Music Review | verfasst 23.05.2021
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Uncanny Valley, 2021
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Massimiliano Pagliara - Connection Lost Pt.3

Trauerarbeit wird in der Regel mit dem sogenannten Kübler-Ross-Modell erklärt: Verlust wird geleugnet, es kommt die Wut, es wird verzweifelt mit der Realität verhandelt, in depressive Episoden verfallen und schließlich dem Unumgänglichen ins Auge geblickt. Massimiliano Pagliara setzt sich im Rahmen seiner »Connection Lost«-Serie für das Dresdner Label Uncanny Valley mit zwischenmenschlichen Verlusten auseinander und vielleicht orientiert er sich dabei am Kübler-Ross-Modell. Das wäre allemal deswegen ein Glücksfall, weil den ersten drei Teilen noch zwei oder gar drei – gemeinsam mit David Kessler erweiterte Elisabeth Kübler-Ross das Modell kurz vor ihrem Tod um einen weiteren Schritt, »Bedeutung« – folgen könnten. So oder so läuft Pagliaras Trauerarbeit keinesfalls streng linear ab. Vielmehr kullern die einzelnen Gefühlszustände auch auf »Connection Lost Part 3« wild durcheinander. »Unfettered« macht mit hitzigem, brodelndem Acid den Auftakt – Wut, die von zischelnd-ratternden Hi-Hats und kratzigen Synthie-Riffs Nachdruck verliehen bekommt und doch von einem packenden Groove in kontrollierte Bahnen gelenkt wird. Mehr Techno war Pagliaras Musik selten. Obwohl »Forgotten Secrets« da natürlich anknüpft, mit einer beschwingten Bassline und elegischen Frühe-New-Order-Chords aber eine gewisse emotionale Instabilität ins Gesamtbild einführt. Auf der Flip orientiert sich »Iridescent Solitude« noch deutlicher am Man- beziehungsweise Madchester-Sound: Die Bassline ist zwar aus Chicago und die Chords kommen aus Ibiza rübergejettet, der über allem schwebende Ecstasy-Funk aber ist eine Verneigung vor den Happy Mondays. Nach so viel Überschwang allerdings schließt »The Empty Room« als Hip- oder Trip-Hop-inspiriertes Breakbeat-Stück, das gleichermaßen zurückgelehnt wie down and out klingt. Es ist eine ambivalente Schlussnote für diese überragende EP, die einerseits andeutet, dass die Pagliaras Trauerarbeit noch nicht abgeschlossen ist – immerhin aber nahelegt, dass die musikalische fortgeführt wird. Glück im Unglück, für uns zumindest.

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