Music Interview | verfasst 06.05.2013
Charles Bradley
Looking For The Truth
Es gibt die Dinge, die liegen lange verborgen, sind vergessen und entfalten erst spät eine plötzliche Dringlichkeit. Die Musik von Charles Bradley, dem »Screaming Eagle of Soul«, gehört zu diesen Dingen.
Text John Luas , Fotos Malte Seidel
Charlesbradley_03normal
Fruehling_sommer_2013_de

Es gibt die Dinge, die liegen lange verborgen, sind vergessen und entfalten erst spät eine plötzliche Dringlichkeit. Die Musik von Charles Bradley gehört zu diesen Dingen. Die Worte, die der »Screaming Eagle of Soul« unter Qualen aus der Tiefe seiner Seele holt, zogen mit seinem Debüt »No Time for Dreaming« vor zwei Jahren nicht nur Kenner der Materie in den Bann, sondern erreichten pünktlich zur Wiederentdeckung des Soul durch eine neue Generation weltweit Menschen durch alle Altersklassen. Dem Sänger, der auf dem Album vor allem die tragischen Seiten seines Lebens verarbeitet hat und der lange Zeit als Koch und James-Brown-Imitator in New York City seinen Lebensunterhalt bestritt, bescherte es mit 62 Jahren sein Erstlingswerk. In diesem Jahr erscheint sein zweites Album »Victim of Love«. Wir nahmen das zum Anlass, noch einmal zurück an die Wurzel des Soul zu gehen und über den Moment zu sprechen, da dieser lange vergessene große Sänger plötzlich nicht mehr James Brown sondern Charles Bradley gegeben hat.

Sie waren Sänger lange bevor Ihr Debütalbum vor zwei Jahren erschien. Würden Sie sagen, dass Ihr Album ein zeitgenössisches Album des Jahres 2011 war oder eine Ansammlung von Dingen, die Sie seit 1962, als Ihre Schwester Sie zum ersten Mal zu einem Soulkonzert ins Apollo Theatre mitnahm, sagen wollten?
Charles Bradley: Ja, ich habe viele Dinge für lange Zeit zurückhalten müssen. Und ich denke das Ereignis, das schließlich alles aus mir heraus holte, war, als mein Bruder getötet wurde. Das hat einfach alles in mir geöffnet, weil ich es nicht glauben konnte. Und ich sprach mit Tom [Tom Brennek, Mitbegründer von Daptone Records, Anm. d. Red. ] und Tom lud mich in sein Haus ein. Ich war in Trauer zu der Zeit und Tom machte mir einen Drink und wir saßen auf der Terrasse und Tom sagte: Charles, ich denke du solltest versuchen das in Musik auszudrücken. Und ich sagte: Tom, das wäre sehr schwer für mich. Und er sagte, er würde einfach anfangen alles aufzunehmen, was ich machte. Wenn ich mich ans Klavier setzte oder ihm einfach meine Geschichten erzählte, einfach alles. Also nahm er das alles auf. Und ich wusste nicht wie raffiniert er ist, doch er baute Musik um diese Aufnahmen und eines Tages rief er mich an, damit ich mir das anhörte. Ich hörte es mir an, sprang auf und lief hinaus. Ich konnte es einfach nicht aushalten.

Wie konnte er Sie schließlich doch überzeugen, das Album zu machen?
Charles Bradley: Er ließ nicht locker und sagte: »Charles, wir müssen ein Album machen.« Also nahm ich »Heartaches & Pain«, das bereits unter diesen frühen Aufnahmen war, und zeigte es meiner Mutter. Und als sie es hörte, brach sie zusammen und weinte, weil sie wusste, um was es geht. Dann zeigte ich es meinem älteren Bruder, er setzte sich in seinen Van, schloss die Fenster und hörte das Lied wieder und wieder. Da dachte ich, dass da irgendetwas dran sein muss, auch wenn ich es nicht hören konnte.

Ist »Heartaches & Pain« so ein Schlüsselsong gewesen, weil er plötzlich autobiografisch war und von Ihrem Leben handelte?
Charles Bradley: Ja, ich musste den Song plötzlich nicht mehr lernen, ich musste jetzt lernen, den Schmerz auszuhalten, ihn überhaupt singen zu können. Wenn ich singe »a friend grabbed my shoulder« dann ist das wahr. Ich lag im Bett und meine Mutter kam rein und fragte, was all der Lärm draußen sei, und ich ging runter und raus auf die Straße und da war diese Frau und sie legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte: Geh nicht in das Haus deines Bruders. Doch ich tat es und sah, was passiert war. Alles, was du in diesem Song hörst, ist wahr.

»Für mich kommt Soul also aus diesen Tiefen der Seele, von den Schmerzen, die so überwältigend sind, das du sie nicht ausdrücken kannst.« (Charles Bradley) Als Sie in der Lage waren, dieses Lied zu singen, diesen Schmerz zu bewältigen, wussten Sie dann, dass Sie auch in der Lage sein werden, all die anderen Lieder zu singen?
Charles Bradley: Ja genau. Tom war der erste, der sagte: Ich will ein Album mit deiner eigenen Musik. Alle sagten mir damals, dass sie es mochten, wenn ich auf die Bühne gehe und James Brown bin, weil ich wirklich gut darin bin. Doch Tom sagte, ich will, dass du Charles Bradley bist. Noch jetzt fragen mich Leute, ob ich nicht bitte noch mal James Brown geben könnte, weil es niemanden da draußen gibt, der ihn imitieren kann. Aber mittlerweile mag ich Charles Bradley. Das bin wirklich ich und ich kann der Welt mitteilen, wie ich wirklich fühle, so dass sie mich nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch kennenlernen können.

Wenn wir Charles Bradley hören, ist da also keine Inszenierung, keine Imitation mehr?
Charles Bradley: Ich glaube, die war es auch nicht, als ich James Brown gesungen habe. Ich klang ja so und sah so aus, weil ich in der gleichen Zeit gelebt habe wie er, den gleichen Tanz gelernt habe, den gleichen Vibe gespürt habe. Das war das natürlichste der Welt für mich, ich war ein Kind dieser Zeit. Den Slide zu machen wie James, das gehörte einfach dazu. Ich habe also keinen Menschen imitiert, sondern eine Ära wieder zum Leben erweckt auf der Bühne. In meiner eigenen Musik ist das jetzt weniger wichtig, das sie viel persönlicher ist, weil in ihr die Posen und der Tanz dieser Zeit nicht so wichtig sind, sondern das, was ich ganz persönlich zu sagen und zu geben habe.

Im Soul geht es darum zu den wahren Bedeutungen der Worte vorzudringen. Lee Fields hat mir das einmal als eine Art Suche und Formung der Worte beschrieben.
Charles Bradley: Das stimmt, doch Lee und ich sprechen von verschiedenen Dingen. Mein Schmerz kommt aus Zeiten, als ich nicht singen konnte, was ich wollte, als Segregation noch den Alltag bestimmte. Und Lee hatte mehr Glück als ich, wenn er von Schmerzen singt, dann kann das Publikum das nachvollziehen und sich selbst darin sehen oder auch nicht. Als ich mein erstes Album in Europa singen sollte, konnte ich einen Abend eine bestimmte Zeile nicht mehr singen, es tat einfach zu sehr weh. Und Tom sagte, du lässt immer Zeilen aus, das kann doch nicht so schwer sein und sang mir die Lyrics vor. Die Stelle, die ich ausgelassen hatte, war die Stelle, die zu sehr weh tat. Übrigens war es in solchen Situationen oft Lee, der mir half, nicht aufzugeben. Für mich kommt Soul also aus diesen Tiefen der Seele, von den Schmerzen, die so überwältigend sind, das du sie nicht ausdrücken kannst. Damals konnte man das nur in den Kirchen ausleben und aus diesem spirituellen Hintergrund kommt aller Rhythm and Blues und der gesamte Soul.

Kann das auch Musik sein, die nicht Soul im Sinne des Genres, der üblichen Instrumentierung, ist?
Charles Bradley: Ja, zum Beispiel denke ich, dass Country und Western sehr viel Soul hat. Ich denke jede Musik, die eine Ehrlichkeit hat, die unserem Herzen entspricht, so dass unser Herz etwas hören kann, ist Soul.

»Es ist ein Gefühl, das dem Tod trotzt uns sich für das Leben entscheidet, ein Gefühl, die empfangene Liebe zurückgeben und weitergeben zu wollen. Es ist dieses Gefühl, das es ermöglicht zu singen, obwohl es manchmal nicht möglich scheint.« (Charles Bradley) Sie haben gerade die Situation beschrieben, als es unmöglich war, bestimmte Zeilen zu singen. Gibt es bestimmte Rituale und Techniken, die Sie vor Konzerten immer wieder in die Lage versetzen zu singen?
Charles Bradley: Ich würde sagen, da ist v.a. Spirituelles, ich glaube an etwas Größeres. Das Härteste an »Heartaches & Pain« war, dass ich immer wieder in das Haus meines Bruders gehen musste, in dem er tot lag. Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, das Lied zu singen, sollte man das wissen. Wissen, wie hart das ist, an diesen Ort, in diesen Moment zurückzukehren. Und bis ich es mit meinen eigenen Augen gesehen hatte, sagte ich: Gott, lass es etwas anderes sein, lass es nicht wahr sein. Ich habe es einfach verdrängt. Erst als ich vor seinem Haus stand und seine Frau sagte »Er wurde erschossen. Er ist tot.«, erst dann verloren sich alle Bilder in meinem Kopf und ich brach zusammen. Und obwohl mir alle davon abrieten, musste ich doch hineingehen und mit meinen eigenen Augen sehen und auch wenn ich mir wünschte, dass ich das niemals getan hätte, war es doch wichtig, um die Wahrheit akzeptieren zu können. Ich lief hinaus aus dem Haus und auf die Straße und sie war voller Autos, doch keines traf mich. Irgendetwas beschützte mich. Und obwohl ich nur raus wollte aus diesem Leben, hielt mich irgendetwas. Ich erinnerte meinen Bruder, wie er mir am Vorabend sagte, dass ich nicht nach Kalifornien gehen solle, weil man mich hier brauche. Wenn ich beim Singen zurück gehe zu diesen Momenten, dann sind da also auch diese Überzeugungen gebraucht zu werden, sich trotz allem am Leben zu halten. Es ist ein Gefühl, das dem Tod trotzt uns sich für das Leben entscheidet, ein Gefühl, die empfangene Liebe zurückgeben und weitergeben zu wollen. Es ist dieses Gefühl, das es ermöglicht zu singen, obwohl es manchmal nicht möglich scheint.

Sie haben einmal gesagt, das Sie dem Glück nicht trauen, weil Sie zu oft erlebt hätten, wie zerbrechlich es sei. Hat der Erfolg der letzten Jahre diese Skepsis verändern können?
Charles Bradley: Weißt du, mein Leben ist im Moment bittersüß. Ich danke Gott für die Möglichkeiten, dass Menschen mich gefunden haben, dass Menschen mich lieben. Und viele sagen: Charles, wir sind so glücklich für dich. Aber oft verlasse ich die Bühne nach einer Show und gehe gleich in mein Zimmer und weine wie ein Baby. Und dann denke ich, dass ich eigentlich nicht mehr auf diesem Planeten sein möchte. Aber meine Mutter sagte immer, man muss seinen Schmerz aushalten, stark sein und viel geben. Und dann merke ich auch, wie viel mein Körper und meine Seele aushalten können und geben können.

Soul hat in den letzten Jahren wieder viel Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt auch wieder eine jüngere Generation, die an Soul interessiert ist. Woran liegt das?
Charles Bradley: Sie suchen nach der Wahrheit, das ist alles was ich dazu sagen kann. Viele junge Menschen wissen überhaupt nicht, wohin sie gehen sollen. Sie brauchen jemanden. Und oft handelt Musik unserer Zeit nur davon mit wem du im Bett landen willst und wie gut du aussehen kannst und all diesem Zeug, aber im Soul gibt es eine Wahrheit, die man spüren kann. Und irgendjemand muss diesen jungen Menschen den Weg zeigen, sonst haben wir irgendwann eine verlorene Generation.

Das Album »Victim of Love« von Charles Bradley findest du bei hhv.de LP CD
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 14.03.2011
Charles Bradley & the Menahan Street Band
No Time For Dreaming
Mit 60 Jahren veröffentlicht Charles Bradley sein Debütalbum.
Music Review | verfasst 04.04.2013
Charles Bradley
Victim of Love
Er ist der verspätete Weltstar des Soul und setzt mit seinem zweiten Album dort an, wo »No Time For Dreaming« aufgehört hat.
Music Review | verfasst 31.03.2016
Charles Bradley
Changes
Ungezähmt, ja ekstatisch: Charles Bradley, der »Screaming Eagle Of Soul«, meldet sich mit »Changes« eindrucksvoll zurück.
Music Review | verfasst 08.11.2018
Charles Bradley
Black Velvet
Vor genau einem Jahr starb Charles Bradley. Nun veröffentlicht Dunham mit »Black Velvet« eine Sammlung von Raritäten, Singles, Bonus Tracks.
Music Bericht | verfasst 08.11.2011
Charles Bradley
Live am 6.11. im Lido in Berlin
Charles Bradley, der 63-jährige Shootingstar der Soulszene machte bei seiner kleinen Rundreise durch Europa auch in Berlin halt. So wurde das Lido zum Schauplatz eines der emotionalsten und bedrückendsten Konzertereignisse dieses Jahres.
Music Bericht | verfasst 15.08.2012
Charles Bradley
Live am 8.8. im Astra Kulturhaus in Berlin
Nach einem halben Jahrhundert durchwachsen von Pech und Schicksalsschlägen erhebt sich der »Screaming Eagle Of Soul« aus der Asche seiner Vergangenheit und rührt dabei sein Publikum zu Tränen.
Music Review | verfasst 28.10.2011
Sharon Jones & the Dap-Kings
Soul Time!
Nur ein Jahr nach I Learned The Hard Way gibt es ein weiteres Album der großartigen Sharon Jones und ihrer Begleitband The Dap-Kings.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Sharon Jones
I Learned The Hard Way
I Learned The Hard Way lebt von gewaltigen Arrangements und müheloser Melodiebeherrschung, die an Großtaten des Stax-Souls erinnert.
Music Review | verfasst 29.10.2007
Sharon Jones & The Dap Kings
100 Days 100 Nights
Ein Kunstwerk ohne Ausfälle und Ausbrüche. Keiner der zehn Tracks kann über den anderen gestellt werden.
Music Review | verfasst 08.03.2013
Lady
Lady
Terri Walker und Nicole Wray sind Lady und machen ziemlich anständigen Soul. Ihr Debüt ist auf jeden Fall eine ziemliche Ansage.
Music Review | verfasst 07.03.2013
The Como Mamas
Get An Understanding
The Como Mamas machen puren Gospel, den ihre Stimmen alleine tragen – spannender als jeder Bibelkreis ist das allemal.
Music Review | verfasst 17.01.2014
Sharon Jones & The Dap-Kings
Give The People What They Want
Sharon Jones bleibt die ungekrönte Königin des Souls, was sie und die Dap-Kings auf »Give The People What They Want« einmal mehr beweisen.
Music Review | verfasst 28.07.2014
Naomi Shelton & The Gospel Queens
Cold World
»Cold World« von Naomi Shelton & The Gospel Queens ist ein spirituelles Gospelalbum, und dennoch aktueller denn je.
Music Review | verfasst 19.05.2015
Saun & Starr
Look Closer
Die Sängerinnen Saun & Starr sind das neueste Eisen im Feuer von Daptone Records, wo soeben ihr Debüt »Look Closer« erschienen ist.
Music Review | verfasst 03.11.2015
Sharon Jones & The Dap-Kings
It's A Holiday Soul Party
Mit »It’s A Holiday Soul Party« legen Sharon Jones & The Dap-Kings ein Weihnachtsalbum vor. Das ist toll arrangiert und allemal pathetisch.
Music Review | verfasst 04.02.2016
The James Hunter Six
Hold On!
Der Brite James Hunter macht mit »Hold On!« sein Debüt für Daptone Records. Und was für eines.
Music Review | verfasst 20.09.2016
Sharon Jones & The Dap-Kings
Miss Sharon Jones O.S.T.
Der Film »Miss Sharon Jones!« porträtiert den Kampf der Soul-Sängerin gegen den Krebs. Der Soundtrack ist lohnenswert.
Music Review | verfasst 27.10.2016
The Olympians
The Olympians
Toby Pazner, Keyboarder bei Lee Fields’ The Expressions, hatte die Vision, die Geschichte der Olympioniken in ein Soundgewand zu betten.
Music Review | verfasst 20.11.2017
Sharon Jones & The Dap-Kings
Soul Of A Woman
Vor genau einem Jahr ist Sharon Jones verstorben. Nun erscheint ihr letztes, wieder mit den Dap-Kings eingespieltes Album »Soul Of A Woman«.
Music Review | verfasst 04.02.2019
The Daktaris
Soul Explosion
Als »Soul Explosion« von The Daktaris 1998 veröffentlicht wurde, wurde er als Afrobeat-Klassiker vermarktet. 20 Jahre später ist er einer.
Music Review | verfasst 10.03.2020
The James Hunter Six
Nick Of Time
Auch »Nick Of Time«, das vierte Album von The James Hunter Six, ist musikalisch und textlich völlig aus der Zeit gefallen.
Music Review | verfasst 16.10.2020
The Budos Band
Long In The Tooth
Mit »Long In The Tooth« von The Budos Band könnte man wohl vorzüglich auf den ledrigen Schwingen eines Dämons durch die Unterwelt gleiten.
Music Interview | verfasst 24.10.2011
Sharon Jones & the Dap-Kings
If you got it, you got it!
In diesen Tagen haben auch Sharon Jones & The Dap Kings ein neues Album veröffentlicht: Soul Time! Ein Interview mit der Queen Of Soul über Veränderung, die aktuelle Soul-Szene und Ehrfurcht vor der Musik.
Music Porträt | verfasst 28.10.2011
Daptone Records
Zehn Jahre stromaufwärts
Seit zehn Jahren verfolgen Neal Sugarman und Gabriel Roth mit Daptone Records nun schon ihre konkrete Vorstellungen von guter und zeitloser Musik. Wir schauen gemeinsam mit den Labelmachern zurück.
Music Porträt | verfasst 16.11.2009
Zur Renaissance von Soul und Funk
Wenn schon Retro, dann bitte nur so
Aktuell erleben wir eine Renaissance von Soul und Funk. Dabei vergessen viele Bands, dass diese Musik einst auch Ausdruck eines gesellschaftspolitischen Bewusstseins gewesen ist. Lee Fields & the Expressions bilden da eine Ausnahme.
Music Interview | verfasst 14.01.2014
Sharon Jones
Keep It Going
Im letzten Jahr wurde das eigentlich für 2013 angekündigte Album von Sharon Jones & the Dap-Kings und die dazugehörige Tour zunächst auf Eis gelegt, nachdem bei Sharon Jones Krebs diagnostiziert wurde. Jetzt ist sie zurück!
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.
Music Liste
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Gil Scott-Heron – Pieces Of A Man (1971)
Man nannte ihn den »Godfather of Hip Hop«, weil er über Drogen, Rassismus und die Divided States of America textete. Mittlerweile ist das erfolgreichstes Album von Gil Scott-Heron 50 Jahre alt – und aktueller denn je.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«