Music Review | verfasst 02.05.2017
Matthew Herbert
Brand New Love - 12"
Hypercolour, 2017
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Matthew Herbert - Brand New Love - 12"

Es gibt mehr als einen Matthew Herbert und der einzig Wahre ist meistens neben der Spur gelagert. Auf seinem letzten Album unter dem vollen Namen betrieb der Brite Klangvoyeurismus und hörte eine Frau beim Schlafen, Scheißen und Masturbieren ab. Seine letzte EP hingegen, eine Neubearbeitung von einem Jamie Lidell-Live-Stück, bot dagegen Dancefloor-freundliches Kontrastprogramm – die Art Musik, wie sie sonst eher Herbert, Matthew Herberts zweiter hauptsächlicher Produzentenidentität, zugerechnet wird. Was Matthew Herbert aber von Herbert unterscheidet, ist der Einsatz von Stimmen und sein Hang zum Pop. Zwischen avantgardistischen Luftschlössern und souligen Disco-Tunes scheinen eben doch mehr Gemeinsamkeiten zu finden sein als auf den ersten Blick vermutet. Für »Brand New Love« holte sich Matthew Herbert nun die Sängerin Zilla ins Studio und schuf einen Kompromiss: Eine dumpf wabernde Bassline wird von klirrenden Stabs kontrapunktiert, dazwischen singt sich Zilla um Herz und Kragen. So unheimlich kann also das Verlangen klingen, so leicht kann Matthew Herbert nach all der Soundabstraktion den Faden von »The Shakes« aus dem Jahr 2015 wieder aufnehmen. Dem werden zwei neue Tracks daneben gestellt, die ebenso eher an Herbert denken lassen. »The Peacock« ist ein schubberndes House-Tool oder doch eher Techno mit Tempolimit und allerhand atonalen Späßchen am Rocksaum, während »Cheekbone« belgische Akkorde über Schluckaufrhythmen irrlichtern lässt. Beide nur für mutige Dancefloors geeignet, dort aber am besten aufgehoben. Der absolute Gewinner dieses zigsten Matthew Herbert-Releases allerdings ist Paul Woolford, der als Special Request aus »Brand New Love« einen schnappatmigen Drum’n’Bass-Track zimmert, komplett mit stampfender Kick, Backspins und wabernden Sägezahnbässen. Was Woolfords Neubearbeitung so genial macht, sind seine Zugeständnisse an das kitschige Potenzial des Originals: Bassdrum raus, Zilla nach hinten in den Mix, Pianogeklimper und Streicherbett reinziehen – könnte auch den Eurovision Song Contest mitreißen, ist aber geil. Die Streicher dürfen dann sogar selbst ihre 30 Sekunden Spotlight genießen und den Track nach hinten aus dem Club heraus gen Sonnenaufgang mitschleppen. Ein Remix, so viel notwendiger als jede Burial-Verballhornung von Goldie-Klassikern. Über-Tune!

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