Music Review | verfasst 09.06.2014
Vaitea
Word Citizen
BBE Records, 2014
Text Fionn Birr
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6.9
Redaktion
Cover Vaitea - Word Citizen

Hip Hop darf ja gerne mal für Multikultiallerlei herhalten, wenn es darum geht den ach-so-selbstverständlichen Pluralismus in der heutigen Gesellschaft zu lobpreisen – Stichwort: »one nation under a groove«. Der Romantisierung des Weltbürgers, der sich überall Zuhause fühlt und Staatsgrenzen für ein Rudiment des 20. Jahrhunderts hält, ist erstmals nichts entgegenzusetzen, ja doch eher begrüßenswert. Alben wie »Word Citizen« von der in London wohnenden Rapperin Vatiea können einen da aber in echte Bredrouille bringen. Aufgezogen von einem französischem Vater und einer italienischen Mutter, schreibt die gebürtige Neuseeländerin trilinguale (!) Patchwork-Songs aus händeklatschendem Dancehall, pumpendem Funk und bodenständigem Boombap – ist also das leuchtende Beispiel einer Kosmopolitin. Wie schon der Opener »About me« zeigt, stellt man sich Vaitea schnell als nahbares, offenes Flygirl vor, die ihr sympathisches Herz auf der Zunge trägt. Statements wie »I’ don’t wear brands/ I don’t follow trends/ I go my own way with my friends« sind in ihrer Ehrlichkeit absolut unanfechtbar. Allerdings auch ganz schön harmlos. Den ehrenwerten KRS-One als Mediator der eigenen Gedankenwelt zu samplen (»Hip Hop Interlude«), festzustellen, dass das Leben kein Ponyhof ist (»Lil Bird«) und unter die Akustikgitarren-Kund »it’s all about the lovesongs« auch noch Trompeten frohlockend tröten zu lassen, sind zwar ästhetisch ansprechende Rezeptoren aus der Hiphop-Formelsammlung, aber einfach zu glatt und beliebig um auf 12 Anspielpunkten den Highscore zu holen. Auch wenn eine Welt ohne Grenzen den Erdball ein bisschen lebenswerter machen würde, muss man ja nicht gleich auch noch die Ecken und Kanten in der Musik ausradieren.

Das Album “»Word Citizen« von Vaitea” findest du bei hhv.de auf LP+CD
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