Music Review | verfasst 04.03.2019
Various Artists
Djax-Re-Up Vol.1
Dekmantel, 2019
Text Kristoffer Cornils , Fotos © Dekmantel
Deine Bewertung:
/
Nutzer
9.2
Redaktion
Cover Various Artists - Djax-Re-Up Vol.1

Als Techno und House in Europa ankamen, war Miss Djax bereits DJ-Veteranin. Ein Jahrzehnt Erfahrung konnte sie damals schon vorweisen, zuerst mit Disco und Funk, später mit Electro und Hip Hop in Clubs in ihrer Heimat Eindhoven. Als Angestellte eines Plattenladens erfuhr sie dort als Erste von den neuen Dance-Sounds aus Chicago und Detroit – der Beginn einer nie enden wollenden Liebe. Als sie 1989 Djax Records aus der Taufe hob, bot Saskia Slegers zuerst Rap-Crews aus Holland eine Plattform, knüpfte aber bald Kontakte in die Mutterstädte. Irgendwann schickte ihr die halbe Szene per Fedex kaffeebefleckte Tapes aus Chicago herüber, die sie ohne zu zögern – oder die Musik mastern zu lassen – auf Platte pressen ließ. Heute sind Djax-Platten gefragter denn je, und nicht nur wegen des runden Geburtstags. Die erste Ausgabe von Dekmantels Djax-Re-Up-Serie mit ausgewählten Stücken aus dem Backkatalog beweist, wieso. Ob Bjørn Torskes melancholischer Bleep-Techno unter seinem Ismistik-Pseudonym, Glenn Undergrounds Clap-getriebener Hit »101 Dolmations« oder Felix da Housecats bouncende Sleaze-Nummer »Freakadelica«: So klingen die Blaupausen für all things outsider house. Weiter geht es mit Planet Gong, einem frühen Pseudonym der niederländischen Legende 2000 & One sowie Terrace, der mit »916 Buena Avenue« die erste Dance-Platte auf Djax veröffentlichte. Deren Titeltrack ist im »Influenza Mix« immer noch ein veritabler Überhit für alle diejenigen, die im Techno seit circa zehn Jahren die Basslines vermissen. Selbst Hexagones – kaum zu glauben, aber ein frühes Pseudonym St Germainse – brodelnder Ambient-Techno könnte frischer nicht klingen. Und dass Random XS’ nicht allein auf dieser Compilation, sondern auch separat mit frischen Remixen auf Delsin neu veröffentlicht wurde, beweist umso mehr den zeitlosen Charakter des Acid-Monsters »Give Your Body«. Zum Schluss gibt es mit K-Alexis fickfreudigem »Sex-N-R 001 (Vocal Mix)« noch einmal allerälteste Chicagoer Schule zu hören. Der krönende Abschluss einer durch und durch perfekten Hommage an Saskia Slegers’ Schaffen – und zum Glück nur die erste Ausgabe der ihrem Label gewidmeten Serie. Djax on!

Die Compilation »DJAX Re-Up Vol.1«l findest du bei HHV Records: 2LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.10.2019
Various Artists
DJAX-Re-Up Vol.2
Dekmantel legt nach und veröffentlicht mit »DJAX-Re-Up Vol.2« acht weitere Tracks aus dem Katalog des legendären Labels Djax-Up-Beats.
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 20 Compilations
Die Compilation ist der Endgegner jedes Jahresrückblicks. Denn seien wir mal ehrlich: Wenn zehn bis zwanzig ganz unterschiedliche Tracks zusammenkommen, ist das Ergebnis nur in 1% der Fälle überzeugend. Wir haben trotzdem 20 rausgesucht.
Music Review | verfasst 17.11.2015
Joey Anderson
Invisible Switch
Diese Musik ist zum Tanzen da: Joey Anderson legt mit »Invisible Switch sein zweites Album innerhalb anderthalb Jahre für Dekmantel vor.
Music Review | verfasst 01.02.2016
Palms Trax
High Point On Low Ground
Spirit Animal: Pizza. Im Falle von Palms Trax nach Chicagoer Rezeptur, wie seine zweite »High Point On Low Ground«-EP für Dekmantel beweist.
Music Review | verfasst 06.04.2016
Various Artists
Motor City Drum Ensemble - Selektors 1
Motor City Drum Ensemble macht den Anfang für die von Dekmantel neu ins Leben gerufene »Selectors«-Reihe.
Music Review | verfasst 22.05.2017
Robert Hood
Paradygm Shift
Robert Hoods erste LP seit »Motor: Nighttime World 3« bedeutet keine Rückkehr zur alten Form. »Paradygm Shift« updatet aber alte Formeln.
Music Review | verfasst 13.10.2017
Juju & Jordash
Sis-Boom-Bah
Juju & Jordash neues Album folgt dem klassischen Jam-Prinzip. Klingt aber von langer Hand geplant.
Music Review | verfasst 04.04.2019
Palms Trax
To Paradise
Nach drei Jahren meldet sich Palms Trax mit einer neuen EP für Dekmantel zurück. »To Paradise« ist eine handwerkliche Meisterleistung.
Music Review | verfasst 02.04.2019
Lamellen
Monty Roberts EP
Auf der »Monty Roberts EP« gießt das niederländische Duo Lamellen ein sehr balearisches und verträumtes Lebensgefühl in dynamische Tracks.
Music Review
Acid Pauli
MOD
Mit Synthesizern fordert Martin Gretschmann unter seinem Acid-Pauli-Alias auf »MOD« weniger zum Tanzen als zum Lauschen auf.
Music Review
Kairon; IRSE!
Polysomn
Seit ihren ersten Releases gelten Kairon; IRSE! als Shoegaze-Sensation. Nun haben die Finnen mit »Polysomn« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Lucrecia Dalt
No Era Sólida
Mit »No Era Sólida« reißt die Kolumbianerin Lucrecia Dalt sämtliche Grenzen ein. Es kommen unerforschte Gebiete zum Vorschein.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Bad Stream
Sonic Healing
Auf seinem neuen Album »Sonic Healing« verarbeitet Frittenbuden-Gitarrist Martin Steer den Schlaganfall seiner Mutter musikalisch.
Music Review
The Weeknd
After Hours
The Weeknds bekanntes Narrativ aus Hedonismus, Depression, Drogen verwickeln sich auf »After Hours« in nicht neuen, aber süßen R&B-Fäden.
Music Review
Dukes Of Chutney
Hazel
Mit wirklich gutem Dream-Pop haben Dukes Of Chutney mit ihrem Album »Hazel« jüngst auf Beats In Space debütiert.
Music Review
Larry Heard
Sceneries Not Songs Vol.1
Mit »Sceneries Not Songs Vol.1« wird Larry Heards erstes Album unter Klarnamen aus dem Jahre 1994 veröffentlicht.
Music Review
Disclosure
Energy
2013 haben Disclosure, so heißt es, House gerettet. Mit ihrem neuen Album »Energy« schließen sie ihn wieder an die Beatmungsmaschine an.
Music Review
Various Artists
Borta På Vinden (Swedish Rock Funk & Youth Center Disco 1976-1982)
»Borta På Vinden«Mika Snickars und Kool DJ Dust veröffentlichen die Compilation »Borta På Vinden« mit schwedischer Disco-Musik.
Music Review
Linda »Babe« Majika
Don't Treat Me So Bad
»Don’t Treat Me So Bad«, das erstmals 1988 veröffentlicht Debütalbum von Linda »Babe« Majika, wurde jetzt bei Be With wiederveröffentlicht.
Music Review
Harmonious Thelonious
Plong
Der Düsseldorfer Harmonious Thelonious veröffentlicht mit »Plong« ein neues Album, das erste für Bureau B.
Music Review
Vladimir Dubyshkin
Pornographic Novel
Musik, die etwas heraufbeschwört, was gerade nicht ist: zum Rave von Vladimir Dubyshkin auf »Pornographic Novel«.
Music Review
Jonathan Fitoussi
Plein Soleil
»«Mit »Plein Soleil« erweist sich Jonathan Fitoussi als würdiger Erbe von Pionieren wie Alan Parsons, Vangelis oder auch Jean-Michel Jarre.
Music Review
Angel Olsen
Whole New Mess
Mut zur Lücke: Die amerikanische Songwriterin Angel Olsen interpretiert »Whole New Mess« ihr eigenes Material nur mit Akustikgitarre neu.
Music Review
The Meridian Brothers
Cumbia Siglo XXI
Die Meridian Brothers arbeiten sich erneut an Kolumbiens Hauptexport ab. »Cumbia Siglo XXI« wird von Lo-Fi-Charme und DIY-Spirit getragen.
Music Review
Fuzzy Duck
Fuzzy Duck
Be With veröffentlicht das selbstbetitelte, einzige Album der britischen Progressive-Rocker Fuzzy Duck aus dem Jahr 1971 neu.
Music Review
Kelly Lee Owens
Inner Song
Nach den drei härtesten Jahren in ihrem Leben veröffentlicht Kelly Lee Owens mit »Inner Song« ihr zweites Album. Es ist großartig.
Music Review
George Clanton & Nick Hexum
George Clanton & Nick Hexum
Chefvapourist George Clanton und dessen geistiger Vater Nick Hexum haben eine gemeinsame Platte gemacht. Was dabei wohl herausgekommen ist?
Music Review
The Microphones
Microphones in 2020
Nach 17 Jahren meldet sich Phil Elverum mit seinem Projekt The Microphones zurück. Wie klingen »Microphones in 2020«?
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Marcos Valle
Jazz Is Dead 3
Auf »Jazz Is Dead 3« haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Marcos Valle zu Gast.
Music Review
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak? Wer das ist, weiß niemand. Sicher ist: Die neue Edit-Sammlung »Mirror« widmet sich türkischer Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Bright Eyes
Down in the Weeds, Where the World Once Was
»Down in the Weeds, Where the World Once Was«, ein Titel zur Zeit? Nein, das neue Bright-Eyes-Album steckt in der Vergangenheit fest.
Music Review
Sault
Untitled (Black Is)
Musik hat die Kraft zur Veränderung. Man hätte es fast vergessen können. Doch dann kamen Sault und mit ihnen »Untitled (Black Is)«.
Music Review
Takako Mamiya
Love Trip
Das einzige Album der japanischen Sängerin Takako Mamiya, »Love Trip« von 1982, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Ennio Morricone
Nuovo Cinema Paradiso
Im Juli ist Ennio Morricone gestorben. Nun häufen sich die Releases. Eine ist der Soundtrack zu Giuseppe Tornatores »Nuovo Cinema Paradiso«.
Music Review
Electric Wizard
Dopethrone
»Dopethrone«, das Highlight der zugedröhnten britischen Doomrocker von Electri Wizard, wurde jetzt auf Schallplatte wiederveröffentlicht.
Music Review
DJn4
Tales Of Z
Wer hätte gedacht, dass Walter Moers einst als Inspirationsquelle für Freiform-Clubmusik dienen würde? Über »Talez Of Z« von DJn4.
Music Review
Protomartyr
Ultimate Success Today
Protomartyrs »Ultimate Success Today« ist musikalisch wie lyrisch hundertprozentig zeitgeistiger Sound zum Aufbegehren.
Music Review
Ka
Descendant Of Cain
»Descendants Of Cain« von Ka begleitet die konsequente Verwahrlosung der USA wie kein anderes Album dieses Jahr.
Music Review
Jaga Jazzist
Pyramid
So lange es Bands wie Jaga Jazzist gibt, hat Jazz nur ein Problem: Dass gute Alben wie »Pyramid« heutzutage viel zu wenig Leute erreichen.
Music Review
Various Artists
Kommerz Season 1: Anti-Virus
Wie klingt es, wenn Produzenten, die House Music machen, sich dem Beatmaking zuwenden. »Kommerz Season 1: Anti-Virus« zeigt: richtig gut.
Music Review
Various Artists
Black Fire - Soul Love Now The Black Fire Records Story 1975-1993
Manchmal ist das schon unheimlich, wie gegenwärtig die Vergangenheit sein kann: Über die auf Strut erschienene Compilation »Black Fire«.
Music Review
Otis Sandsjö
Y-Otis 2
Der Schwede Otis Sandsjö hat verfolgt seinen Ansatz eines liquiden Jazz auf seinem neuen Album »Y-Otis 2« weiter.
Music Review
The Robin Jones Seven
El Maja
Der britische Percussionist Robin Jones galt als einer der bestens seines Fachs. Nun hat Jazz Room sein Werk »El Maja« wiederveröffentlicht.
Music Review
Panasonic
Remix EP
Sähkö hat von Zoviet France und Muslimgauze geremixte Stücke von Panasonic von Mitte der 1990er Jahre ausgegraben und wiederveröffentlicht.
Music Review
De Ambassade
Standhouden
Der auch als Dollkraut bekannte Musiker Pascal Pinkert legt mit »Verwijder Jezelf« und »Standhouden« zwei neue Tracks als De Ambassade vor.
Music Review
Gerhard Heinz
OST The Story Of The Dolls
Mucke für Tage, an denen einem die Sonne aus dem Arsch scheint: »OST The Story Of The Dolls« von Gerhard Heinz wird wiedervöerffentlicht.
Music Review
Tommy Mandel
Music For Insomniacs
Tropische Nächte waren nie so geil: Invisible City Editions gräbt Tommy Mandels 1984 in Heimarbeit entstandenes »Music For Insomniacs« aus.
Music Review
Ebi Soda
Ugh
Jede Woche neue interessante Jazzbands aus Großbritannien: Nun haben die aus Brighton kommenden Ebi Soda ihr Debüt »Soda« veröffentlicht.
Music Review
Imagination
Shake It
Das Label The Artless Cuckoo veröffentlicht zum vierzigjährigen Jubiläum das vielgesuchte »Shake It« der Düsseldorfer Band Imagination neu.