Music Review | verfasst 18.05.2015
AAAA
Shiva Watts
Antime, 2015
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover AAAA - Shiva Watts

Ein junger Musiker, der heute Jean-Michel Jarre als frühen Einfluss angibt: Da verschließt man nicht die Ohren. Das Debütalbum von AAAA funktioniert allerdings ganz anders als jene des gerne mal verleugneten Pariser Elektronik-Übervaters (in dessen Heimatstadt Gabo Barranco aka AAAA übrigens geboren wurde). Lagen dessen Stärken oft in der Dynamik von Übergängen, einer fast vergessenen Kunst des Zerfasern- und Knospenlassens, belässt es AAAA bei einer Reihung von 16 kurzen, abwechslungsreichen Stücken, die sich erst in seiner Live-Präsentation in einen Sog fügen, der als klassisches Techno-Set abrollt. Wie bei Jarre sind es jedoch melodische Motive, die seinen Stücken Seele geben: Ausbildung an Piano und Gitarre, eine Vergangenheit als Shoegaze-Surfpunker mit dem Trio DDA hinterlassen eben Spuren. In der Tat hält sich Barranco mit wildem Sound-Futurismus zurück, obwohl mit dem Modularsystem als Teil seines streng analogen Sound-Setups da so manches ginge, und obwohl ihn dystopische Zukunftsvisionen viel mehr inspirieren als gängige Latin- und Tropical-Trends. Aber was ist es, das seine Musik dabei so sympathisch macht, die dann doch so ein anderes Bild seines mexikanischen Zuhauses zeichnet als die Nachrichten? Warum gelingt es ihm, mit wohlbekannten, einfachen Elementen, in denen Acid, Trance und Italo, Analogsynth-Retro und klassischer Ambient sich die Klinke in die Hand geben, in den Bann zu ziehen? Vielleicht die Tatsache, dass er eben keine Distinktionsschere im Kopf hat, sich nicht auf clevere Ideen, sondern ganz auf natürlichen Ausdruck verlässt. Und die Tatsache, dass er sein Orchester samt Stoptaste so im Griff hat, das alles sitzt. Man glaubt beim Gang durchs Album in einem Bilderbuch zu blättern, in dem mit klaren Farben und kraftvollem Strich Zeichnung auf Zeichnung folgt, Abbilder einer vertrauten Welt, präzise, aber ohne je fotografisch zu werden: Der Verzicht auf digitale Machbarkeiten in Sounds und deren Manipulation gibt der Klangwelt von »Cuatro A« eine eigenwillige Energie, die immer wieder zu ihm zurückkehren lässt.

Das Album »Shiva Watts« von AAAA ist bereits bei Antime erschienen. Bestelle die Schallplatte bei hhv.de.
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