Music Porträt | verfasst 04.12.2014
Houndstooth Records
Keine Angst vor dem Neuen
Houndstooth Records ist gerade anderthalb Jahre alt und schon jetzt eine Institution für die Grenzgänge der elektronischen Musik. Mit dem nimmersatten Rob Booth als A&R ist Großes zu erwarten.
Text Jens Pacholsky
Houndstooth
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Mal ehrlich, Schallplattenlabels für elektronische Musik gibt es wie Sand am Meer. Jedes Jahr entstehen neue, jedes Jahr vergehen andere. Letzteres aus gutem Grund. Denn wozu benötigen wir ein weiteres Label für Techno oder House, wenn es schon 500.000 oder so davon gibt, die sich klangtechnisch eh kaum unterscheiden? Was braucht es also, um heute ein Plattenlabel zu gründen, das sein Anrecht auf Existenz auch in Zukunft halten kann? Klar, wenn man die Labelchefs fragt, dann sagen sie einem selten ins Gesicht, dass die Musik der Künstler cool, catchy und erfolgreich sein sollte. Meist wird vom Herzen gesprochen, dass die Musik die Labelbetreiber zu allererst wegblasen muss. Aber was heißt das schon im Kontext der eigenen Geschmackswelt? Es gibt genügend Menschen, die Westbam noch immer aufregend finden und ihn als Headliner buchen. Würde der deshalb bei einem Label wie Houndstooth Records unterkommen?

Das Label eines Getriebenen
Dann hätten die Labelbetreiber Leo Belchetz und Rob Butterworth zumindest nicht Rob Booth zum A&R für Houndstooth gemacht. Natürlich muss auch Rob Booth von einem Künstler weggeblasen werden. Wenn da dieses »aber ich möchte auch herausgefordert werden«, nicht wäre. »Ich habe keine Angst davor, etwas Neues zu probieren«, fügt Booth dem Offensichtlichen hinzu. »Vielmehr mag ich es, Leute mit neuer Musik herauszufordern. Ich suche ständig nach Sounds, die eine gewisse Langlebigkeit in sich tragen«. Der Vergleich zu Großbritanniens bekanntesten Musikgetriebenen ist da nicht weit. »Der großartige John Peel und Trendsetter wie Mary Anne Hobbs sind DJs, die gerade keine Angst davor hatten bzw. haben, ihrem Instinkt zu folgen. Diese allererste, pure Reaktion auf neue Musik ist unglaublich wichtig für mich. Das kann ich gar nicht genug betonen«.

»Musik von Leuten wie James Blake, Mount Kimbie, Tessela, FaltyDL, Airhead und Akkord entdecken und spielen, bevor es selbst die spezialisierten Radiosendungen tun – das hat mich immer angetrieben, die nächste Generation von Produzenten zu finden. Genau diese Determination motiviert mich auch bei Houndstooth« (Rob Booth) Bei Rob Booth hat dieser Ansatz Tradition und System. Aufgewachsen mit den Platten von Autechre, Aphex Twin, Gescom und Labels wie Warp, Skam, Clear und Sublight sitzt der Fokus seit jeher im Unfokussierten, an den Rändern des Normalexistenten. Seit 2007 veröffentlicht er mit seiner »Electronic Explorations«-Reihe DJ-Podcasts von Produzenten, die sowohl alte Helden als auch unbekannte Newcomer sein können. »Musik von Leuten wie James Blake, Mount Kimbie, Tessela, FaltyDL, Airhead und Akkord entdecken und spielen, bevor es selbst die spezialisierten Radiosendungen tun – das hat mich immer angetrieben, die nächste Generation von Produzenten zu finden. Genau diese Determination motiviert mich auch bei Houndstooth«. Dass Houndstooth dabei als kleiner Setzling des Londoner Kultclubs Fabric entstand, um das, was im Club an Cutting Edge und Tanzflächenwahnsinn abläuft, in ein wortwörtlich eigenständiges Outlet zu kanalisieren, ist da fast schon Randnotiz.

Kreativität hat viele Gesichter. Sie heißen alle: Houndstooth
Vom düsteren R&B-Revival bei 18+ und Soft As Snow über die Wiederentdeckung des Schlamms im Techno bei Unsubscribe sowie die hippelige Bassmusik von House Of Black Lanterns bis zum trippig-zersetzten Folk bei Snow Ghost und schlussendlich zur IDM-Reanimierung im Clubkontext wie bei Call Super oder Second Storey: Immer geht es darum, sowohl den aktuellen Vibe einer unbeleuchteten Club-Szene einzufangen, als auch die Grenzen dessen auszuloten, was schon existiert – und zwar bevor der Zug von Trittbrettfahrer überhaupt wahrgenommen wird. Während Rob Booth die Fühler ausstreckt und die Vorauswahl trifft, bleibt Houndstooth dabei immer ein komplett künstlergetriebenes Label. Die Richtung des Labels wird von der Kreativität der Künstler geprägt und nicht anders herum.

Der Warp-Antrieb ist gezündet
»Alle Künstler habe die volle kreative Freiheit. Natürlich geben wir Hinweise und unsere Meinung kunden. Mitunter versuchen wir, Dinge zu beschleunigen. Aber letztendlich gehen wir von ihren ursprünglichen Idee an komplett mit«. Das klingt nach einem perfekten Fundament für ewig währende, spannende Musik. Mit Rob Booths Gespür und Herzblut sowie einer Labelpolitik, die nicht auf den großen Return Of Investment schielt, dürfte Houndstooth irgendwann direkt neben Warp und Ninja Tune genannt werden. »Um das zu erreichen«, verrät Rob Booth abschließend seinen Geheimplan, »werde ich mein Ohr fest auf den Untergrund heften und sicherstellen, dass die Qualität unserer Veröffentlichungen so hoch wie möglich bleibt. Denn ich habe einige schreckliche Jobs hinter mir und ich möchte wirklich nichts lieber machen, als das hier.«

Die Musik von Houndstooth findest du bei hhv.de.
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