ihre Musik über ihr eigenes Label zu veröffentlichen.

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