Music Review | verfasst 19.03.2012
Various Artists
Trevor Jackson presents Metal Dance
Strut, 2012
Text Sebastian Spiering
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7.0
Redaktion
Cover Various Artists - Trevor Jackson presents Metal Dance

Geschichtsaufarbeitung einmal anders: Während die kitschige Seite der 1980er Jahre allgegenwärtig zu sein scheint, was sich v.a. in einer Flut von quietschigen Disco-Edits mit allzu eingängigen Synth-Lines und leichtbekömmlichen Vocals äußert, macht sich der Londoner Tausendsassa Trevor Jackson daran, die fast vergessenen Juwelen von der dunklen Seite der Nacht aus den Archiven zu holen. Das Ergebnis ist eine Compilation, deren Titel ebenso sperrig ist wie die ausgewählten Songs: »Trevor Jackson Presents Metal Dance: Industrial/Post Punk/EBM – Classics & Rarities 80 – 88«. Der ausgeklügelten Auswahl hört man Jacksons langjährige Erfahrung als DJ, Produzent (v.a. der Electroclash-Band Playgroup), Labelbetreiber (Output Recordings) und in erster Linie: Musikliebhaber an. So präsentiert sich die Platte weniger als sachlich-nüchterne Ausstellung angestaubter Exponate, sondern vielmehr als lebendige und persönlich inspirierte Interpretation eines enthusiastischen Zeitzeugen, der durch seine eigene Musiksozialisation führt. Los geht es fast schon (selbst-)ironisch, wenn die Reise kurz nach einem vielversprechenden Beginn plötzlich doch unvermittelt in die Gefilde – aus heutiger Sicht – banaler Strukturen und leicht verdaulicher Melodien zu führen scheint, was mit der Dub Version von Pete Shelley’s »Witness The Change«* und »Surface Tension« von Analysis seinen Höhepunkt erreicht. Dazwischen und nachfolgend wird jedoch klargestellt, wo der Schwerpunkt liegt: Auf den distortion-geschwängerten Industrialgitarren der Executive Slacks*, den mit Hilfe eines von Richard Clouston eigens angefertigten Edits energetisch ins 21. Jahrhundert katapultierten Nitzer Ebb oder dem namengebenden Stück »Metal Dance« von SPK, das noch heute so klingt, als wäre soeben ein Transformer auf Ecstasy in der St. Paul’s Cathedral gelandet. Ähnlich originell und verspielt geht es weiter, u.a. mit den durchaus tanzbaren Titeln von Alien Sex Fiend*, Naked Lunch und Yello. Alles in Allem kommt man in den Genuss einer einzigartigen Geschichtsstunde, die einige Lücken füllen und aufzeigen kann, wo die Wurzeln einer Vielzahl aktueller Musikstile zu verorten sind.

*ausschließlich auf der CD-Version

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