Music Review | verfasst 05.11.2019
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Polydor, 2019
Text Björn Bischoff
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Redaktion
Cover Michael Kiwanuka - KIWANUKA

Michael Kiwanuka hat ein Problem. Ihn treibt, wie so viele andere Künstler, das Hochstapler-Syndrom um. Aber immerhin hat er erkannt: Er selbst ist nicht das Problem. »Ich hatte schon immer das Hochstaplersyndrom. Ich bin Sänger, ich bin ein Musiker und veröffentliche Alben. Aber ich erwarte immer, dass irgendwann jemand feststellt, dass ich eigentlich von all dem keine Ahnung habe«, sagte Kiwanuka dem Deutschlandradio Kultur im Interview. Wobei es bereits bei seinen ersten Veröffentlichungen vor neun Jahren schwer vorstellbar gewesen wäre, wenn ihm jemand dies unterstellt hätte. Zwei erfolgreiche Langspieler später hat Kiwanuka seinen Sound nicht weiterentwickelt – er hat ihn intensiviert. Auch mit der Hilfe von Produzent Danger Mouse. Mit seinem dritten Album »Kiwanuka« beackert der britische Sänger jetzt weiterhin den Soul mit Orchester und ein paar netten Effekten hier wie dort. Alles ganz aufgeregt unaufgeregt. Es startet mit jenem »You Ain’t The Problem«, was in Musik gegossener Sonnenschein auf vier Minuten ist und Kiwanukas Selbsterkenntnis in einen Songtext presst. Inklusive beschwingtem Chor im Hintergrund. Überhaupt pendelt hier alles zwischen Groove und Herzlichkeit. Der 32-Jährige verströmt Optimismus über Optimismus mit jedem Song. »I’ve Been Dazed« ist die große Läuterung, »Hero« die Erbauungshymne mit Stromgitarre. Die große Kunst dieses Albums dabei: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft – und nie nach Gegenwart. Kiwanukas Songs fallen komplett aus der Zeit, aus dem Trend. Leidenschaft zieht sich durch jede einzelne Sekunde dieses Albums. Mit jedem Durchlauf überwältigen diese Songs mehr. »Nach jedem Lied, das ich veröffentlicht habe, dachte ich immer: Schön, dass es Leuten gefällt, aber von jetzt an geht es garantiert bergab«, sagte Kiwanuka. »Irgendwann war ich es leid, immer so negativ zu denken. Deshalb habe ich mir gesagt: Schluss damit, ich bin wie ich bin und es ist ok, was andere sagen.« Erst recht mit einem Album wie »Kiwanuka«. Denn diese Platte bringt nicht nur durch den Winter, durch das Frühjahr, durch das nächste Jahr. Dieses Album ist fürs ganze Leben gemacht.

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