Music Review | verfasst 03.10.2016
Felix Kubin & das Mineralorchester
II: Music For Film And Theatre
Dekorder, 2016
Text Peter Gebert
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Redaktion
Cover Felix Kubin & das Mineralorchester - II: Music For Film And Theatre

Der Soundtrack als musikalische Form ist kein Nebenschauplatz im Schaffen von Felix Kubin – er ist dessen Rückgrat. Schon sein Debütalbum auf Gagarin enthielt und hieß «Filmmusik». Von Anfang an verband sich sein spielerisches Interesse am Klangexperiment gerne mit dunklen Erzählungen in grellen Farben. Über die Jahre lieferte Mariola Brillowska nicht nur immer neue bizarre Bilder zur Vertonung, in Animation oder Theater, sondern öffnete auch das Tor nach Polen, Zusammenarbeiten mit Wojtek Kucharczyk oder Mitch&Mitch folgten. Nun durchzieht der Klang des Polnischen dieses Album, dessen Hauptlast auf Stücke für Robert Florczaks Macbeth-Bearbeitung »Makbet Remix« fällt. Nominell setzt »II: Music for Film and Theatre« die 2008 auf Dekorder erschienene Zusammenstellung von Musik für Theater und Hörspiel fort. Dort oft noch skizzenhaft oder vignettenhaft, gewinnen die Stücke hier immer wieder eine cinematische Offenheit des Raums, tragen zwar unverkennbar Kubins Handschrift, schrauben ihren Dada-Noir-Pop-Appeal aber zugunsten romantisch-schauriger Stummfilm-Atmosphäre auch zurück. Zwischendrin stiftet eine »Küchenmusik« zwischen »Alan’s Psychedelic Breakfast« (Pink Floyd, »Kochen Raum« (Hrvatski) und Saint-Saëns’ »Totentanz« Verwirrung, Menuette üben sich an Giallo-Gamesoundtrack-Horror, der »Sexmord« schließlich pochend und seltsam entrückt: Wer Shakespeares Stück kennt, genannte Bearbeitung jedoch nicht, erhält hier viel Futter fürs eigene Kopftheater. Durch seinen Fokus aufs Sounddesign anders gelagert, aber herausragend: der komplette Soundtrack zu Anke Feuchtenbergers »Somnambule«-Animations-Zehnminüter, der als einer der beiden Bonusse als surreal undurchdringliches Traum-Field-Recording diese Wirkung noch einmal potenziert.

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