Music Review | verfasst 19.12.2016
Various Artists
Doing It In Lagos
Soundway, 2016
Text Steffen Kolberg
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8.8
Redaktion
Cover Various Artists - Doing It In Lagos

Miles Cleret war wieder auf Schatzsuche. Der Gründer von Soundway Records, der bisher hauptsächlich Perlen westafrikanischer Musik der 1960er und 1970er Jahre wiederveröffentlichte, wagt mit »Doing It In Lagos« den Sprung ins nächste Jahrzehnt. Die 1980er Jahre starteten vielversprechend für Nigeria: Durch den Erdölexport entstand ein gewisser Reichtum, die ewige Ablöse von Militärdiktatoren schien kurzfristig einer zivilen Regierung zu weichen. Die Albumverkäufe befanden sich auf einem Höchststand, und obwohl Lagos die besten Aufnahmestudios Westafrikas beherbergte, nahmen viele nigerianische Musiker ihre Platten in London auf, um mit der internationalen Konkurrenz, vor allem aus den USA, mithalten zu können. Die so entstandenen Disco- und Funk-Produktionen beweisen, dass dieses Unternehmen erfolgreich war Umso erstaunlicher ist, dass sie fast gänzlich in Vergessenheit gerieten. Die Wenigen, die um ihre Qualität wissen, sind oft bereit, horrende Summen dafür auszugeben: Die verbliebenen Exemplare originaler LPs von Künstlern, die auf »Doing It In Lagos« vertreten sind, erzielen auf Internetplattformen locker Preise im dreistelligen, manchmal sogar im vierstelligen Bereich. Vielleicht gerieten die hier vertretenen Künstler deshalb in Vergessenheit, weil sie sich, anders als ihre Vorgänger der 60er und 70er, mehrheitlich von ihren afrikanischen »Roots« verabschiedeten: Afrobeat-Einflüsse hört man hier kaum, stattdessen gibt es Funk- und Boogie-Tracks, die sich an den amerikanischen und europäischen Pendants der Zeit orientieren und ihnen locker ebenbürtig sind. Interessant ist das vor allem deshalb, weil afrikanische Musik als einer der Grundbausteine von Disco angesehen wird. Die ihnen durch diese Sichtweise zugewiesene Rolle ignorieren die Interpreten auf dieser Compilation aber glücklicherweise meist, wenn der Slap-Bass wie bei Willy Roys »Don’t Give It Up« so verrücktspielt wie beim ganz jungen Flea, Oby Onyioha mit »Enjoy Your Life« den »humpty-dumpty-style«-Disco auspackt oder Lexy Mella sich mit »On The Air« mal eben mit Afrika Bambaataa battlet. »Doing It In Lagos« ist eine erschöpfende Fundgrube von Disco-Schätzen, die wieder einmal beweist, dass es schon vor Jahrzehnten verdammt gute afrikanische Musik jenseits der gängigen »Afro«-Vorsilben gab.

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