Music Review | verfasst 17.12.2014
TCF
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Liberation Technologies, 2014
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover TCF - 415C47197F78E811FEEB7862288306EC4137FD4EC3DED8B

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel uns Musik mitzuteilen vermag. Und das, obwohl eine Kickdrum nichts zu bedeuten hat, ein paar geschichtete Töne eben nicht mehr als das sind: gleichzeitig stattfindende Klangereignisse. Dass wir einen Dur-Akkord als fröhlich, einen in Moll dagegen als traurig wahrnehmen, das hat allein mit unserer kulturellen Prägung zu tun. Anderswo auf der Welt fallen die Reaktionen nämlich anders aus. Selbst im volldigitalisierten Informationszeitalter ist Musik letztlich nur das: Reine Information ohne Bedeutung. Oder? Der Norweger Lars Holdhus versteht die Musik, die er unter dem Pseudonym TCF produziert, als eine Art von kryptographischer Arbeit. Die überwiegend kurzen Tracks seiner Mini-LP klingen tatsächlich rätselhaft: Harscher Noise, überdrehter Trance-Pointilismus und nahezu randomisiert wirkende Beats finden sich zu einer brutalen Klangkulisse, einer Art Meta-Noise, zusammen. Die endlos langen Tracktitel, die sich wie Koordinaten für komplexe Matrizen lesen, lassen umso mehr den Eindruck entstehen, dass hier der Code die Musik macht. Oder doch umgekehrt? Ein findiger Blogger setzte sich vor Kurzem auf die Spur und fand bei Ansicht der Spektralvisualisierung heraus, dass der Sound von TCF tatsächlich weit mehr Informationen in sich trägt: »97 EF 9C 12 87 06 57 D8 B3 2F 0B 11 21 C7 B2 97 77 91 26 48 27 0E 5D 74« zeigt eine Fotografie aus einer Straßenschlacht in Griechenland aus dem Jahr 2011. Jetzt lässt sich weiter Rätselraten: Geht es Holdhus etwa darum, zur Revolution aufzurufen? Fest steht zumindest dies: Seine Experimente sind nicht nur faszinierende Beispiele dafür, welche Möglichkeiten und Aussagen in zeitgenössischen Musikproduktionen schlummern können, sie klingen darüber hinaus auch sehr beeindruckend.

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