Music Liste | verfasst 31.10.2017
Sichtexot
10 Essentials
Sichtexot, das Mainzer Label wächst und gedeiht. Erst gerade ist mit Negromans neuer EP wieder ein gelungenes Projekt erschienen. Zeit für eine Zwischenbilanz, hier sind zehn Sichtexot-Releases, die unabdingbar sind.
Text Christian Neubert
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Drums und Samples, Soul und Swing. Und eine gewisse Haltung, dem Game und dem Leben gegenüber. Eine, die auch mal fordert, von sich, von anderen. Plus: Organisches Wachstum statt Schüsse aus der Hüfte, den Gunslinger aber dennoch locker um die Hüfte. So oder so ähnlich kann man Ansatz von Sichtexot und seinem hochwertigen Katalog beschreiben. Das Mainzer Label wächst und gedeiht, zeigt Kante und Profil. Und behauptet sich als eigenständige Bastion in der deutschen Rap- und Beat-Landschaft. Seit 2011 till infinity. Zeit für eine Zwischenbilanz.


Hier entlang zu den 10 Essentials von Sichtexot Records bei hhv.de..


Tufu - Hässlon »Hässlon« by Tufu, 2011.
Tufu, Rapper, Producer, Sichtexot-Urgestein, mit einer Platte, die Grenzen aufzeigt, indem sie konsequent an ihnen entlanghangelt – mit Präzision, Eleganz und Antihaltung. Tufu lässt sie nicht etwa nach Pflicht, sondern stattdessen nach Kür klingen. Dabei haut die LP rein wie Schwarzer Krauser. Was natürlich nicht jedem schmeckt, aber okay. Außerdem wird auf »Hässlon« weniger gedisst, vielmehr maßgeregelt – inklusive Absolution, wenngleich auch nur eventuell: Zehn Ave Maria!

Eloquent & Wun Two - Jazz auf gleich LP »Jazz auf gleich« by Eloquent & Wun Two, 2013. Webshop: LP
Battle Rap, der seine Füße hochlegt, vom Ohrenbackensessel aus genossen: Schon geil, wie sich Eloquents Punchlines an Wun Twos Golden Era-esque Beats schmiegen, ohne es an Druck und Dringlichkeit missen zu lassen. Die Instrumentals kommen ohne viel Schnickschnack auf den Punkt, Eloquent schnackt ohne Punkt und Komma. Diese einmalige Rapper-meets -Producer-Symbiose läuft wie geschmiert und überzeugt mit zeitloser Eleganz. Ein moderner Klassiker.

Eloquent & Loki - Soylent Gruen EP »Soylent Grün« by Loki & Eloquent, 2013.
Hach, schön: Ein acht Tracks langer Abgesang auf Utopien, genährt von Skills, Ideen und Kulturpessimismus. Diese SXT-Kollabo ist die Ruhe während des Sturms als soulful vertonter Themenabend. Ein auditives Euthanasiezentrum im Holodeck der Stoiker am Abgrund von whatever. Man stelle sich dabei Viggo Mortensen in einer Drehpause von »The Road« vor. Der muss schließlich auch mal relaxen. Und lacht dann schon mal über einen fiesen Witz.

Luk & Fil - Brot ist essbares Holz »Brot Ist Essbares Holz« by Luk & Fil , 2014.
Der Yolocaust auf Albumlänge. Schon abgefahren, mit welch hintergründiger Anmut sich Loki und Knowsum auf ihren holprig-unrunden Beats bewegen, während ihr stoischer Sarkasmus Verschachtelhalma spielt und sich hin und wieder schadenfreudsche Versprecher leistet. Das kam gerade recht, in einer Zeit, in der die einen sich ihre Bestätigung über den Strohhalm ihres Proteinshakes einholen, während andere ihre Feinfühligkeit per Seitenscheitel ausdrücken – und ist es heute noch. Weil sie das Game viel zu gut kennen, um es nicht zu ignorieren. Und gleich noch ein eigenes Regelwerk mitbringen.

The Beep - Reykjavik »Reykjavík« by The Beep , 2014. Webshop: LP
Island ist das Sehnsuchtsziel für alle, die das Gegenteil großstädtischer Hektik, gleichzeitig aber urbane Coolness suchen – nebst, natürlich, etwas romantischem Mystizismus. Dass das Debütalbum von Beatbastler The Beep daher auf »Reykjavík« und nicht etwa auf Meppen getauft ist, verwundert da nicht. Per Eisschollenästhetik, die gleichermaßen treiben wie dahinschmelzen lässt, kommt ihr Titel eh nicht von ungefähr. Und packt den von kühler Luft umwehten Ambient-Flavour mit Anmut zwischen die Booms und Baps ihrer Instrumental Hip Hop Attitüde, yo.


Hier entlang zu den Schallplatten von Sichtexot Records bei hhv.de.


Tufu - Seelenquantisierung »Seelenquantisierung « by Tufu & Anthony Drawn, 2011/2016. Webshop: LP
Das erste SXT-Release, als kostenfreier Download erschienen am 1. Januar 2011. Zum fünften Geburtstag wurde ihm eine Vinyl-Veröffentlichung geschenkt. Verdienterweise. Das Album ist die Fahrkartenkontrolle im Fahrstuhl zum Schafott. Mit guter und schlechter Nachricht. Die gute: Er kommt nie an. Die schlechte: Aussteigen ist nicht. Aber das passt schon. Weil sogar der Kinski an der Bar hocken bleibt, solange Anthony Drawn noch spielt. Nicht wundern, dass der auch da ist. Also der Kinski jetzt.

Dummer Lump LP »Dummer Lump« by Dummer Lump, 2016. Webshop: LP
Tufu und Knowsum aka Tufu und Nepomuk. Ein rappender Producer und ein produzierender Rapper. Die Quadratur des Tag Teams im Rap gewordenen Wrestling-Ring. Ungefähr so, als ob die Nasty Boys mit Technik glänzen, aber anders. Dummer Lump ist »billig, aber fresh und reimt sich auf Untergrund«. Außerdem schreckt er vor dem Einsatz der Klatschhand nicht zurück. Klar ist da Vorsicht geboten. Und viel darüber hinaus.

V.A.: Sichtexotica III »Sichtexotica III – Japan « by V.A, 2016. Webshop: 10inch
Exklusive Tracks ausgewählter Producer, kompiliert auf ein 10“ Vinyl: Für die dritte Auskopplung ihrer Sichtexotica-Reihe haben die Mainzer Indie Hip Hop Überflieger ihr instrumentales Frachtflugzeug nach Japan geschickt. Es ist als Beatbomber heimgereist, vollgeladen mit hypnotischem Material einer Tokyo-Mainz-Connection. Zum Abheben meditativ, mit wohlig-warmen Downbeat-Spielereien, fett bis in die knusprigen Enden, ohne glutamatgeile Geschmacksverstärker.

 Negroman - Negroman »Negroman « by Negroman, 2016. Webshop: LP
Jugendlicher Leichtsinn und negromanische Schwermut auf Albumlänge als Herrenwitz gegen Szenedogmatismus und Mutterficker, weil »auch ein Negroman hat Gefühle«. Die doppelbödigen Lyrics entfalten sich bruchstückhaft als ein schwer auszulotendes Kaleidoskop aus rabenschwarzem Humor und Weltschmerz. Die Synthies sind aus Plastik, der P-Funk ist betäubt und besticht durch einen Hang zur Psychose. Insgesamt ist das eher Ab- als Untergrund, ein Täter-der-Umstände-Ding. Ein großes.

Der Täubling - Der Täubling »Der Täubling« by Der Täubling, 2017. Webshop: LP
Also dann: Das Album vom Täubling, du Penner. Um eine Rap-Release-Lücke im Label-Katalog auszufüllen, die dieser Typ (sich?) selbst aufgetan hat. Nicht allerdings zur Gänze. Weil man sich da als Hörer gefälligst selbst daran abarbeiten muss. Die LP ist eine Einladung, eine Zumutung, ein Wagnis, ein Katalysator, ein Schmarrn und ein Versprechen. Man wird nicht mit ihr fertig. Da dringt man nicht, da muss man nicht, da ist man durch. Sie erschien hier übrigens mit einigen Jahren Verzögerung. Was voll okay ist, knüpft sich da doch ein zeitloser künstlerischer Anspruch besser dran an.


Die 10 Sichtexot Essentials findest du hier bei uns im Webshop..
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